ARD-Reportage setzt Online-Riesen Amazon unter Druck

Busse voll mit eingeschüchterten Leiharbeitern aus ganz Europa, bewacht von angeblich rechtsradikalen Sicherheitsleuten – Die Vorwürfe aus einer Reportage wiegen schwer. Nun hat sich Amazon zu Wort gemeldet.

© AP

Berlin – Silvina ist Kunstlehrerin aus Spanien. Die schlechte Wirtschaftslage in ihrem Heimatland hat sie, wie knapp 5000 weitere Menschen, in der Vorweihnachtszeit nach Deutschland gelockt. Der Online-Riese Amazon suchte Arbeiter, Silvina nahm das Angebot an.

Die Reporter Diana Löbl und Peter Onneken zeigen in ihrer ARD-Reportage die Lebenswelt der Spanierin in düsteren Bildern. Sie und hunderte Leiharbeiter, die in einem Feriendorf teils abgeschirmt von anderen Gästen leben.

Mit versteckter Kamera filmen die Reporter Pinnwände voll mit Anweisungen, Schichtplänen und Regeln, die in deutscher und englischer Sprache nur für wenige der Menschen, die aus Polen, Ungarn, Rumänien, Spanien und anderen Ländern stammen, verständlich sind.

Die Autoren der Reportage zeigen Bilder eines ein unmenschlichen Überwachungssystems und als sie die Kleidung der Wachleute filmen, werden sie verfolgt, bedrängt und aus der Anlage geworfen.

Verbotene Insignien

Offenbar nicht ohne Grund: Denn die Kleidung einiger Männer vom Wachdienst zeigt Zeichen, die beispielsweise in vielen deutschen Bundesliga-Stadien oder im Bundestag verboten wurden und als Erkennungszeichen für Neonazis gelten. Sogar Amazon selbst hat diese Kleidungsstücke nach lauter Kritik bereits 2009 von seiner Plattform verbannt.

Der Film zeichnet insgesamt ein schockierendes Bild für alle, die gerne bei Amazon einkaufen. Eingeschüchterte Leiharbeiter, rechtsradikale Bewacher – diese Botschaft wirkt skandalös.

Vor der Ausstrahlung sei Amazon zu keiner Stellungnahme bereit gewesen, berichtet die IT-Plattform golem am Donnerstagabend. Nun, einen Tag nach der Erstausstrahlung habe das Unternehmen schließlich „eine Stellungnahme nachgeschoben“.

Zeitarbeiterfirma angeheuert

In der Erklärung schildert Amazon die Situation der Vorweihnachtszeit. Auch dass man, wie in der Reportage gezeigt, auf die Dienste einer Zeitarbeitsfirma zurückgreife. Zu den Sicherheitsleuten zitiert golem „das Schreiben im Wortlaut“:

„Amazon duldet keinerlei Diskriminierung oder Einschüchterung. Auch wenn das Sicherheitsunternehmen nicht von Amazon beauftragt wurde, prüfen wir derzeit selbstverständlich den von den Redakteuren gemachten Vorwurf bezüglich des Verhaltens des Sicherheitspersonals und werden umgehend geeignete Maßnahmen einleiten.“

Weiter soll es in dem Schreiben an golem heißen: „Sie können sicher sein, dass wir jedem Vorfall in unseren Logistikzentren und im Umfeld, der uns von Mitarbeitern zur Kenntnis gebracht wird, nachgehen und bei Bedarf umgehend Verbesserungen einleiten.“ Doch laut Reportage wusste Amazon längst bescheid: Mitarbeiter der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di berichten im Film von Versuchen, Verantwortliche bei Amazon zum Handeln zu bewegen – angeblich mehrfach und immer vergeblich. (upf)

Hier der Link zur ARD-Reportage: http://go.tt.com/YbABPh


Kommentieren


Schlagworte