Ein Genie schuf Turmuhr mit elf Zifferblättern

Großuhrmacher Wendelin Jäger aus Kappl versorgte 1878 das riesige Kloster Marienberg mit „Zeit“. Chronist hat zwei Rechnungen entstaubt.

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Von Helmut Wenzel

Kappl, Mals, Innsbruck –Im riesigen Kloster Marienberg bei Mals/Burgeis, über Jahrhunderte das geistige Zen­trum im Vinschgau, scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Innerhalb der Mauern schlummern zahlreiche Urkunden und Verträge, die auch den Bezirk Landeck betreffen. Auf Marienberg leben heute zwölf Mönche um Abt Markus nach den Ordens­regeln des heiligen Benedikt.

Zur vollen Stunde ertönt ein Glockenschlag vom Turm, seit wenigen Jahren gesteuert von einem elektronischen Uhrwerk. Die Zeit im wahrsten Sinn des Wortes installiert hatte der berühmte Großuhrmacher Wendelin Jäger (1829–1884) aus Kappl. Er schuf 1878 in seiner Innsbrucker Werkstatt die schmiedeeiserne Turmuhr für Marienberg. Einzig­artig ist ein Mechanismus mit meterlangen Gestängen und Zahnrädern im ganzen Kloste­r. Jäger sowie zwei Maurer und zwei Zimmerleute hatten mehrer­e Wochen gearbeitet, um elf Zifferblätter zu installieren, die alle von der Großuhr im Turm gesteuert werden. „Wir wissen, das ist eine Meisterleistung“, bemerkte Abt Markus, „aber wie es Jäger geschafft hat, alle Zifferblätter auf die Minute genau zu betreiben, kann ich leider nicht erklären.“

Heimatforscher Josef Walser aus Landeck bekam von Erwin Cimarolli, Leiter des Mathias-Schmid-Museums in Ischgl, kürzlich einen Ordner mit Dokumenten zur Jäger-Uhr in Marienberg. In der Karwoche hat er die Unterlagen ausgewertet: „Interessant ist die Rechnung, die Jäger an seinen Auftraggeber Prälat Peter Wiesler ausgestellt hat Das Original befindet sich im Kloster.“ Großuhrfabrikant Jäger schrieb in Kurrentschrift: „Die Kosten für die Thurmuhr, Zifferblätter mit Schlagglocken, vergoldeten Zeiger, Aufstellung und Reisekosten betragen 824 Gulden.“ Später machte er den Vermerk: „Bezahlt im Stifte Wilten am 11. Oct. 1878.“ Prälat Wiesler war zu jener Zeit auch Landtagsabgeordneter in Innsbruck.

Erhalten ist auch die Transportrechnung des Meraner Frächters Carl Torggler. Dieser hatte Kosten in Höhe von 7,68 Gulden für den Transport der 475 Kilo schweren Uhr in Rechnung gestellt.

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