Abschied nach elf Jahren: Mandl hört als ÖSV-Damenchef auf

Langzeit-Damenchef Herbert Mandl orientiert sich nach der Saison neu, bleibt dem ÖSV aber treu. Unter ihm holten die ÖSV-Damen bei Großereignissen 15 Goldmedaillen.

Schladming - Der Slalom am Samstag sollte Herbert Mandl letztes WM-Rennen als Chef von Österreichs Skidamen gewesen sein. Der 51-jährige Niederösterreicher ist seit 2002 ohne Unterbrechung „Rennsportleiter Damen“ im Österreichischen Skiverband (ÖSV). Seit Saisonbeginn zeichnet sich das Ende seiner erfolgreichen Trainer-Ära ab. Mandl soll dem ÖSV aber auf jeden Fall erhalten bleiben.

Vermutlich als neuer Chef der Ski Austria Academy in St. Christoph am Arlberg, wo Mandl mit Werner Wörndle einen ehemaligen ÖSV-Alpindirektor ablösen würde. „Es ist eine Option, Details sind aber noch nicht besprochen. Wenn die Möglichkeit kommt, werde ich sie aber ergreifen“, bestätigte Mandl sein Interesse. „Momentan ist mein Fokus aber noch voll in der Saison und speziell bei dieser Weltmeisterschaft“, betonte der Niederösterreicher in Schladming.

Der in Scheibbs geborene, mit seiner Familie aber in Tirol lebende Mandl kommt aus Göstling am Hochkar, wo auch Rennfahrer-Asse wie Thomas Sykora oder Kathrin Zettel ihre ersten Spuren gezogen haben. Mandl hatte es als Rennläufer selbst bis in den ÖSV-B-Kader geschafft, ehe mehrere Kreuzbandverletzungen seine Karriere beendeten.

Nach dem abgeschlossenen Studium in Innsbruck (Sportwissenschaften/Geografie) und einer Trainerausbildung dockte Mandl als Nachwuchs-Coach 1985 bzw. 1987 zunächst wieder beim ÖSV an, ehe er in den 1990er-Jahren als Chef der norwegischen Damen-Nationalteams seine ersten vier Medaillen „gewann“.

Coach von Maier, Eberharter, Götschl & Co.

1998 ging es zurück nach Österreich und nach großen Erfolgen als Chef von Stars wie Renate Götschl, Alexandra Meissnitzer oder Michaela Dorfmeister, darunter die Mehrfachsiege bei der WM 1999 in Vail, hatte Mandl für drei Saisonen auch Kapazunder wie Hermann Maier oder Stephan Eberharter unter seinen Fittichen. 2002 kehrte Mandl zu den Damen zurück und löste Karl Frehsner als Damenchef ab. Das ist er bis heute geblieben, so lange wie Mandl hat im Damenbereich noch keiner im ÖSV gedient.

„Wenn man 28 Jahre in dem Geschäft ist, so viele Weltmeisterschaften und Olympische Spiele erlebt hat, blickt man natürlich auf eine schöne Zeit zurück“, erklärte Mandl in Schladming. „Ich habe mit meinen Mannschaften und Läufern alles erreicht und ich werde mit Wehmut zurückdenken. Aber erst nach der Saison.“

15 Goldmedaillen hat Mandl alleine mit den ÖSV-Damen erobert. „Das waren sicher die Highlights. Da erinnert man sich fast bis ins Detail an jedes Rennen.“

Reizvolle Aufgabe in St. Christoph

Der Job in der Arlberger „Academy“, vielen noch besser bekannt als „Bundessportheim“, reizt Mandl aus mehreren Gründen. St. Christoph gilt als Wiege des Skisports, die Skilehrer-Ausbildung dort hatte einst Weltruf. „Die Aufgabe ist reizvoll, weil ich im Skisport bleibe und vor allem für die Nachwuchsarbeit wichtige Inputs leisten kann“, so Mandl. Auch hinsichtlich Ausbildung. Und zwar nicht nur jene des Skilehrerwesens. „Ich sehe auch hier Wurzeln, unsere zukünftigen Rennläufer noch effektiver auf die späteren Erfordernisse vorzubereiten.“

Österreich ist im Gegensatz zur landläufigen Meinung vor allem deshalb Skination Nummer eins, weil die Strukturen gut sind. „Andere Skinationen agieren im Schüler- und Jugendbereich mit vier- bis fünf Mal so vielen. Dass man mit 80 Millionen Einwohner mehr Skifahrer kreiert als mit sieben, liegt auf der Hand. Deshalb gibt es in den großen Nationen weit mehr FIS-Einsteiger als bei uns“, weiß Mandl.

Nachfolge im ÖSV noch offen

Dass Österreich dennoch seit zwei Jahrzehnten den Nationencup im Alpinbereich gewinnt, sei ein starker Hinweis, dass die Strukturen in Österreich bestens funktionierten. Mandl: „Bei allen großen Skinationen wie Frankreich, der Schweiz und genauso Österreich geht es immer auf und ab. Die Kontinuität der letzten Jahre zeigt aber, dass bei uns ein gutes System dahintersteht.“

Wer Mandl als ÖSV-Damenchef nachfolgen könnte, ist offen. In Schladming wurden bereits Namen mehrerer angeblicher Anwärter kolportiert. Mandl selbst will sich da höchstens mit Tipps einmischen. „Am liebsten wäre mir einer aus unseren Reihen. Aber bestimmen muss das der Sportdirektor.“


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