Wirbel um Krankentransport

Eine Schweizer Familie kritisiert über die Medien Tirols Rettung, weil diese für den Abtransport nach einem Skiunfall 219 Euro verlangt hat. Das Rote Kreuz Tirol wehrt sich.

Von Marco Witting

Innsbruck –„So schlimm waren meine Ferien im Tirol“, titelte gestern der Schweizer Blick. Doch nicht Wetter, Pisten oder das Essen schluge­n einer Familie, die in Tirol urlaubte, auf den Magen. Nein. Tirols Rotes Kreuz geriet ins mediale eidgenössische Kreuzfeuer, weil sich das Urlauberehepaar nach einem Skiunfall ungerecht behandelt fühlte. Doch das will man seitens der Tiroler Retter so absolut nicht stehen lassen.

Über eine Woche ist seit dem Skiunfall in Fulpmes mittlerweile vergangen, erzählt Erol Sengül der Zeitung. Die Schmerzen bei dem 55-Jährigen seien noch da. Der Ärger über die Rettung aber auch. Und so ging der Mann an die Öffentlichkeit.

In Fulpmes hatte er mit seiner Familie Urlaub gemacht. In der Schlick kam es dann zum Skiunfall. Ein Snowboarder war dem Mann in den Rücken gekracht. Einer der viele­n Skiunfälle in den stärksten Wochen der Saison. Was danach passierte, da­rüber gehen die Meinungen jetzt auseinander.

Sengül selbst war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Gegenüber der Zeitung Blick erzählte er, dass er bereits Lähmungserscheinungen im Bein hatte. Seine Frau wird in dem Boulevardblatt wie folgt zitiert: „Mein Mann war kaum mehr bei Bewusstsein, während der Sanitäter nur übers Geld reden wollte – hat er mir später erzählt. Alle Verweise auf die Privat- und Auslandsreisekrankenversicherung ließen den Fahrer völlig kalt.“

Weiter wird geschildert, dass die Frau im Bade­mantel aus dem Wellnessbereich des Hotels gerufen wurde, um die 219 Euro sofort zu bezahlen. In bar. Die Frau wird weiters wie folgt zitiert: „Ich hatte Angst, dass sie ihn einfach ausladen, wenn ich nicht bezahle. Ich rannte aufs Zimmer und holte das Geld.“ Erst danach ging es ins Krankenhaus Hall, wo dann ein Bruch des Kreuzbeins diagnostiziert wurde.

Fritz Eller, Pressesprecher des Roten Kreuzes, kann bei derartigen Aussagen nur den Kopf schütteln. „Mehr als verwundert“ sei er darüber, erklärt er gegenüber der TT. Eller hat die Causa intern recherchiert und kommt zu einem ganz anderen Schluss. Da es die medizinische Situation erlaubt habe, sei die junge Begleitperson des Mannes, vermutlich seine Tochter, mit der gesamten Ausrüstung am Hotel abgesetzt worden. Dort sei von der Gattin angeboten worden, die anfallenden Kosten in Höhe von 219 Euro zu bezahlen. „Eine Kreditkarte oder eine Krankenversicherungskarte wurde laut Auskunft unseres sehr erfahrenen Mitarbeiters nicht vorgelegt.“

Generell ist der Rettungstransport in Tirol mit dem Betrag von 219 Euro gesetzlich geregelt. Üblicherweise wird das über die öffentlichen Versicherungsträger abgerechnet. In Österreich ist dies auf der Rückseite der E-Card ausgewiesen. Sollte keine derartige Karte (im Fachjargon EKVK genannt) verfügbar sein, muss der Betrag selbst bezahlt werden, kann dann aber bei der Versicherung zurückgefordert werden.

Aussagen à la „Transport nur gegen Bares“ weist Elle­r entschieden zurück. „Da werden wir richtig sauer. Erst kommt der Patient und dann erst die Verrechnung.“ Hätt­e der Mann nicht bezahlen können, wäre er natürlich auf dem schnellsten Weg ins Krankenhaus Hall gebracht worden. Und danach hätte der „Rechnungslauf“ begonnen. Dass es dem Roten Kreuz Tirol lieber ist, die Summe wird sofort eingehoben, ist für Eller aber auch klar. „Es ist nicht immer zu 100 Prozent geregelt, dass wir auch die Gelder kriegen.“

Die Beschwerden über derartige Transporte „gehen gegen null“. Jene, die keine EKVK-Karte dabei haben, hätten in den allermeisten Fällen absolutes Verständnis dafür.

Detail am Rande: Normalerweise ist es bei Unfällen dieser Art in der Schlick auch üblich, dass die Rettung den Verletzten zuerst zum praktischen Arzt bringt. Ein Weitertransport danach ins Krankenhaus hätte zusätzlich 219 Euro gekostet. Im vorliegenden Fall verwies laut Auskunft von Eller der Arzt die Rettung aber gleich ans Krankenhaus. Und so sparte sich der Mann 219 Euro.


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