Von Vonn redet keiner, wenn Shiffrin wedelt

Im gestrigen WM-Slalom hielt US-Star Mikaela Shiffrin dem Favoritendruck stand. Die 17-Jährige erinnerte an Landsfrau Dianne Roffe-Steinrotter.

Schladming –Es ist 28 Jahre her, dass eine jüngere Skifahrerin Weltmeisterin geworden ist. Auch 1985 war es mit Dianne Roffe-Steinrotter (Riesentorlauf) eine Amerikanerin. Ein Land, wo Alpin-Skirennen ein Minderheitenprogramm darstellen. Selbst Superstars wie Lindsey Vonn werden höchstens bei Olympischen Spielen wahrgenommen.

Dass die USA durch ihren Sieg schon vor dem letzten Schladming-Rennen im Medaillenspiegel uneinholbar waren, machte Shiffrin am Tag, an dem sie 17 Jahre und 340 Tage alt war, daher besonders stolz. „Unglaublich, mit welcher Coolness sie Lauf zwei bewältigte“, staunte im Anschluss Pat­rick Riml, der amerikanische Teamchef mit Ötztaler Wurzeln. Noch beim Einfahren sei die „Kleine“, wie er sie nennt, aufgrund ihrer Nervosität kaum zu erkennen gewesen.

Dabei gelten Amis doch als cool, Shiffrin sogar als supercool. „Angst habe ich nur im Finsteren“, war ihre Antwort auf die Frage, warum sie trotz ihrer Jugend auf den Rennhängen der Welt bisher so eiskalt agiert. In Schladming gestand sie aber: „Ich war nervös, weil ich im ersten Lauf meine müden Muskeln nicht gespürt habe.“

Und nein – die Weltmeisterin selbst wusste zunächst überhaupt nichts: „Ich weiß nicht, ob ich das jemals realisieren werde“, meinte sie. Nachsatz: „Ich habe keine Ahnung, was die Goldene für die Zukunft bedeutet.“ Was sollte Shiffrin auch anderes sagen, sie ist schließlich erst den zweiten Winter regelmäßig im Weltcup unterwegs. Deshalb verbringt auch der von Mama Eileen begleitete Teenager die meiste Winterzeit in Österreich. Aber „Mika“ ist trotz österreichischer Coaches durch und durch „made in USA“. Ihr Arbeitswille, ihre Energie und ihr bemerkenswertes Selbstbewusstsein – typisch amerikanisch. „Sie wusste schon sehr früh, was sie wollte“, erinnert sich Eileen Shiffrin, wie leicht sie ihre Tochter früh von der Leine lassen konnte.

Shiffrin hat zweifellos Talent. Mehr aber, so ihr österreichischer Gruppentrainer Roland Pfeifer, zählt die Erziehung. „Talent haben viele. Aber Mikas Eltern haben ihr beigebracht, dass man etwas richtig erlernen muss und sich nicht nur auf das Glück verlassen kann“, hatte der Vorarlberger Shiffrins Fleiß gelobt. „Sie will Gesamt-Weltcup-Siegerin werden. Und zwar am liebsten so schnell wie möglich“, weiß Pfeifer. Zumindest die Slalom-Kugel sollte es in diesem Winter werden. Vom verletzten Superstar Lindsey Vonn redet vorerst keiner, Ted Ligety, Julia Mancuso und zuletzt Mikaela Shiffrin machten das Speed-Ass vergessen. Der Heilungsverlauf der 28-Jährigen verheißt kommendes Jahr ein noch stärkeres US-Team . (TT, APA)


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