Angriff auf die „Gurkenriege“

Bei den Reden zum politischen Aschermittwoch übten sich die Parteien in Bayern in deftiger Wahlkampfrhetorik. Vor allem CSU und SPD schossen sich aufeinander ein.

Passau –Sieben Monate vor den Wahlen im Bund und in Bayern haben die deutschen Parteien ihre Veranstaltungen zum politischen Aschermittwoch zur Generalabrechnung mit den politischen Gegnern genutzt. SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück bezeichnete Schwarz-Gelb als „Gurkenriege“, CSU-Chef Horst Seehofer den SPD-Kanzlerkandidaten als „Schuldenkönig“, Kanzlerin Angela Merkel (CDU) warb für einen Mindestlohn und setzte sich damit auch vom Koalitionspartner FDP ab. FDP, Grüne, Freie Wähler, Linke und Piratenpartei betonten ihre Eigenständigkeit – auch gegenüber den potenziellen Koalitionspartnern.

Merkel warf SPD und Grünen Versäumnisse in der Familienpolitik und ein Abrücken von den richtigen Arbeitsmarktreformen der Agenda 2010 vor. Und sie kündigte an, im Kreis der führenden Wirtschaftsmächte dafür kämpfen zu wollen, „dass endlich mit den Steueroasen Schluss gemacht wird“.

In Anspielung auf die Bundestagswahl im Herbst sagte Merkel: „Dieses Jahr ist nicht nur der Aschermittwoch der Tag der deutlichen Worte, sondern jeder Tag ist das bis zum 22. September.“

Seehofer wiederum attackierte Steinbrück gleich zu Beginn seiner Rede scharf. Der habe als Bundesfinanzminister vor allem Schulden hinterlassen. „Steinbrück ist kein Finanzfachmann. Er ist der Schuldenkönig von Deutschland“, rief der bayerische Ministerpräsident seinen Anhängern in Passau zu. Im Gegensatz zu Steinbrück spreche er garantiert honorarfrei, lästerte der CSU-Chef. „Sein Lebensmotto ist offensichtlich: Jedem das Seine und mir das Meiste“, sagte Seehofer mit Blick auf die umstrittenen Redehonorare für Steinbrück.

TT-ePaper gratis testen und 5 x 1.000 € Geburtstagsgeld gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Jetzt testen
TT ePaperTT ePaper

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück verwahrte sich bei seinem Auftritt im bayerischen Vilshofen gegen Spekulationen über eine neue große Koalition nach der Bundestagswahl. „Ich spiele nicht auf Platz, ich setze auf Sieg und ich beschäftige mich mit keinem anderen Szenario“, tönte er. Die schwarz-gelbe Bundesregierung sei eine „Gurkenriege“ und Seehofer die größte lose Kanone auf dem politischen Deck Deutschlands. CSU und SPD beanspruchten jeweils für sich, die größte Aschermittwochskundgebung ausgerichtet zu haben. CSU-Generalsekretär Dobrindt sprach von 7000 Besuchern, die SPD reklamierte den Sieg im 5000 Plätze fassenden Zelt in Vilshofen jedoch für sich.

FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle wurde bei der Kundgebung der Liberalen in Dingolfing vom bayerischen Wirtschaftsminister Martin Zeil „im Land der Dirndln und Denker“ willkommen geheißen. Viele FDP-Anhängerinnen trugen Dirndln, um Brüderle ihre Unterstützung gegen Sexismus-Vorwürfe zu signalisieren. Eine Journalistin hatte Brüderle vorgeworfen, vor einem Jahr an einer Hotelbar eine anzügliche Bemerkung gemacht zu haben. Brüderle sagte der FDP trotz aller Unkenrufe eine erfolgreiche Zukunft voraus. „Die Freien Demokraten gehören zu Deutschland wie die deutsche Fußball-Nationalelf“, sagte er.

Die Grünen nahmen sich ausgerechnet den Papst zum Vorbild. Niemand habe mit einem Rücktritt von Benedikt XVI. gerechnet, tönte die bayerische Spitzenkandidatin Margarete Bause in Landshut. „Das ist eine wahrhaft historische Sensation“, sagte sie. „Da werden wir es in Bayern doch auch schaffen, nach 56 Jahren die CSU in die Opposition zu schicken.“ Jürgen Trittin, grüner Spitzenkandidat im Bund, ergänzte, es sei an der Zeit, dass Bayern „nach 56 Jahren vom schwarzen Fluch befreit wird“. Eine Spitze setzte es auch in Richtung Brüderle und FDP: „Wir versuchen alle, vor allem nach Aschermittwoch, unseren inneren Schweinehund zu überwinden. Die FDP macht ihn zum Spitzenkandidaten.“ (dpa, TT)


Kommentieren


Schlagworte