Der laute Aufschrei wegen eines haarigen Drogentests

Innenministerin Mikl-Leitner will mit Haaranalysen die Jugend vor Drogen schützen. Drogenberater sehen diesen Plan kritisch. Auch in Tirol.

Innsbruck –Künftig soll es bei Verdacht auf Drogenkonsum in Österreich neue Schnellverfahrenstests – ähnlich wie beim Alkohol – geben. Mit Hilfe so genannter Haartests soll herausgefunden werden, „in welchem Stadium sich der junge Mensch in Sachen Drogenkonsum befindet“. So lautet die Argumentation von Mikl-Leitner. Der leicht zu umgehende Urintest ist damit Geschichte. Drei Pilotprojekte sollen dazu ab dem Frühjahr in Ostösterreich laufen. Mikl-Leitners Pläne sind nicht nur koalitions- und ÖVP-intern umstritten. Kritische Stimmen dazu kommen auch von Suchtexperten, die den Haartest größtenteils als „sündteuer und kontraproduktiv“ bezeichnen. Extrem kritisch gegenüber den angedachten Haartests eingestellt ist auch Hermann Larcher: „Dieser Kontrollwahn katapultiert uns in der Drogen- und Präventionsarbeit um Jahrzehnte zurück. Hier wird im Namen der Sicherheit ein falsches Spiel betrieben, das mehr schadet als nützt. Jugendliche werden zum Feindbild erklärt“, so Larcher. Der Tiroler ist seit 30 Jahren in der Jugend- und Drogenarbeit tätig, Mitglied des Tiroler Landessuchtbeirates und ein Kenner der Jugendszene. Er hält wenig davon, dass Jugendliche schon bei Erstverdacht auf Drogenkonsum einen Haartest machen sollen: „Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass ein ganz hoher Prozentsatz, fast 80 Prozent würde ich sogar sagen, nur einmal probiert und es wieder lässt.“ Im Kampf gegen Drogen würde nur Aufklärung und Prävention Früchte tragen, nicht aber die totale Kontrolle. Mit Haaranlysen würde man Familien, allen voran die Eltern, verunsichern. Larcher will nicht verharmlosen, auch nicht die Tatsache, dass der unter vielen Jugendlichen akzeptierte Konsum von Hasch nicht zu unterschätzen ist und zu Psychosen führen kann, aber: „Man darf nicht bagatellisieren, aber auch nicht kriminalisieren.“ Dass sich die Anzeigen im Sinne des Suchtmittelgesetzes gesteigert haben, habe vielmehr damit zu tun, dass die Methoden der Polizei (Abhörung von Handys etc.) effektiver geworden sind. (lipi)


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