So nah und doch so fern: Die WM als Event für die Ohren

Marcel Hirscher und Co. in Schladming live erleben - das können nicht alle, obwohl sie dem Ziel ganz nahe sind.

Schladming – Die ersten Enttäuschten gab es heute in Schladming schon bevor der erste Läufer auf die Piste ging. Während im Zielstadion mit Tausenden Fans die Post abging, mussten zahlreiche Leute ihren Dienst hinter den Tribünen verrichten. Sie sind den WM-Rennen so nah und doch so fern.

Dass einige ihren Unmut vielleicht schon zu laut geäußert haben, lässt sich erahnen. An der Kassa der Planai-Bahnen, beim Info-Service oder bei den Securitys am Eingang zu den Tribünen herrscht Interviewverbot. Den Maulkorb gab es von ihren Geschaftsführern.

Andere hingegen dürfen reden und haben sich mit ihrem „WM-Schicksal“ recht gut abgefunden. So wie Stefan, Verkäufer im Sportgeschäft hinter der VIP-Tribüne: „Es ist ein komisches Gefühl, alles ist zugebaut und man hört nur die Fans schreien. Natürlich ist man ein bisschen enttäuscht, aber zumindest bei den Nachtbewerben konnte ich ein wenig WM-Luft schnuppern.“ Nachsatz: „Mit einem Auge blicken wir natürlich immer auf unseren TV. Wenn es in die Entscheidung geht, muss der Kunde schon mal kurz warten.“

Auch Würstlstand-Betreiber Thomas nimmt es locker, dass er noch keinen Athleten live gesehen hat. „Das war für mich von Haus aus klar, dass ich arbeiten werde. Wir können eh durch den Applaus erahnen wie es steht.“

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Am gelassensten bleibt Fanartikel-Verkäuferin Ulli. Sie steht hier mit ihrem Standl seit den ersten Nachtrennen in den 90er-Jahren. „Mir ist das egal, ob ich 50 Meter von den Läufern weg bin und sie nicht sehe. Durch den Stadionsprecher höre ich ja wer an der Spitze lieg. Am Abend sehe ich mir dann das Rennen im Fernseher an. Ich kann mir nichts Schöneres vorstellen“, lacht Ulli. Enttäuscht sieht anders aus. (alm)


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