Vergewaltigungsaffäre überschattet Hollandes Besuch

Ein Französischer Diplomat soll seine eigene Tochter missbraucht haben. Die indische Mutter will Frankreichs Staatschef treffen.

Neu-Delhi – Um das große Geschäft soll es bei der ersten Indien-Reise von Frankreichs Staatschef Francois Hollande gehen: Französische Rüstungs- und Atomkonzerne hoffen in naher Zukunft auf Milliardenaufträge aus dem aufstrebenden Schwellenland, Hollande will bei seinem Staatsbesuch am Donnerstag und Freitag den Weg dafür ebnen. Doch ein Vergewaltigungsfall um einen französischen Diplomaten überschattet die Reise des Präsidenten zu einem Zeitpunkt, zu dem die brutale Gruppen-Vergewaltigung einer Studentin in Indien heftige Proteste gegen sexuelle Gewalt ausgelöst hat.

Der Fall um die Nummer drei des französischen Konsulats in der südindischen Stadt Bangalore, Pascal M., dem seine indische Ehefrau die Vergewaltigung der gemeinsamen dreijährigen Tochter vorwirft, schlägt in Frankreich und in Indien zunehmend hohe Wellen. Hollande wird in Indien Fragen zu der Affäre daher kaum entgehen können. Die Mutter des kleinen Mädchens und Ehefrau des Diplomaten, Suja Jones M., fordert ein Treffen mit dem Präsidenten.

Alles begann im Juni 2012. Nach einer Anzeige seiner Ehefrau wurde Pascal M. in Bangalore wegen Vergewaltigungsverdachts festgenommen. Ärzte bestätigten, dass das Kind vergewaltigt wurde. Der Vater M. weist jedoch jede Schuld von sich; er wurde nach knapp vier Monaten in Untersuchungshaft im Oktober gegen Zahlung einer Kaution freigelassen. Sein Pass wurde ihm abgenommen, er darf Bangalore in Erwartung eines für März angesetzten Prozesses nicht verlassen.

Vergangene Woche nahm der Fall Züge einer Staatsaffäre an. Denn die französischen Anwälte des Diplomaten wurden von Offiziellen des Elysée-Palasts empfangen. Die Anwälte gaben an, ihnen sei es bei dem Treffen um die drei Kinder des Paares - unter ihnen das mutmaßliche Vergewaltigungsopfer - gegangen. Die Kinder, die die französische Staatsbürgerschaft haben, befänden sich in einer „Gefahrensituation“, weil die Mutter das Sorgerecht ausübe und der Vater die Kinder seit Juni nicht mehr habe sehen dürfen.

TT-ePaper gratis testen und 5 x 1.000 € Geburtstagsgeld gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Jetzt testen
TT ePaperTT ePaper

Die Ehefrau des Diplomaten und Frauenrechtsaktivistinnen reagierten empört. „Ich finde es sehr schockierend, dass Mitarbeiter des französischen Präsidenten bereit sind, die Anwälte eines Mannes zu empfangen, dem ein sehr schweres Verbrechen zu Last gelegt wird“, sagte Jones M. der Nachrichtenagentur AFP. Die bekannte Frauenrechtlerin Marieme Helie Lucas befürchtet, dass die französische Regierung versuchen könnte, zum Schutz des Diplomaten die indische Justiz zu beeinflussen.

Auf die französische Diplomatie jedenfalls wirft der Fall bereits jetzt kein gutes Licht. So deutete der damalige französische Konsul in Bangalore gegenüber der indischen Polizei an, M. genieße diplomatische Immunität - dabei hatte M. gar keinen Diplomatenpass. Zwei Tage nach M.s Festnahme sollen zudem umgerechnet 3.500 Euro vom gemeinsamen Konto des Paares auf das Konto des Vize-Konsuls geflossen sein.

Auch strafrechtlich ist der Fall verzwickt. Die Anwälte des Diplomaten geben an, ein neuer DNA-Test und Zeugenaussagen würden die Unschuld ihres Mandanten beweisen; der Ehefrau werfen sie vor, Beweise manipuliert zu haben. Deren Anwälte halten dagegen: Hinter dem neuen DNA-Test vermuten sie Bestechungen.

Hollande hat keinerlei Interesse, in den komplizierten Fall hineingezogen zu werden. Er will sich bei seinem Besuch dafür einsetzen, dass Indien beim französischen Rüstungskonzern Dassault mindestens 126 Rafale-Kampfjets bestellt und der französische Atomkonzern Areva den Zuschlag zum Bau von zwei neuen Reaktoren in dem Land bekommt. Ob der Präsident Suja Jones M. treffen würde, war am Mittwoch unklar. (APA)


Kommentieren


Schlagworte