Als Ikone willkommen, als Mitarbeiter zu unbequem

Es reichte ein Blog Hermann Maiers, um die heile Welt des Österreichischen Skiverbands gehörig aus den Angeln zu heben. Ein Wirbel mit Folgen?

Von Florian Madl

Schladming –Wenn Hermann Maier spricht, hat das Gewicht. Im Gegensatz zu seinen Ex-Kollegen beschränkt sich der 40-Jährige auf Kurzauftritte, als Zeitungskolumnist steht der Salzburger nicht zur Verfügung. Höchstens als Internetblogger für seinen Hauptsponsor – und pünktlich zum Großereignis WM ist er wieder da, der „Herminator“: mit all seinen Ecken und Kanten. Die Kritik an den zu wenig selbstkritischen Funktionären des Österreichischen Skiverbands saß – nach der medaillenarmen ersten WM-Woche, daran konnte nicht einmal der allgewaltige Präsident Peter Schröcksnadel etwas ändern: Der 71-Jährige, einst Manager des Seriensiegers, stellte zunächst die Urheberschaft Maiers beim Blog in Frage: „Hermann hätte mir sicher selbst gesagt, wenn er was zu kritisieren hat.“ Dann formierten sich Sportdirektor Hans Pum und Herren-Chef Mathias Berthold – die Kritik sei zu diesem Zeitpunkt „entbehrlich“, „Schwachsinn“.

Hermann Maier bekräftigte unlängst seine Kritik und wunderte sich: „Ich wollte mich nur vor die Sportler stellen. Mich überrascht die Dünnhäutigkeit.“ Erinnerungen an seine Zeit als Aktiver wurden wach: „In meinem Windschatten hatten es die Kollegen früher viel leichter zu arbeiten.“

Mittlerweile sucht man zu beschwichtigen, von einer Aussprache war zuletzt die Rede. Und davon, dass Maiers Berater Walter Delle-Karth die Rolle des Einflüsterers über habe: „Der böse Bub ist der Pressemann“, grinste der Tiroler.

Und Walter Delle-Karth bekräftigt, was Hermann Maier schon nach seinem Rücktritt erkennen ließ: die Bereitschaft zur Mitarbeit. Die ließ der Flachauer erkennen, als der Internationale Skiverband FIS einst die Materialrevolution einleitete, um die Sicherheit der Fahrer zu gewährleisten. Und das (unausgesprochene) Angebot galt auch dem Österreichischen Skiverband, der sich auf der Suche nach einem Ausbildungsmodell befand. Allrounder oder Spezialisten?, lautete die Frage. Zu Wort kamen viele Experten, Maier nur im Rahmen von Pressekonferenzen.

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„Hermann wird keine Job-Anzeige aufgeben“, bekräftigte Pressemann Delle-Karth gestern. Zum Mitarbeiten sei der „Herminator“, der gestern bei einer Skitour in Salzburg die Akkus auflud, jedenfalls bereit. Maier sei es aus seiner Karriere schließlich gewohnt, im Wind zu stehen.

Delle-Karth schließt mit einem kryptischen Satz: „Wenn passiert, was wir alle hoffen – dass wir im WM-Finale viele Medaillen holen –, dann ist das wohl nicht mehr aktuell.“ Maiers unausgesprochenes Angebot einer Mitarbeit würde man dann wohl nicht mehr in Anspruch nehmen.

Als Ikone ist Hermann Maier offensichtlich willkommen, als solche ziert er im Hauptgebäude des Österreichischen Skiverbands die Wände. Aber als Mitarbeiter wäre er in der Innsbrucker Olympiastraße 1 möglicherweise doch zu unbequem.


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