Europacup-Frust: Deutschen Klubs droht nach verrücktem Abend Aus

Zwei Niederlagen, zwei Remis - den deutschen Klubs droht in der Europa-League-Zwischenrunde ein frühes Aus. Einen verrückten Abend erlebte vor allem Gladbachs ÖFB-Legionär Martin Stranzl.

Hannover - Böses Erwachen für die viel gelobte Deutsche Bundesliga: Das unerwartet schwache Abschneiden in der Zwischenrunde der Europa-League stellt den deutschen Klubs ein schlechtes Zeugnis aus. Allen vier Mannschaften droht nach den sieglosen Hinspielen ein frühes Aus, zahlreiche Abwehrschnitzer und individuelle Fehler verärgerten Trainer und Fans. Die bittere Bilanz von zwei Niederlagen und zwei Remis vergrößerte zudem den Rückstand Deutschlands in der UEFA-Fünfjahreswertung auf das zweitplatzierte England von 2,634 auf 3,064 Punkte.

„Wir müssen einiges korrigieren“, sagte Trainer Lucien Favre von Borussia Mönchengladbach nach dem 3:3 gegen Lazio Rom. Diese Aussage gilt allerdings für das komplette deutsche Quartett. Hannover 96 (1:3 bei Anschi Machatschkala) und Bayer Leverkusen (0:1 gegen Benfica Lissabon) verloren ihre Partien. Der Krisenclub VfB Stuttgart schaffte nur ein 1:1 gegen RC Genk.

Stranzl bei Gladbachs 3:3 gegen Lazio im Mittelpunkt

Während Martin Harnik und Raphael Holzhauser bei Stuttgarts Remis farblos blieben, stand Martin Stranzl in Mönchengladbach gegen Lazio Rom im Mittelpunkt. Zunächst verwandelte der Abwehrspieler einen Elfmeter zu seinem ersten Europacup-Tor. Dann holte der Burgenländer einen weiteren Strafstoß und Gelb-Rot für Gegenspieler Andre Dias heraus, scheiterte allerdings vom Punkt an Lazio-Goalie Federico Marchetti.

Zu allem Überdruss hatte der Burgenländer auch noch mit einem Stangenschuss Pech. „Es ist schwierig für mich, kurz nach dem Abpfiff dieses Spiel in Worte zu fassen“, sagte Stranzl. „Vor meinem zweiten Elfmeter habe ich mich gut und selbstbewusst gefühlt, aber den Ball in die Ecke zu schießen war wohl die falsche Entscheidung.“ Der 32-Jährige forderte von seinen Kollegen für die kommenden Partien eine bessere Einstellung. „Wir müssen wieder für jeden rennen und kämpfen, dann spielen wir auch wieder besser.“

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„Für die Zuschauer war es ein Highlight, für uns war es nicht so prickelnd“, erklärte Gladbachs Torhüter Marc-Andre ter Stegen. Erst in der vierten Minute der Nachspielzeit gelang Libor Kozak mit seinem zweiten Treffer der 3:3-Ausgleich für Lazio. Zuvor hatten Martin Stranzl (17. Foulelfmeter), Marx (84./Foulelfmeter) und Juan Arango (88.) für die Hausherren getroffen. Für das zwischenzeitliche 1:1 der Römer war Sergio Floccari (57.) verantwortlich. „Wir haben eine gute Moral gezeigt, es war ein verrücktes Spiel“, bilanzierte Favre.

Nächster Rückschlag für Stuttgart

Ebenfalls in letzter Sekunde gab der VfB den Sieg aus der Hand. Genks Stürmer Glynor Plet sorgte für den Ausgleichstreffer. Für die krisengeschüttelten Schwaben, die in der Bundesliga zuletzt fünfmal in Folge verloren hatten, war Christian Gentner (42.) erfolgreich. „Es ist Wahnsinn, was wir für Fehler machen“, sagte ein mächtig angefressener VfB-Trainer Bruno Labbadia.

