Digital und doch per Einschreiben - Deutschland testet die De-Mail

„Einfach wie E-Mail, sicher wie ein Brief“ - Die deutsche De-Mail soll den Papierbrief ersetzen - mit dem Segen des Staates.

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Berlin – Das deutsche Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik hat detaillierte Richtlinien zusammengetragen, der Bundestag hat ein entsprechendes Gesetz in Aussicht gestellt: Die Rede ist von der „De-Mail“, also E-Mails, die schon bald den herkömmlichen Papierbrief ersetzen könnten.

Im Gegensatz zur E-Mail können bei De-Mail sowohl die Identität der Kommunikationspartner als auch der Versand und der Eingang von De-Mails zweifelsfrei nachgewiesen werden. Damit soll sich die De-Mail vor allem zur Kommunikation mit und zwischen Behörden eignen. Um den Dienst zu nutzen, ist eine Identifizierung mit einem gültigen Pass oder Personalausweis notwendig. Bei jeder Adress- oder Namensänderung muss die Identifizierung erneut durchgeführt werden.

Gratis Kontos bei zertifizierten Partnern

Die Kommunikation ist nach erfolgreicher Anmeldung und Identifizierung ausschließlich zwischen De-Mail-Adressen möglich. Die Anmeldung erfolgt bei einem zertifizierten Partner. Derzeit bieten beispielsweise 1&1, GMX, Web.de oder die Telekom den Dienst an.

Dabei soll die De-Mail besonders sicher sein: Als „wichtige Sicherheitsmerkmale, die der herkömmlichen E-Mail fehlen“ werden laut Bundesamt vor allem die Verschlüsselung, die Versand- und Eingangsnachweise aber auch zwei verschieden hohe Sicherheitsniveaus bei der Anmeldung genannt. Durch die eindeutige Identifizierung der Versender sei hier auch SPAM oder Phishing kein Thema mehr.

Konkurrenz und Gerichtsprozesse

Die Deutsche Post, die die De-Mail derzeit auch gerichtlich bekämpft, wird wohl bald zähneknirschend folgen“, ist auf spiegel.de zu lesen. Zwar habe die Post mit dem „E-Postbrief“ ein Konkurrenzprodukt am Markt, da De-Mail im Gegensatz zum E-Postbrief - vorerst - kostenlos nutzbar ist, könnte sich die Post schon bald ebenfalls als Anbieter zertifizieren lassen.

Ob und welches digitale Brief-System sich am Ende durchsetzen wird, ist noch nicht abzusehen. Abseits der gerichtlichen Auseinandersetzungen gibt es noch intensive Diskussionen darüber, wie sicher die digitalen Sendungen wirklich sind. Derzeit läuft De-Mail in Deutschland im Testbetrieb. Und obwohl bereits zahlreiche Banken und Ämter damit werben „bald via De-Mail“ erreichbar zu sein, können entsprechende Adressen und Domänen überhaupt erst Mitte des Jahres beantragt werden. Und erst einmal bleibt abzuwarten, ob der deutsche Bundestag den derzeit vorliegenden Gesetzesentwurf als Grundlage für die digitale verifizierte Kommunikation mit Behörden beschließen wird. (upf, tt.com)


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