Haarscharf am Glück vorbeigelebt

Manchmal ist es nur EINE falsche Entscheidung im Leben und das Glück stellt sich nie mehr ein.

Von Brigitte Warenski

Innsbruck –Mathilda wusste schon als Kind, wie ihr Leben einmal aussehen sollte: eine perfekte und harmonische Beziehung bereichert durch Kinderlachen und einen erfüllenden Job. Als sie ihre große Liebe Xaver kennen lernt, scheint das Glück zum Greifen nahe. Doch Xavers Zukunftspläne sehen anders aus: große Erfolge als Schriftsteller, großer Ruhm, viele Fans und viele Feste. Und so entschließt sich Xaver, seinen Weg allein zu gehen, und lässt Mathilda eiskalt im Regen stehen. Wie sehr Xaver diesen Schritt noch 16 Jahre später bereut und warum Mathilda noch immer an ihrer großen Liebe hängt, erzählt die österreichische Schriftstellerin Judith Taschler („Sommer wie Winter“) in ihrem neuen, wunderbaren Liebesroman „Die Deutschlehrerin“.

Wie und dass Menschen an der Liebe scheitern, ist im Leben und als Romanstoff nicht neu, wirkt aber bei Taschler nie abgegriffen. Zart spinnt sie die Fäden der Liebe ihrer Protagonisten, die sie jäh wieder zerreißt. Um sie herum webt sie weitere Familien-Porträts und handelt darin sensibel und sprachlich brillant die großen Themen Familie, Liebe, Scheitern und Schuld ab. Geschichte für Geschichte wird kunstvoll ineinander verwoben, bis am Ende die eine Erkenntnis bleibt: Oft ist es nur ein Gedanke, eine Entscheidung, die der Spirale des Unglücklichseins den Anfangskick gibt. Loswerden kann man die Vergangenheit nie und jeder schleppt bis zum Ende seines Daseins alles mit, was im Leben einmal war. Ob die Reue spät kommt oder nie, ist dennoch nicht egal: Die Uhr lässt sich zwar nicht zurückdrehen, wie Mathilda und Xaver leidvoll erfahren müssen. Einen Rest vom Glück lässt sie Taschler trotzdem erhaschen.

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