Noch schlechter lief es für Bayer Leverkusen gegen Lissabon. Der Paraguayer Oscar Cardozo markierte in der 61. Minute per Konter das goldene Tor. „Es war ein typisches Unentschieden-Spiel. Allerdings haben wir nicht unverdient verloren“, empfand Trainer Sascha Lewandowski. Bayers Sportdirektor Rudi Völler hat die Hoffnung auf den Einzug ins Achtelfinale jedoch längst nicht aufgegeben. „Wir haben nur 0:1 verloren“, betonte der frühere Nationalstürmer und ergänzte: „Wir haben noch alle Chancen, auch wenn wir geknickt sind.“

Immerhin einen Auswärtstreffer erzielte Hannover 96 im Moskauer Luschniki-Stadion. Dabei hatte Szabolcs Huszti den Bundesligisten in der 22. Minute in Führung gebracht. Doch Superstar Samuel Eto‘o (34.), Odil Achmedow (48.) und Moubarak Boussoufa (64.) drehten gegen die 96-Wackelabwehr das Match für Machatschkala. „Wir haben sehr viele einfache Fehler gemacht. Die Niederlage war ein Schlag ins Gesicht“, meinte Innenverteidiger Christian Schulz. “Wir haben uns noch nicht aufgegeben“, sagte Trainer Mirko Slomka mit Verweis auf die Heimstärke seines Teams.

Hannover zog nicht als einzige Mannschaft gegen ein mit hoch bezahlten Stars gespicktes Team aus der russischen Liga den Kürzeren. Neben Zenit St. Petersburg (2:0 gegen den FC Liverpool) überzeugte vor allem Rubin Kazan mit dem 2:0 beim spanischen Titelverteidiger Atletico Madrid. Die Ergebnisse der russischen Troika sind umso bemerkenswerter, weil die Vereine zuletzt vor mehr als zwei Monaten ein Pflichtspiel absolviert hatten.

Europa-League-Ergebnisse

VfB Stuttgart - KRC Genk 1:1 (1:0)

Gentner (42.) bzw. Plet (91.)

Borussia Mönchengladbach - Lazio Rom 3:3 (1:0)

Stranzl (17./Elfer), Marx (84./Elfer), Arango (88.) bzw. Floccari (57.), Kozak (64., 94.).

FC Basel - Dnjepr Dnjepropetrowsk 2:0 (1:0)

Stocker (23.), Streller (67.)

Tottenham Hotspur - Olympique Lyon 2:1 (1:0)

Tore: Bale (45., 93.) bzw. Umtiti (55.)

Atletico Madrid - Rubin Kasan 0:2 (0:1)

Karadeniz (6.), Orbaiz (95.)

Inter Mailand - CFR Cluj 2:0 (1:0)

Palacio (20., 87.)

Newcastle United - Metalist Charkiw 0:0

Ajax Amsterdam - Steaua Bukarest 2:0 (1:0)

Alderweireld (28.), Van Rhijn (48.)

BATE Borisow - Fenerbahce Istanbul 0:0

Dynamo Kiew - Girondins Bordeaux 1:1 (1:1)

Haruna (20.) bzw. Obraniak (23.)

Bayer Leverkusen - Benfica Lissabon 0:1 (0:0)

Oscar Cardozo (61.)

SSC Napoli - Viktoria Pilsen 0:3 (0:1)

Darida (28.), Rajtoral (79.), Tecl (90.)

Sparta Prag - Chelsea 0:1 (0:0)

Oscar (82.)

UD Levante - Olympiakos Piräus 3:0 (2:0)

Rios (10.), Barkero (40./Elfer), Martins (56.)

Anschi Machatschkala - Hannover 96 3:1 (1:1)

Eto‘o (34.), Achmedow (48.), Boussoufa (64.) bzw. Huszti (22.)

Zenit St. Petersburg - Liverpool 2:0 (0:0)

Hulk (69.), Semak (72.)


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