Wenn Wohnen Luxus ist

Eine Stagnation der Mietpreise verkündeten diese Woche Immobilienanbieter. Mit elf Euro pro Quadratmeter wohnt man in Tirol trotzdem teuer.

Von Marco Witting

Innsbruck –Die eigenen vier Wände: Sie sind den Tirolern besonders lieb und teuer. Im doppelten Sinne. Mit durchschnittlich 10,95 Euro pro Quadratmeter wohnt man bei uns im Österreich-Vergleich am teuersten. Da tröstet es auch wenig, wenn die Mietpreise laut Immo-Anbieter Immobilien.net stagnieren.

„Die Angstmacherei bei den Mietpreisen ist nicht nachvollziehbar“, sagte dessen Geschäftsführer Alexander Ertler Anfang der Woche. Ziehe man die Inflation ab, seien die Mieten real in Österreich um 0,9 Prozent gesunken.

Mit knapp elf Euro pro Quadratmeter ist Tirol sogar noch vor Wien, wo 10,43 Euro berechnet wurden. In der Steiermark dagegen ist das Wohnen in Miete mit 7,11 Euro pro Quadratmeter wesentlich billiger.

Betroffene Familien, etwa im Raum Innsbruck, können ein Lied davon singen. Für eine 50-Quadratmeter-Wohnung sind teilweise weit über 700 Euro zu bezahlen. „Wohnen ist für viele Menschen ein fast unerschwingliches Gut geworden“, findet auch der Mieterschutzverband.

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Hier will man unter anderem die Erhöhung der Mietpreise und die Wertsicherung des Mietzinses bei laufenden Mietverhältnissen hinterfragen. „Obwohl eine Wohnung abgewohnt wird, darf der Mietzins aufgrund der gesetzlichen Grundlagen erhöht werden“, erklärt Birgit Scheiber-Kolp von der Landesorganisation Tirol. Dies führe dazu, dass ursprünglich leistbare Wohnungen mit den Jahren oft zu teuer werden.

Doch wie den Mietpreisen entgegentreten? Für den Mieterschutzverband braucht es dazu mehrere Maßnahmen. Unter anderem die rechtliche Ungleichbehandlung der Mietwohnungen abzuschaffen und für alle Wohnungen im Hinblick auf den Mietzins Obergrenzen einzuführen. Darüber hinaus sollten „liegenschaftsbezogene“ Positionen nicht als Betriebskosten auf Mieter abwälzbar sein.

Auch die Politik bemüht sich derzeit um neue Ansätze, um – speziell in Wahlkampfzeiten – den Mietpreisen zu Leibe zu rücken. Nahezu alle Parteien haben sich dieses Ansinnen auf die Fahnen geheftet – nicht zum ersten Mal.

Die Arbeiterkammer Tirol (AK) fordert ebenfalls mit einem Mehrpunkteprogramm, dass Wohnen billiger werden muss. Für AK-Präsident Erwin Zangerl fällt negativ ins Gewicht, dass in den letzten Jahren die Mieten stärker gestiegen sind als die Löhne. Der Wohnzins stieg von 2000 bis 2010 demnach um 34,5 Prozent, die Löhne um 22 Prozent – bei 21 Prozent Inflation. „Das bedeutet, die Menschen müssen einen immer größeren Teil ihres Einkommens nur für die Wohnkosten aufwenden.“

Dies sei besonders für Junge und Familien sehr schmerzhaft. Auch die AK will eine Reform des Mietrechts. Hier ebenfalls im Fokus: der Mietzins. Die AK fordert, Anpassungen für alle Wohnverhältnisse erst nach fünf Jahren zu erlauben.

Eine Forderung, die auch von der Politik bereits mehrfach diskutiert wurde, ist, die Wohnbauförderung wieder zweckzubinden. Zangerl: „Wohnen ist ein Grundrecht, aber dafür müssen sich jetzt schon drei Generationen verschulden.“


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