Russland will privaten Anlegern in Zypern nicht helfen

Russen, die auf Zypern ihr Geld angelegt haben, können nicht auf Hilfe aus der Heimat zählen. Die zypriotische Staatsanwaltschaft will am Dienstag Vorwürfe prüfen, wonach Politiker Kredite nur teilweise zurückgezahlt haben sollen.

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Eine Filiale der Bank of Cyprus in Nikosia.
© Reuters

Nikosia, Moskau – Die Regierung in Moskau will russischen Anlegern in Zypern nicht unter die Arme greifen. Sollten Russen im Zuge des geplanten Rettungspakets für den von der Staatspleite bedrohten Inselstaat Geld verlieren, wäre das sehr schade, sagte der Vize-Ministerpräsident Igor Schuwalow der Nachrichtenagentur Interfax zufolge in einem Fernsehinterview am Sonntagabend.

„Aber die russische Regierung wird sich bei einer solchen Situation nicht einschalten.“ Sollte allerdings ein Unternehmen, an dem der russische Staat beteiligt ist, viel Geld verlieren, „sind wir bereit, das öffentlich und transparent hier in Russland je nach Fall zu prüfen“, fügte er hinzu. Konkrete Hilfen für Zypern seien damit nicht verbunden.

Im Rahmen des Rettungspakets für Zypern müssen Kunden der größten Bank Zypern, der Bank of Cyprus, mit Verlusten von bis zu 60 Prozent ihrer Sparguthaben über 100.000 Euro rechnen. Viele reiche Russen haben ihr Geld in der Vergangenheit in das kleine Euro-Land im Mittelmeer gebracht. Niedrige Steuern, hohe Zinsen und laxe Kontrollen lockten. Durch die bisher beispiellose Beteiligung vermögender Bankkunden an dem Rettungspaket dürften die Tage Zyperns als Steuerparadies allerdings gezählt sein.

Staatsanwaltschaft prüft Vorwürfe der Politikerbegünstigung

Die Staatsanwaltschaft auf Zypern will ab Dienstag Vorwürfe prüfen, wonach Politiker und Unternehmer Kredite von zypriotischen Banken erhalten und diese nur zum Teil oder gar nicht zurückgezahlt haben sollen. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte der Nachrichtenagentur dpa am Montag: „Uns steht viel Arbeit bevor.“ Außerdem soll eine aus Richtern zusammengesetzte Kommission Gerüchten nachgehen, denen zufolge Insider kurz vor der mehrtägigen Bankenschließung große Summen von ihren Konten abgehoben haben sollen. Das Parlament hatte die Bildung dieser Kommission beschlossen.

Vergangene Woche hatten eine griechische Boulevardzeitung und ein griechisches Internet-Nachrichtenportal eine Liste mit Namen von Politikern veröffentlicht, die zwischen 2007 und 2012 Darlehen von den zwei in Schieflage geratenen Banken Bank of Cyprus und Laiki Bank erhalten haben sollen. Die griechische Presse berichtete nun zudem, zypriotische und andere europäische Unternehmen hätten vor der Bankenschließung rund 700 Millionen Euro aus Zypern ins Ausland überwiesen. (APA/Reuters/dpa)


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