Die Saiten, die tirolerisch klingen

Wenn Kunst und Handwerk sich vereinen, kommt etwas Gutes raus. In Hermann Erlachers Fall zumeist ein Musikinstrument.

Von Hubert Trenkwalder

Hall in Tirol –Woran erkennt man die Herzensangelegenheiten im Gespräch mit dem Gegenüber? Am Zusatzblitzen der Augen. Und wenn es um den perfekten Schlag der Gitarre geht, dann blitzt es gehörig im kleinen, aber feinen Werkstattl „Hemage“ von Hermann Erlacher in Hall. Er hat sich zweifelsfrei einen Namen gemacht, weit über Tirol hinaus, wenn es um die Manufaktur eines Saiteninstruments geht.

Geigen dürfte er laut Meisterbrief übrigens auch bauen, aber das spielt‘s nicht. „Die Violine ist seit Jahrhunderten perfekt, da gibt es keine Verbesserungsmöglichkeiten. Im Gegensatz dazu hat man bei der Gitarre unglaublich viel Spielraum.“

Ob akustisch oder elektrisch, er baut sie alle, und das aus Passion.

Und der größte Bruder der Geige, der Kontrabass, hat es ihm auch noch angetan. Dem Musikerwunsch angepasst soll er sein. Es reduziert sich der Korpus, fast wird er unsichtbar und eine wohlklingende Bassgeige für den virtuosen Kalifornier von Weltrang David Friesen passt auf Welttournee plötzlich ins Handgepäck!

Seine langjährige Erfahrung als Live-Musiker hilft Hermann Erlacher natürlich, die Problemlösungen für die unzähligen Tiroler Gitarristen, die sich zeitlebens nicht zwischen Van-Halen-Licks und Oberkrainer Off-Beats entscheiden können, anzubieten. „Es gibt nichts schlimmeres als den schlechten Sound einer Schlag-, oder Jazz-Gitarre.“ Wenn es nur noch nach Percussion klingt, wird auch der Musiker zum Geräuschemacher degradiert. „Dieses Klangbild zu verbessern, ist mir wichtig. Und da helfe ich auch gerne.“

Apropos Helfersyndrom. Hermann Erlacher kümmert sich auch um den Nachwuchs, nicht nur um die Stars. „Was im Diskonter-Angebot als Gitarre verkauft wird, hat den Namen oft nicht verdient. Mit solchen Instrumenten macht das Spielen schnell keinen Spaß mehr. Eine gescheide Beratung ist das Um und Auf“. Gottlob gibt es sie noch, die Instrumentenbauer, denen das Musizieren eine Herzensangelegenheit ist. Und davon profitieren sie, die Profis wie die kleinen Gitarristen von morgen.


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