„Wir haben es immer schwer“

Österreich hat gewählt: Natália Kelly (18) fährt zum Song Contest nach Schweden. In die Scheinwelt hineinschnuppern konnte sie schon am Freitag.

Von Christiane Fasching

Wien –Es ist Freitag, kurz nach 23 Uhr: Der Bühnenboden des ORF-Studios am Küniglberg ist mit goldenem Glitzer bedeckt, auch in Natália Kellys Lockenmähne ist ein bisschen was davon hängen geblieben. Umringt von Journalisten, Fotografen, Verwandten und Freunden versucht die 18-Jährige zu realisieren, was gerade passiert ist – Österreich hat ihr ein Ticket Richtung Malmö spendiert.

Oder anders gesagt: Am 14. Mai steht die Niederösterreicherin mit ihrem Song „Shine“ im Semifinale des Eurovision Song Contests. Hätte die international besetzte Fachjury der ORF-Show „Österreich rockt den Song Contest“ das Sagen gehabt, dann wäre die soulige Yela im Glitzerregen gestanden – doch am Ende wurden die Expertenstimmen mit den Votings der Zuschauer zusammengezählt. Und bei denen hatte nun einmal die Schülerin aus Bad Vöslau die Nase vorn. Kurz nach ihrem Sieg stapeln sich vor ihrer Nase nun die Mikrophone und Kameraobjektive. Es wirkt fast so, als würde Natália Kelly im Zielraum von Schladming stehen – mit Bestzeit in der Tasche und den ewig gleichen Fragen am Hals. Wie geht es dir? Warst du nervös? Wann hast du den Sieg realisiert? Welche Chancen rechnest du dir in Schweden aus? Wo sind deine Eltern? Schrei mal MALMÖÖÖ in die Kamera! Lächeln bitte! Und jetzt den Daumen nach oben!

Natália spielt das Spiel mit einem ehrlichen Lächeln mit. Das Blitzlichtgewitter „genießt“ sie, den Sieg hat sie „noch nicht realisiert“, in Schweden will sie gewinnen oder zumindest ihr Bestes geben, im Moment ist „alles super“ und MALMÖÖÖ schreit sie natürlich gern in die Kamera. Auch ihre Familie wird für die Fotografen geherzt. Denn ohne die wäre sie nie gelandet, wo sie jetzt ist. Willkommen in der Scheinwelt des Unterhaltungszirkus! Hier ist‘s laut und bunt. Hier ist man schnell ganz oben und genauso schnell wieder weg vom Fenster. Zumindest bis Mai wird das lockige Goldkehlchen aber nicht in Vergessenheit geraten – ob man in einem Jahr auch noch an sie denkt, entscheidet das Abschneiden in Malmö.

Geht‘s nach dem britischen Song-Contest-Experten Luke Fisher, dann wird‘s nicht für den Sprung ins Finale reichen. „Natália ist zwar süß, aber die Konkurrenz ist zu stark“, glaubt er. Marija Serifovic, die Song-Contest-Gewinnerin von 2007, sieht das etwas anders. „She knows how to sing“, attestiert die Serbin – und das sei schon sehr viel. Ein Finalplatz sei Österreich daher so gut wie sicher. Zu so viel Optimismus will sich Andi Knoll nicht hinreißen lassen – der Tiroler Song-Contest-Moderator weiß nämlich, wie der Eurovisions-Hase läuft. „Wir haben‘s immer schwer“, bleibt Knoll am Boden. Natália Kelly lächelt trotzdem. Noch.

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