Reichlich Action, doch Horror bleibt auf der Strecke

Der dritte Teil der „Dead Space“-Reihe kann seinen Vorgängern nur teilweise gerecht werden, der Fokus liegt stärker auf Action. Trotzdem liefert Entwickler Visceral einen spannenden, atmosphärischen Nachfolger ab.

Von Lukas Schwitzer

Innsbruck – Ein dunkler, metallener Gang. Langsam und vorsichtig bewegt sich ein einsamer Mann in Richtung eines sanft blau leuchtenden Türschlosses, während er seine Lampe über die vielen dunklen Ecken schweifen lässt. Ein Geräusch von links lässt ihn aufschrecken, doch im Lichtkegel ist nichts zu sehen. Der Mann atmet kurz auf, bevor eine mit Tentakeln ausgestattete Alien-Mutation durch einen Lüftungsschacht in den Gang bricht. Und so manchem Spieler einen kurzen Aufschrei entreißt, bevor er sich daran macht, die Kreatur von überflüssigen Gliedmaßen zu befreien.

Die Nekromorphs sind zurück

Wer schon einmal einen Teil der „Dead Space“-Reihe gespielt hat, dem dürfte diese Szene bekannt vorkommen. Der Mann ist natürlich Ingenieur Isaac Clarke, der Protagonist der beiden ersten Teile, den man auch in „Dead Space 3“ kontrolliert. Nachdem dieser versucht hat, sich nach den Ereignissen von Teil 2 versteckt zu halten, wird er im 26. Jahrhundert unfreiwillig doch wieder in den Kampf gegen die Nekromorphs gezogen. Denn die „Marker“ - große Steinmonumente, die durch ihre Strahlung Menschen in diese untoten Monstrositäten verwandeln - haben sich inzwischen weit verteilt, die Bedrohung ist größer denn je.

Diesen trostlosen Aussichten steht aber ein Hoffnungsschimmer entgegen. Auf dem Eisplaneten Tau Volantis soll vor langer Zeit einmal eine Nekromorph-Epidemie aufgehalten worden sein, Gerüchte um eine Super-Waffe tauchen auf. Kein Wunder also, dass sich ein Team um Sergeant John Carver, mit Isaac im Schlepptau, auf den Weg zu diesem Planeten macht, um den Gerüchten auf den Grund zu gehen. Doch schon in der Umlaufbahn von Tau Volantis trifft die Truppe auf Probleme untoter Alien-Natur.

Größerer Fokus auf Action

Bereits im Vorfeld der Veröffentlichung von „Dead Space 3“ war ein größerer Fokus auf Action vermutet worden, zumindest in der ersten Hälfte bleibt Teil 3 aber den Vorgängern treu. Die Atmosphäre ist beklemmend, plötzlich auftauchende Nekromorphs sorgen für den einen oder anderen Schock-Effekt und kurze, aber spektakuläre Action-Einlagen treiben den Adrenalinspiegel nach oben. Auch an die serientypische Kampfweise – den Mutanten müssen die Gliedmaßen abgeschossen werden – gewöhnt man sich schnell. Der Spieler fühlt sich sofort wieder ins aus den Vorgängern bekannte, dunkle Universum versetzt. Auch die düstere Story, die aufwändige Grafik sowie das großartige Sound-Design tun ihr Übriges dazu.

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Doch leider hält das Gefühl der schaurigen Vertrautheit nicht an. In der zweiten Hälfte des Spiels entartet „Dead Space 3“ immer mehr in ein reines Action-Spiel. Man begegnet neuen Gegnern, den Unitology-Soldaten, die erst einmal für etwas willkommene Abwechslung sorgen, die Begegnungen mit diesen werden aber immer mehr zu aus Standard-Shootern bekannten Schießereien. Der Horror bleibt dabei auf der Strecke. Da zudem, anders als in den Vorgängern, gesammelte Munition in alle Waffen passt und nicht mehr für jede Waffenart separat gefunden werden muss, fällt auch die Angst weg, plötzlich ganz ohne Waffe dazustehen. Sämtliche Waffen sind immer wohlgeladen.

Die gesamte Kampagne kann auch im gelungenen Koop-Modus gespielt werden, wobei der zweite Spieler die Rolle von John Carver übernimmt, der Isaac auf seiner Reise begleitet. Interessant dabei: Carver ist nicht wie Isaac gegen die Strahlung der Marker immun und wird daher von Halluzinationen geplagt. Es kann also durchaus vorkommen, dass der Spieler des Soldaten ein Monster bekämpft, das sein Mitspieler in der Rolle von Isaac gar nicht sieht. Das sorgt für Spannung und unterhaltsame Verwirrung. Wer die Kampagne aber trotzdem lieber alleine spielt, dem entgeht dabei nichts Story-relevantes.

Ingame-Store und elf DLCs

Die Waffen selbst haben teilweise Individualisierungs-Optionen, an den bekannten Arbeitsbänken können sie modifiziert oder auch völlig neue erstellt werden. Dazu benötigt es Rohstoffe, die ebenfalls während des Spiels gesammelt werden. Auch die Rüstungen können so aufgewertet werden, was für einiges an Motivation sorgt. Sauer stößt dabei auf, dass die Rohstoffe auch in einem Ingame-Store für bare Münze gekauft werden können. Zwar ist dies kaum nötig, stört aber dennoch.

Generell dürfte sich Publisher Electronic Arts mit seiner Kauf-Politik erneut keine Freunde machen, besonders unter den Fans der Reihe. Bereits zum Markt-Launch von „Dead Space 3“ wurden ganze elf DLCs (kostenpflichtige, herunterladbare Zusatzinhalte, Anm.) veröffentlicht. Diese erweitern das Spiel zwar nur unwesentlich und stellen meist zusätzliche Waffen oder Rüstungen zur Verfügung, sie werden also nicht benötigt, um die Story in ihrer Gesamtheit zu erleben, lassen aber einen starken Eindruck von Abzocke entstehen. Denn wer wirklich alles will, was für „Dead Space 3“ veröffentlicht wird, muss tief in die Tasche greifen, obwohl er bereits ein Spiel zum Vollpreis erstanden hat.

Fazit

Alles in allem ist „Dead Space 3“ ein würdiger Nachfolger mit spannender Story und toller Inszenierung, der jedoch nicht an die großartige Atmosphäre und das Gameplay seiner Vorgänger heranreicht. Für Quereinsteiger dürfte Teil 3 zwar Anfänger-freundlicher sein als es etwa noch „Dead Space 2“ war, gerade Serien-Veteranen dürften aber enttäuscht über den großen Action-Fokus sein. Der Koop-Modus ist äußerst gelungen und unterhaltsam, Grafik und nicht zuletzt Sound überzeugen klar. Einen Nachgeschmack hinterlassen die vielen DLCs und der Ingame-Store, die ein Spiel zum Vollpreis nicht nötig haben sollte.

Unsere Bewertung: 8/10

Entwickler: Visceral Games

Publisher: Electronic Arts

„Dead Space 3“ ist seit 8. Februar für Windows (benötigt ein Origin-Konto), PlayStation 3 und Xbox 360 erhältlich.


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