Nach Boeing-Debakel: Airbus setzt auf herkömmliche Batterien

Airbus will nicht das gleiche Batterie-Desaster wie Boeing bei seinem «Dreamliner» erleben. Deshalb geht der europäische Hersteller beim neuen Langstreckenjet A350 lieber auf Nummer sicher.

Toulouse - Der Flugzeugbauer Airbus zieht die Konsequenzen aus dem Batterie-Debakel um Boeings „Dreamliner“-Jets. Das jüngste Airbus-Modell, der Langstreckenflieger A350, soll anstelle der umstrittenen Lithium-Ionen-Batterien mit herkömmlichen Akkus an den Start gehen. „Wir haben uns für Nickel-Cadmium-Akkus entschieden, damit wir unseren Lieferzeitplan einhalten können“, sagte eine Airbus-Sprecherin am Freitag in Toulouse. Airbus will verhindern, dass Boeings Probleme mit der Lithium-Ionen-Technik die A350 ausbremsen. Mitte 2013 soll der Airbus-Flieger erstmals abheben. Die erste Auslieferung ist bis Ende 2014 vorgesehen.

Die Aktie des Airbus-Mutterkonzerns EADS arbeitete sich nach anfänglichen Verlusten in die Gewinnzone vor. Um die Mittagszeit lag sie an der Pariser Börse mit 0,32 Prozent im Plus bei 34,995 Euro und gehörte zu den stärkeren Werten im französischen Index CAC-40.

Nach einem Brand in einem „Dreamliner“ von Japan Airlines (JAL) in Boston und der Notlandung eines Jets von All Nippon Airways (ANA) hatten Behörden Mitte Januar ein Flugverbot für das Boeing-Modell 787 verhängt. In beiden Fällen gelten die Lithium-Ionen-Batterien als Ursache: Beim ersten Jet war eine Batterie in Flammen aufgegangen. Die Notlandung war einer schmorenden Batterie geschuldet.

Die 50 bereits ausgelieferten Maschinen des Typs sind nun die 787-Flugzeuge in alle Welt zerstreut an den Boden gefesselt. Ähnlich viele fertige und fast fertige Maschinen darf Boeing bis auf Weiteres nicht ausliefern. Früheren Aussagen der US-Behörden zufolge soll das Flugverbot erst aufgehoben werden, wenn die Ursache der Brandgefahr gefunden und zuverlässig beseitigt ist.

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A350 soll Mitte 2013 zu ihrem ersten Testflug abheben

Unklar bleibt daher, unter welchen Bedingungen diese als besonders leistungsfähig geltende Technik künftig für Flugzeuge zugelassen wird. Airbus halte seine eigentlich für die A350 vorgesehene Lithium-Ionen-Technik weiterhin für sicher und arbeite parallel an deren Marktreife, sagte die Sprecherin. Airbus bezieht die Akkus für die A350 von dem französischen Hersteller Saft, bei Boeings „Dreamliner“ ist ein Typ der japanischen Firma GS Yuasa im Einsatz. Auch sonst gibt es bei der Stromversorgung der Flugzeuge Unterschiede. Mögliche Verzögerungen bei der Zulassung will Airbus jedoch nicht riskieren.

Weiterhin soll die A350 Mitte 2013 zu ihrem ersten Testflug abheben. Die erste Maschine soll im zweiten Halbjahr 2014 ausgeliefert werden. Die Alternativlösung mit klassischen Nickel-Cadmium-Akkus hat Airbus bei der Entwicklung des neuen Fliegers nach eigenen Angaben bereits früher in seine Planung aufgenommen, um nicht auf Gedeih und Verderb auf die neue Technologie angewiesen zu sein. „Wir denken daher nicht, dass die Entscheidung unseren Zeitplan beeinträchtigt“, sagte die Sprecherin.

Boeing droht unterdessen die Zeit davonzulaufen. Einem Pressebericht zufolge versucht der Hersteller inzwischen, das Flugverbot für den „Dreamliner“ mit einer Übergangslösung abzukürzen. Dabei gehe es um eine Trennung der Batteriezellen und einen besseren Schutz vor Feuchtigkeit, hatte das „Wall Street Journal“ jüngst berichtet. Damit wolle Boeing die Gefahr von Kurzschlüssen und Bränden verringern. Allerdings sei unklar, ob die US-Behörden bei einer solchen Zwischenlösung mitspielen würden.

Für Fluggesellschaften, die den „Dreamliner“ bestellt haben, bedeuten die Probleme ärgerliche Verzögerungen. Insgesamt haben Fluglinien in aller Welt rund 800 „Dreamliner“ bestellt. Probleme bei der Entwicklung des Jets, der zu großen Teilen aus leichten Karbonfaser-Verbundstoffen besteht, hatten bereits die Auslieferung des ersten Exemplars um mehr als drei Jahre verzögert. Auch Airbus setzt bei seinem Konkurrenzmodell A350 in großem Stil auf Karbonfaser-Teile. (dpa)


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