Countdown für das Propolis

Das Kulturcafé Propolis steht vor dem Aus: Die Pfarre St. Paulus kann sich den Erhalt nicht mehr leisten. Nach Auswegen wird gesucht.

Von Christiane Fasching

Innsbruck –Die Wände des Kulturcafés Propolis erzählen viele Geschichten. In wenigen Monaten werden diese Geschichten auserzählt sein – denn Ende des Jahres wird die Kulturinsel in der Reichenau ihrerseits Geschichte sein. Es ist das liebe Geld, das einer Zukunft der seit Mitte der 90er Jahre bestehenden Einrichtung im Weg steht.

Aber der Reihe nach: 1995 hauten sich ein paar junge, engagierte Menschen auf ein Packerl, um sich in Sachen Jugendkulturarbeit zu engagieren. Diese Idee wurde auch von der Pfarre St. Paulus goutiert, wo in der Folge das Kulturcafé Propolis seine Pforten öffnete. Hier durfte man sich ausprobieren – ohne große Bürokratie, ohne großen finanziellen Aufwand. Hier feilte das Kabarett-Duo „Die Schienentröster“ an seinen ersten Pointen, hier gewöhnten sich die Protagonisten von HotchPotch ans Rampenlicht und auch Hang-Virtuose Manu Delago, der kürzlich mit der isländischen Crossover-Elfe Björk auf Tour war, sammelte hier Bühnenerfahrung. Doch trotz dieser Erfolgsgeschichten steuert die Kulturinstitution in der Reichenau ihrem Ende entgegen. In einigen Monaten – voraussichtlich um den Jahreswechsel – muss die baufällige Liegenschaft abgerissen werden. Einen Neubau könnte sich die Pfarre nicht leisten, weshalb sie das Baurecht auf 50 Jahre der Neuen Heimat übertragen hat, die drei neue Gebäude errichten wird. Dort wird es dann zwar wieder Platz für den Kindergarten und das offene Jugendzentrum geben, nur das Kulturcafé Propolis hat dann kein Dach mehr über dem Kopf. Hans Neuner von der Diözese Innsbruck, der das Bauprojekt für die Pfarre begleitet, ist darüber nicht glücklich. „Mir tut‘s leid, weil hier immer tolle Arbeit geleistet wurde“, sagt er zur TT. Doch die Pfarre habe es sich einfach nicht mehr leisten können, die Kulturinitiative weiter zu betreiben. Neuner: „Wenn‘s finanziell eng wird, sind solche Institutionen in der Prioritätenliste leider immer ganz unten, weil die Lobby fehlt“, bedauert er. Trotzdem dürfe man nicht vergessen, dass die Pfarre das Propolis und damit „sinnvolle kreative Begegnungen“ über viele Jahre unterstützt habe.

Die „Propolisten“ – wie „Schienentröster“ Daniel Lenz – suchen indes nach räumlichen Alternativen. Und nach kreativen Menschen, die sich im Bereich Jugendkulturarbeit engagieren wollen. Leicht ist weder das eine noch das andere. Doch tatenlos will man das Propolis nicht zu Grabe tragen. Gespräche mit der Stadt Innsbruck sind angedacht. Kulturamtsleiter Horst Burmann hätte dafür auf alle Fälle ein offenes Ohr, wie er zur TT sagt. „Ich hoffe, sie melden sich bei mir“, so Burmann. Vielleicht geht die Propolis-Geschichte ja doch in die Verlängerung.


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