Michaela Kirchgasser: „Die ganzen Emotionen mussten raus“

Drei Team-Medaillen hatte Michaela Kirchgasser schon. Mit Slalom-Silber hat sie nun auch ihr erstes Einzel-Edelmetall. Die Salzburgerin spricht über „den schönsten Tag ihrer Karriere“.

Die erste WM-Einzelmedaille für Sie. Wie sieht die Gefühlslage bei Ihnen aus?

Kirchgasser: Es sind sehr viele Emotionen auf mich hereingebrochen. Es war eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Ich wollte nur nicht wieder Vierte wie in der Super-Kombi werden. Darum mussten danach alle Emotionen raus, auch die Freudentränen.

Wie wichtig war es Ihnen, zu beweisen, dass Sie ihre Leistung auch bei Weltmeisterschaften ins Ziel bringen?

Kirchgasser: Der Schlüssel heute war, dass ich mir gedacht habe, ich muss nichts beweisen. Ich habe gesagt, ich kann es. Zudem war es von Vorteil für mich, dass ich aufgrund meiner bisherigen Saisonleistungen keine Favoritin war.

War das der bisher schönste Tag ihrer Karriere?

Kirchgasser: Ja, schon! Die Teammedaillen waren auch schön, aber dieser Tag toppt alles.

Mit welcher Einstellung sind Sie in die Entscheidung gegangen?

Kirchgasser: So wie es kommt, so kommt es. Ich wusste, dass ich alles geben muss. Hätte es nicht geklappt, wäre ja in zwei Jahren die nächste WM. Man kann es ja nicht erzwingen.

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Wie stand es um die nervliche Belastung?

Kirchgasser: Im ersten Durchgang war ich sehr angespannt. Ich habe immer versucht die guten Bilder von meinem Vorjahressieg in Schladming und von meinem Kombi-Slalom in den Kopf zu bekommen.

Wie haben Sie die Atmosphäre wahrgenommen?

Kirchgasser: Dieses volle Stadion, das faire und tolle Publikum - das macht einfach nur Spaß. Die Fans waren unglaublich laut. Vor allem bei den Zwischenzeiten war es extrem. Dann hörte ich auch noch den Stadionsprecher und wusste, dass sich ein wenig verloren hatte. Dann gab es nur Vollgas.

Wie war das Warten für Sie im Ziel?

Kirchgasser: Das war einfach nur grausig. Die ganze Zeit habe ich gehofft und gebetet.

Ist Ihnen die Farbe der Medaille egal?

Kirchgasser: Ich habe am Anfang gedacht, dass ich Dritte bin. Dann habe ich Mikaela gratuliert und erst dann bemerkt, dass es Silber geworden ist. Aber ich hätte mich auch über Bronze gefreut.

Sie sind im zweiten Lauf von einer Stange am Helm getroffen worden. Dabei ist auch Ihre Brille verrutscht. War das ein Weckruf für Sie?

Kirchgasser: Es scheint wirklich so zu sein, dass ich immer wieder kleine Fehler brauche.

Wie erklären Sie sich die guten Leistungen bei der WM? Die bisherigen Saisonleistungen waren eher durchwachsen ...

Kirchgasser: Kurz vor WM-Beginn habe ich aus dem Nichts beim Training auf der Reiteralm wieder mein Selbstbewusstsein gefunden. Ich habe keine Erklärung dafür.

Das Gespräch zeichnete Günter Almberger auf


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