Aufsicht vermutet Insiderhandel bei Kauf von Heinz Ketchup

Die US-Börsenaufsicht ließ bereits Vermögen einfrieren. Bisher unbekannte Anleger sollen von der Milliardenübernahme Wind bekommen haben. Die Spur führt in die Schweiz.

Washington/New York - Die 23 Mrd. Dollar (17 Mrd. Euro) schwere Übernahme des amerikanischen Ketchup-Königs H.J. Heinz durch den US-Starinvestor Warren Buffet und den Finanzinvestor 3G Capital bekommt einen bitteren Beigeschmack. Die US-Börsenaufsicht SEC hat auffällige Börsengeschäfte entdeckt und vermutet verbotenen Insiderhandel. Nun stellt sich die Frage: Wer könnte den Deal ausgeplaudert haben? Es geht um viel Geld.

Besitzer von Depot unbekannt

Die SEC ließ am Freitag per Eilbeschluss von einem Gericht das Vermögen in einem Depot einfrieren, über das die verdächtigen Geschäfte liefen. Wer die Besitzer des Depots sind, ist allerdings vollkommen unklar. Es handle sich entweder um ausländische Anleger oder um Anleger, die über das Ausland gehandelt hätten, erklärte die Börsenaufsicht.

Die Ermittler konnten die Spur bis zu einem Konto in Zürich zurückverfolgen. Die SEC hegt den Verdacht, dass die Besitzer des Kontos durch einen Tipp Wind von der anstehenden Heinz-Übernahme durch Investor Buffett und 3G Capital bekommen hatten. Sie hätten daraufhin am Mittwoch massenhaft sogenannte Optionen gekauft, so die Mutmaßung. Durch diese lässt sich mit einem geringen Einsatz auf ein Kursplus wetten.

Nach Kenntnis der SEC kauften die Anleger Optionen für 90.000 Dollar. Als die Übernahme am Donnerstag offiziell verkündet wurde, sprang die Heinz-Aktie um 20 Prozent nach oben. Durch die Hebelwirkung der Optionsgeschäfte sahnten die unbekannten Anleger aber noch weit mehr ab. Sie haben sich laut SEC um 1,7 Mio. Dollar bereichert.

Zusammen mit dem ursprünglichen Einsatz liegen damit nun Werte von 1,8 Mio. Dollar in dem fraglichen Depot. Wenn die Unbekannten an ihr Vermögen heranwollten, müssten sie vor Gericht erscheinen und ihr Handeln erläutern, sagte SEC-Mitarbeiter Sanjay Wadhwa.

Bekannt ist: Die Geschäfte wurden über die US-Investmentbank Goldman Sachs abgewickelt, die selbst allerdings nicht Gegenstand der Ermittlungen ist. Das Wall-Street-Haus kooperiert nach eigenen Angaben mit der SEC.

Zahlreiche Mitwisser bei Übernahme

Sollte sich der Verdacht des Insiderhandels erhärten, wäre das insbesondere für Warren Buffett ein Schlag. Der 82-jährige Chef und Hauptaktionär der Investmentholding Berkshire Hathaway legt besonderen Wert auf saubere Geschäfte. Schon vor zwei Jahren trennte er sich wegen zweifelhafter Aktienkäufe von seinem wichtigen Manager und möglichen Nachfolger David Sokol.

Das Problem bei den Ermittlungen nach dem möglichen Leck ist, dass es zahlreiche Mitwisser bei der größten Übernahme in der Lebensmittelbranche gab: beteiligte Anwälte und Banker, das Management von Heinz und die Seite der Käufer. Sie werden sich nun Fragen der Börsenaufseher gefallen lassen müssen.

Insiderhandel ist verboten, weil Börsengeschäfte auf Basis vertraulicher Informationen andere Anleger benachteiligen. Es gab in den USA zuletzt eine ganze Reihe von Verurteilungen in derartigen Fällen.

Bereits am späten Donnerstag hatten erste Spekulationen über verdächtige Optionsgeschäfte sowie ein Eingreifen der SEC die Runde gemacht. „Irreguläre oder hochgradig auffällige Optionsgeschäfte vor einer Fusion oder Übernahme sind ein ernstes Warnsignal, dass Anleger möglicherweise unlauter mittels geheimer Informationen gehandelt haben“, sagte SEC-Ermittler Daniel Hawke.

Der Name von Buffetts Partnerfirma 3G Capital fiel bereits in einem anderem Fall von möglichem Insiderhandel im vergangenen Jahr. Dieses Mal ging es um die Übernahme der Fastfood-Kette Burger King im Jahr 2010. Die Börsenaufsicht SEC ließ vergangenen September das Vermögen eines Bankers einfrieren, weil sie verbotenen Handel witterte. Der Insidertipp soll dabei von einem Geschäftspartner von 3G gekommen sein. Gegen den Finanzinvestor selbst wurden keine Vorwürfe erhoben. (APA/dpa)


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