Aus der Not eine Tugend machen

Die erste Premiere im Haus des freien Theaters fällt ins Wasser. Am Ersatz wird gebastelt.

Innsbruck –Mit großen Hoffnungen und besten Absichten wurde das Innsbrucker Haus des freien Theaters im Dezember letzten Jahres eröffnet. Das 3. Festival des freien Theaters – in dessen Rahmen die Eröffnung gefeiert wurde – wartete mit ambitionierten Projekten auf und auch das experimentelle Kollektiv „Vorbrenner“, das gut ein Drittel des Jahresspielplans verantwortet, nutzte die neue Spielstätte bereits.

Für den 8. März hätte nun mit Silvia Tschörners Inszenierung des Stückes „Agnes“ die erste offizielle Premiere im neuen Haus stattfinden sollen. Nun wurde verlautbart, dass das Stück, in dem keine Geringere als die Tiroler Schauspielikone Julia Gschnitzer die Hauptrolle gespielt hätte, abgesagt werden muss. Aus „finanziellen und organisatorischen Gründen“, wie es in einer Aussendung vom Obmann des freien Theaters, Stefan Raab,­ hieß. „Tschörner hat für die Produktion weniger Fördergelder erhalten als erhofft“, erklärt Raab auf Nachfrage der TT. Das bestätigt auch Tschörner: „Wir haben bei Stadt und Land für insgesamt 28.000 Euro angesucht und von der Stadt lediglich 3000 Euro zugesagt bekommen“, erklärt sie. Von Seiten des Landes sei dieselbe Summe in Aussicht gestellt worden. Trotz des reduzierten Budgets habe man sich auf das Projekt eingelassen, doch nach einer Woche mussten sich alle Beteiligten eingestehen, dass „Agnes“ unter solchen Bedingungen nicht zu stemmen sei, erklärt Tschörner im TT-Gespräch.

„Dass bereits die erste Produktion ausfällt, ist natürlich keine gute Werbung für das neue Theaterhaus“, beklagt Stefan Raab. Aber angesichts der Situation, die durch den krankheitsbedingten Ausfall eines Ensemblemitglieds zusätzlich erschwert wurde, sei man auch von Seiten des Theaterhauses gezwungen gewesen, zu reagieren. „Schweren Herzens“, wie Raab sagt, schließlich sei eine Produktion mit Julia Gschnitzer immer ein Publikumsmagnet.

In den vergangenen Tagen – das endgültige Aus für „Agnes“ kam am Mittwoch letzter Woche – setzte Raab alles daran, „aus der Not eine Tugend zu machen“. Binnen weniger Stunden hat er ein grobes Konzept für eine Ausweichproduktion entworfen und eine befreundete Schauspielerin kontaktiert. So nahm nach und nach das Stück „Kunst. Wir kämpfen für euch!“ Gestalt an. Es soll ein „Drahtseilakt zwischen Realität und Fiktion werden“, sagt Raab. Die prekären Lebensumstände von Künstlern in Innsbruck sollen genauso verhandelt werden wie der sich unaufhaltsam anbahnende Landtagswahlkampf. Wie genau „Kunst. Wir kämpfen für euch“ endgültig aussehen wird, kann Raab allerdings noch nicht sagen. „Es ist ein ‚Work in Progress‘. Bislang gibt es nur zwei Fixpunkte: Am 8. März ist Premiere und das Budget für das Experiment beträgt derzeit null Euro“, so Raab. Außerdem hat sich Julia Gschnitzer bereiterklärt im Rahmen einer Abendveranstaltung öffentlich von ihren Erfahrungen als Schauspielerin zu erzählen. (jole)

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