Sexorgien, Bestechung und Mord im Vatikan

Nach heutigen moralischen Maßstäben gehören zur Geschichte des Papsttums auch zahlreiche Verfehlungen und Verbrechen.

Von Floo Weißmann

Rom, Innsbruck –Die Päpste waren nicht immer fromme Gelehrte – im Gegenteil: Die Liste päpstlicher Verfehlungen und Verbrechen ist so lang, dass selbst eine Auswahl den Rahmen sprengen würde.

Berüchtigt ist vor allem die Periode vom 10. bis ins 16. Jh. Viele Päpste jener Zeit kamen durch Bestechung oder Gewalt an die Macht oder verloren sie auf diese Weise. Etliche hatten Geliebte und Kinder, manchen werden Sexorgien nachgesagt. Andere verschacherten Kirchengüter oder bereicherten sich durch Raubzüge oder den Verkauf der Absolution.

Das Papsttum war als Wahlmonarchie der Spielball führender Adelsfamilien. Diese hievten selbst Teenager oder Adelssprosse ohne geistliche Qualifikation auf den Thron. Dafür mussten die Päpste ihre Familien mit Ämtern und Reichtum versorgen. Immer wieder herrschten zwei oder mehr Päpste gleichzeitig. Und nicht in allen Fällen ist klar, wer der legitime Amtsinhaber war.

Zur dunklen Geschichte des Papsttums gehören auch Blutbäder im Namen Gottes, darunter der Kreuzzug gegen die christliche Bewegung der Katharer. Den Massakern in Südfrankreich fielen im 13. Jh. Tausende Männer, Frauen und Kinder zum Opfer. Den Rest der physischen Vernichtung erledigte die Inquisition.

Zu den bizarrsten Episoden gehört die „Leichensynode“. 897 ließ Stephan VI. die Leiche seines Vorgängers Formosus ausgraben, in vollem Ornat auf den Papstthron setzen, aburteilen und schänden. Noch im selben Jahr wurde Stephan VI. erwürgt. Dahinter stand ein Streit zwischen Adelsfamilien.

Eine beliebte Geschichte ist auch die „Pornokratie“ im 10. Jh., als drei Frauen über Rom herrschten – Theodora I. und ihre Töchter Marozia und Theodora II. Sie setzten ein Dut- zend Päpste ein und teils wieder ab. Papst Johannes XI. soll der Sohn von Marozia mit Papst Sergius III. gewesen sein.

Allerdings ist die Quellenlage zu den Skandalpäpsten oft dürftig oder fragwürdig. Außerdem könne man „unsere moralischen Ansprüche, die wir heute an die Institution haben, nicht einfach in die Geschichte projizieren“, wie der Kirchengeschichtler Günther Wassilowsky der TT sagte. Über weite Strecken sei akzeptiert worden, „dass der Papst in erster Linie eine politische Institution ist“ und es im Vatikan folglich so zuging wie auf anderen Fürstenhöfen auch. In der Renaissance etwa „musste der Papst vor allem tolle Feste ausrichten und die besten Künstler an seinen Hof holen; dann war er ein guter Papst“.


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