Stanz will bei der Qualität nichts anbrennen lassen

Brennereidorf sieht sich zu Ehrenerklärung veranlasst: Verzicht auf Zucker und künstliche Aromen. Agrarmarketing Tirol begrüßt Initiative.

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Von Helmut Wenzel

Stanz bei Landeck –„Wir alle­ sind Spinner mit Leidenschaft“, scherzte Obmann Markus Auer kürzlich bei der 4. Edelbrandverkostung des Vereins Brennereidorf Stanz. Wenig später kam er allerdings auf ein ernsthaftes Problem zu sprechen. In Zusammenhang mit der Produktion sieht sich der Verein nämlich zu einer Ehrenerklärung veranlasst. „Wir möchten den ehrlichen und authentischen Weg gehen“, erklärte Auer. „Das heißt Verzicht auf Zuckerzusatz und auf künstliche Aromen. Zudem verwenden wir beim Zwetschken- und Spänlingbrand ausschließlich Früchte aus der Genussregion Stanzer Zwetschke.“

Eine Debatte über den Zuckerzusatz, der übrigens in bestimmten Mengen von der EU erlaubt ist, soll sich am Rande der Landesprämierung 2012 in Schwaz abgespielt haben. „Da ist über einige Verdachtsfälle diskutiert worden“, erinnert sich Auer. „Auch wenn die Vorgangsweise von der EU her legal ist, steht fest: Mit Zucker werden Fehler von schwachen Produkten verdeckt.“ Der Verein Brennereidorf distanziere sich jedenfalls strikt von gezuckerten Bränden. Eine derartige Produktion sei weder ehrlich noch authentisch.

Die Zuckerdebatte bei den Tiroler Edelbrennern sei nicht ganz neu, bestätigte Wendelin Juen, Geschäftsführer der Agrarmarketing Tirol. Auch wenn die süße Beigabe gesetzlich erlaubt sei, plädiert er für den Verzicht: „Wer sauber brennt, hat Zusätze ohnedies nicht nötig. Frühere Brenner-Generationen haben ja auch frei von irgendwelchen Zusätzen produziert.“

Die Ehrenerklärung der Brennereizunft wertet Juen als Beitrag zur Bewusstseinsbildung: „Bei Wettbewerben müsste allerdings jede eingereichte Probe untersucht werden. Dazu ist ein Schnellverfahren nötig, das ab 2014 verfügbar sein soll.“

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Der Nachweis von künstlichen Aromen hingegen sei aufwändig. Industrielle Produzenten würden Aromen „zur Abrundung und Gefälligkeit des Geschmacks“ verwenden. Den Tiroler Abfindungsbrennern sind derartige Beigaben nicht erlaubt. „Wer sein Produkt mit Aromen aufbessert, pokert hoch“, warnt Experte Juen. „Da steht der Entzug des Brennereirechts auf dem Spiel.“

Die 4. Auflage des Wettbewerbs „brenn.kunst.stanz“ mit sieben unabhängigen Juroren war abermals eine Bestätigung für die hohe Produktqualität der Genussregion Stanzer Zwetschke. Den „Zwetschkenkristall“ eroberten Siegfried und Alexandra Pfeifer sowie Markus Auer, der auch den „Spänlingkristall“ gewann. 34 Produkte erreichten die nötige Punktezahl für eine Goldmedaille, für 20 Edelbrände gab es Silber und 14 wurden mit einer Bronzemedaille ausgezeichnet.


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