Stammkunden werden weniger, Konsumenten sind mobiler

Das Einkaufsverhalten hat sich in den vergangenen Jahrzehnten verändert. Wie die Optiker darauf reagieren, schildert Joseph Gaertner.

Herr Gaertner, Sie sind Innungsmeister der Tiroler Augenoptiker. Welchen Herausforderungen müssen sich die Tiroler Augenoptiker derzeit stellen?

Joseph Gaertner: Die Wissenschaft schläft nicht. Die Optiker sind ständig gefordert, die neuesten Erkenntnisse in ihre Arbeit einfließen zu lassen.

Wie ist das Verhältnis zu den Augenärzten?

Gaertner: An sich gut. Es kommt nur zu einer Überschneidung im Bereich Kontaktlinsen. Auch der Augenarzt passt im Rahmen des Kontaktlinsengewerbes Kontaktlinsen an. Wir haben also eine gemeinsame Tätigkeit. Die Diagnose muss allerdings der Arzt stellen. Das ist wichtig.

Und die Optikerketten sind kein Thema?

Gaertner: Es gibt die Großanbieter in Form von Ketten und Geschäften, die vom Inhaber geführt werden. Gaertner ist so ein inhabergeführtes Unternehmen. Ich beschäftige 11 Mitarbeiter und bilde Lehrlinge aus. Das machen die Ketten auch. Doch wir kleinen Optiker stehen mit unserem Namen persönlich hinter unserer Leistung und zeigen so persönlichen Charakter. Ketten hingegen agieren mit einer gewissen Anonymität und argumentieren häufig über den Preis. Doch im Optiker-Geschäft geht es um die letzten Features wie Entspiegelung, Haltbarkeit oder Kratzfestigkeit sowie Sitzkomfort. Das sind Dinge, die einer intensiven Beratung bedürfen. Dafür braucht es Zeit, die wir uns nehmen.

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Hat sich das Einkaufsverhalten der Kunden verändert?

Gaertner: Vielleicht bekommen wir amerikanische Verhältnisse. Die Zahl der Stammkunden nimmt ab. Der Kunde ist nicht mehr so treu wie vor 30 Jahren. Einmal kauft er bei einer Kette eine Brille von der Stange, das nächste Mal geht er wieder zu seinem Optiker, um sich beraten zu lassen.

In einem Ihrer Geschäfte widmen Sie sich dem Gehör- und Lärmschutz. Warum?

Gaertner: Lärmschutz hat für mich sehr viel mit Lebensqualität zu tun. Lärm ist lästig, Lärm ist schädlich. Im Laufe der Menschheitsgeschichte hat der Lärm kontinuierlich zugenommen. Wenn beispielsweise um 6 Uhr in der Früh in Innsbruck ein Flugzeug startet, müssen sich das vielleicht 120.000 Leute anhören. So eine Beschallung gab es vor einigen Jahrzehnten noch nicht. Lärm steht an erster Stelle als Auslöser von Berufskrankheiten. In der Stille liegt die Kraft. Es soll aber auch nicht ganz still sein. Es geht um Schalldämmung. Unser Ohr ist immer in Bereitschaft, man muss es schützen. Ist es einmal beschädigt, ist es für immer funktionsunfähig.

Sie fertigen den Gehörschutz selbst an?

Gaertner: Ja, das macht die Qualität aus. Denn ein Gehörgang ist ebenso einzigartig wie ein Fingerabdruck. Man darf nicht einfach irgendwelche Schaumstoffstöpsel nehmen und sie sich in die Ohren stopfen. Ein Gehörschutz muss individuell angepasst werden.

Sie sind Mitglied der Einkaufsgemeinschaft Opticon. Kann man als Einzelkämpfer in der Branche überleben?

Gaertner: Einzelkämpfer wird es immer geben. Für mich ist Opticon ein Gewinn. Ich muss mich nicht um Einkaufskonditionen, Modellentwicklungen oder Trends kümmern. Das macht Opticon. Und natürlich gibt es dadurch den Preisvorteil, den ich meinem Kunden so weitergeben kann.


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