Arbeitslosigkeit in Eurozone auf Rekordhoch - Keine Besserung in Sicht

In den 17 Euro-Ländern sind fast 19,1 Millionen Männer und Frauen arbeitslos - knapp 1,8 Millionen mehr als im Februar 2012. Die Arbeitslosenquote verharrte auf dem Rekordhoch von 12,0 Prozent. Dabei ist die Kluft im Währungsraum sehr groß.

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Brüssel/Wien - Die Arbeitslosigkeit in der Eurozone ist so hoch wie nie zuvor. Von Jänner auf Februar verloren weitere 33.000 Menschen ihren Job, wie das europäische Statistikamt Eurostat am Dienstag mitteilte. In den 17 Euro-Ländern sind damit fast 19,1 Millionen Männer und Frauen arbeitslos - knapp 1,8 Millionen mehr als im Februar 2012. Die um jahreszeitliche Schwankungen bereinigte Arbeitslosenquote verharrte auf dem Rekordhoch von 12,0 Prozent. Dabei ist die Kluft im Währungsraum sehr groß: Österreich weist mit 4,8 Prozent den niedrigsten Wert aus, Griechenland mit 26,4 Prozent den höchsten.

Grund ist Wirtschaftskrise

Grund für den schwachen Arbeitsmarkt ist das tiefe Konjunkturtal, durch das sich die Euro-Länder derzeit quälen. Die Wirtschaft im Währungsraum war zum Jahresende 2012 so stark geschrumpft wie seit dem Höhepunkt der Finanzkrise Anfang 2009 nicht mehr. Das Bruttoinlandsprodukt wird nach der Prognose der EU-Kommission dieses Jahr mit einem Rückgang von 0,3 Prozent zum zweiten Mal in Folge sinken. Besonders düster sieht es in Griechenland, Spanien und Italien aus.

Rasche Besserung ist nicht in Sicht. Nach einer Umfrage des Markit-Instituts unter 3.000 Industrie-Betrieben in der Eurozone wurden im März den 14. Monat in Folge Stellen gestrichen. Besonders stark war der Abbau in Frankreich, Italien, Spanien, den Niederlanden, Irland und Griechenland. „Mit der beschleunigten Talfahrt des Industriesektors ist das Risiko eines verstärkten Abschwungs im zweiten Quartal gestiegen“, sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson. In Österreich und seinem großen Nachbarland Deutschland hingegen wurden wieder Stellen geschaffen - wenn auch in Österreich stark teilzeitlastig, wie etwa die Grünen kritisierten.

Die EU-Kommission rechnet für dieses Jahr mit einem Anstieg der durchschnittlichen Arbeitslosenquote auf 12,2 Prozent. Erst 2014 soll sie wieder sinken, wenn auch nur minimal auf 12,1 Prozent. Mit einem Sinken der Quote wird auch in Österreich erst im kommenden Jahr gerechnet, nach einem 2013 mit einem „zähflüssigen Arbeitsmarkt“, wie Sozialminister Rudolf Hundstorfer (S) kürzlich sagte.

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Die Krise verstärkt das Gefälle unter den Euro-Staaten. Während Österreich (4,8 Prozent sowohl im Februar als auch im März), Deutschland (5,4 Prozent), Luxemburg (5,5 Prozent) und die Niederlande (6,2 Prozent) mit den niedrigsten Arbeitslosenquoten verhältnismäßig glimpflich davon kommen, melden die Krisenländer Griechenland (26,4 Prozent im Dezember 2012), Spanien (26,3 Prozent) und Portugal (17,5 Prozent) die höchsten Werte.

Hoffnung in Italien

Etwas Hoffnung keimte im Sorgenland Italien auf, wo die Quote zum Vormonat überraschend fiel - wenn auch nur minimal auf 11,6 Prozent. Die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone bzw. europäischen Festlandes steckt in der konjunkturell längsten Durststrecke seit 20 Jahren, seit der Parlamentswahl ist noch eine politische Patt-Situation hinzugekommen.

In Zypern, das nur dank Finanzhilfen seiner Euro-Partner über rund zehn Milliarden Euro die Staatspleite verhindern konnte, sprang die Arbeitslosigkeit binnen Jahresfrist deutlich um fast vier Punkte auf 14 Prozent.

Für das Währungsgebiet wächst der Pessimismus der Ökonomen. „Angesichts der staatlichen Sparprogramme, welche das verfügbare Einkommen der Menschen belasten, und einem geringen Verbrauchervertrauen dürften die Konsumausgaben auch in den kommenden Monaten fallen“, sagte Jennifer McKeown, Volkswirtin bei Capital Economics. „Das Bruttoinlandsprodukt dürfte in diesem Jahr weitaus stärker zurückgehen als die 0,3 Prozent, die bisher vorhergesagt werden, auch wenn die Auswirkungen der Krise in Zypern und Italien kurzlebig sind.“

Auch junge Menschen bekommen die Krise stark zu spüren, fast 3,6 Millionen der unter 25-Jährigen sind im Euro-Raum auf Jobsuche, davon in Österreich 42.147 (plus 7,8 Prozent zu März 2012). Dies waren 188.000 mehr als im Februar 2012, aber 9.000 weniger als im Jänner. Die Jugendarbeitslosigkeit stieg binnen Jahresfrist auf 23,9 von 22,3 Prozent. Die niedrigste Quoten verzeichnete Deutschland mit 7,7 Prozent, die höchsten Werte meldeten Griechenland (58,4 Prozent) und Spanien (55,7 Prozent). (APA/Reuters)


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