Zu kritisieren gab es wenig

Die beste Ski-Weltmeisterschaft aller Zeiten sollte Schladming werden. 300.000 Zuschauer und ein reibungsloser Ablauf lassen die Vorgabe als erfüllt erscheinen.

Von Florian Madl

Schladming –Hellwach war Peter Schröcksnadel gestern, obwohl bereits am frühen Morgen Bilanz gezogen wurde. Auch der Präsident des Österreichischen Skiverbands wirkte aufgezogen – nach zwei gelungenen Wochen Weltmeisterschaft schien alles zur Zufriedenheit des 71-Jährigen erledigt: „Ob es die beste WM aller Zeiten war, sollen andere beurteilen.“ Auch sein Schweizer Präsidentenpendant Gian-Franco Kasper, der Kopf des Internationalen Skiverbands, wollte das nicht bestätigen. „Früher gab es ganz andere Voraussetzungen. Das hieße, Äpfel mit Birnen zu vergleichen“, meinte der 69-Jährige in seinem Resümee. Wohl auch deshalb, um seinem Immer-wieder-Rivalen Schröcksnadel nicht den Teppich ausrollen zu müssen. Und wohl auch deshalb, um Vail/Beaver Creek (WM-Schauplatz 2015) nicht unnötig unter Druck zu setzen. Viel mehr als die organisatorische Komponente verursacht bei den Athleten das gediegene Ambiente in Colorado Kopfzerbrechen, mit der Stimmung in Schladming jedenfalls nicht vergleichbar.

Als Kasper gestern nach dem Slalom um 16 Uhr die WM für beendet erklärte, hatten auch Kritiker wenig auszusetzen. Nach einer brauchtumsüberladenen Eröffnungsfeier – die Kritik daran schiebt ÖSV-Präsident Schröcksnadel „Pseudointellektuellen“ in die Schuhe – sparte man sich bei der Schlussfeier übertriebenen Lokalkolorit.

Aber auch der Innsbrucker will aus der Weltmeisterschaft seine Lehren gezogen haben: Der Druck der Medien sei zu groß gewesen, künftig wolle man den Interview-Zeitraum beschränken. „Sportler sind schließlich auch Menschen mit Gefühlen, die manchmal sensibel reagieren.“ Er wolle die Athleten schützen.

Auf Querschüsse von Kritikern – Hermann Maiers WM-Blog sorgte zwischenzeitlich für helle Aufregung – wolle er weiterhin nicht reagieren. „Die Leute sollen kommen und mit mir reden, ausrichten lasse ich mir nichts.“ Und jene Zunftvertreter, die seiner Meinung nach übers Ziel hinausgeschossen sind, wolle er sich merken.

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Dem Reiz einer Ski-Weltmeisterschaft können sich auch andere heimische Orte nicht erwehren: St. Anton und das Brixental, daneben Saalbach und Bad Kleinkirchheim (als Teil des Bewerbung Kranjska Gora/SLO) stünden in den Startlöchern für eine WM 2021. Das Interesse freut Peter Schröcksnadel, doch Interesse wird auch ihm zugeschrieben: an einer Mehrheitsübernahme der runderneuerten Bergbahn Planai/Hochwurzen. „Ich sage es immer wieder: Da ist nichts dran. Was in einem Jahr ist, kann ich derzeit natürlich nicht sagen.“


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