Wenn bereits vor dem Wahltag alles entschieden ist

Der amtierende ecuadorianische Präsident Rafael Correa liegt in Umfragen bei einem Vorsprung von mehr als 20 Prozent.

Quito - Der nächste ecuadorianische Präsident wird Rafael Correa heißen, daran zweifelt wenige Tage vor dem ersten Durchgang der Präsidentschaftswahlen am Sonntag niemand mehr. Offen ist eigentlich nur noch, ob dem Linkspopulisten, der bereits seit 2006 an der Spitze des Andenstaates steht, auf Anhieb die Wiederwahl gelingt oder er am 4. April noch eine Stichwahl gegen den Konservativen Guillermo Lasso bestreiten muss.

Gegner Lasso: Wahlkampf war „schmutzig“ und „absolut ungleich“

Dieser zeigte sich zuletzt in einem Interview mit der kolumbianischen Wochenzeitung „Semana“ zuversichtlich: Umfragen würden ihm mehr als 26 Prozent bescheinigen, ein Einzug in die Stichwahl sei daher sicher. Unklar ist freilich, auf welche Daten sich Lasso bezieht. Denn die letzten Umfrageergebnisse, die ihm zumindest 25 Prozent versprechen, stammen von Mitte November 2012. Seitdem geben seriöse Umfragen Correa zwischen 56 und 49 und Lasso zwischen 21 und 18 Prozent. Um bereits im ersten Durchgang gewählt zu werden, müssten zumindest 40 Prozent der rund 11,7 Millionen Wahlberechtigten für den amtierenden Präsident stimmen, der Vorsprung auf den Zweitplatzierten muss mehr als zehn Prozent betragen.

„Schmutzig“ und „absolut ungleich“ sei der Wahlkampf verlaufen beklagt Lasso, Ex-Präsident der Banco de Guayaquil und bis heute einer ihrer größten Aktionäre. „Ein Fußballmatch auf einem abschüssigen Platz, einem gekauften Schiedsrichter und Zusehern, die - mit Unterstützungen und Boni gekauft - dieser üblen Nummer zehn applaudieren, die betrügen möchte, nicht sauber spielt, lügt und Fouls mittels schmutziger Kampagnenführung begeht“, so sieht Lasso die Ereignisse der letzten Wochen.

Bekam Correa Unterstützung aus Venezuela?

Er selbst stellte im Wahlkampf die teils prekäre Sicherheitslage, die Armut, in der weiterhin rund 30 Prozent der Bevölkerung leben und eine Diversifizierung der Wirtschaft - gegenwärtig großteils von der Erdölförderung abhängig - in den Mittelpunkt. Außenpolitisch will sich Lasso endlich wieder mehr an der Demokratie und weniger an Staaten wie Bolivien oder Venezuela orientieren. Correas Partei PAIS wirft er vor, verfassungswidrige Wahlkampfunterstützung von Caracas erhalten zu haben.

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Correa ließ sich von Mitte Jänner bis zum offiziellen Wahlkampfende Donnerstagabend extra von seinen Pflichten als Staatspräsident beurlauben, hielt sich mit Angriffen gegenüber seinem Gegenspieler jedoch auffällig zurück. Eine Agrarreform strebe er an sowie den Ausbau sauberer Energie, erklärte der amtierende Präsident und warnte, dass Land würde in die Vergangenheit zurückfallen, sollte Lasso gewinnen.

Lasso: Medien sind „eine Gruppe wilder Bestien“

Seinen eigentlichen Feind sieht der 49-jährige Doktor der Wirtschaftswissenschaften, der unter anderem an der Universität Illinois sowie im belgischen Leuven studierte, aber ohnehin in den Medien -“eine Gruppe wilder Bestien“, wie er sie nennt. Den privaten Radio- und Fernsehstationen sowie der gedruckten Presse wirft er vor, die Interessen jener Banken und Großkonzernen zu vertreten, die sich während der Finanzkrise 1999 auf Kosten des ecuadorianischen Volkes bereichert hätten.

Dabei geht Correa selbst selten zimperlich mit den Medien um. Etwa im von ihm angestrengten Prozess gegen die Tageszeitung „El Universo“, die ihm in einem Leitartikel als „Diktator“ bezeichnet und ihm „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ vorgeworfen hatte, der mit einem außerordentlich harten Urteil endete: Die Verantwortlichen wurden zu je drei Jahren Haft und einer Geldstrafe von insgesamt 40 Millionen Dollar verurteilt, Correa begnadigte sie schließlich im Februar 2012. Auch die erzwungene Schließung von Radio-Fernseh- und Zeitungsredaktionen durch die Polizei sind keine Seltenheit. Auf der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen landete Ecuador 2013 lediglich auf Platz 119 von 179.

Auch früherer Weggefährte tritt gegen Correa an

Weil Correa die Bürger in seiner „Revolution des Bürgertums“ (Revolucion Ciudadania) zu sehr aus den Augen verloren habe, muss er bei den diesjährigen Wahlen auch gegen einen einstigen Verbündeten antreten. 2007 leitete Alberto Acosta, Linksintellektueller, Anti-Globalisierungskritiker und Aktivist für die Rechte der Indigenen, noch die von Correa einberufene Verfassungsversammlung, die bis Juni 2008 auch die gesetzgebende Gewalt vom Parlament übernahm, heute ist er einer seiner schärfsten Kritiker. Trotz einem indigenen Bevölkerungsanteil von mehr als 40 Prozent hat Acosta keine besonders großen Erfolgschancen. National wollen lediglich fünf bis sechs Prozent für ihn stimmen, im stark indigen geprägten Amazonasgebiet im Osten aber immerhin rund 26 Prozent.

Zeitgleich zum ersten Durchgang werden im 284.000 Quadratkilometer-Staat auch die 137 Sitze der Nationalversammlung neu verteilt. Favorit ist die Correa-Partei „Alianza Pais“ (PAIS, Allianz des Landes) für die laut einer aktuellen Umfrage von CIEES 57,2 Prozent der Wahlberechtigten stimmen wollen, gefolgt von Lassos CREO („Creando Oportunidades“, Möglichkeiten schaffend) mit 18,7 Prozent. Alberto Acostas „Unidad Plurinacional de las Izquierdas“ (Plurinationale Einheit der Linken) ist mit 27,9 Prozent zwar in den östlichen Urwaldgebieten stark, kommt national jedoch auf lediglich 4,6 Prozent. In Ecuador herrscht Wahlpflicht. (APA)


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