Rohregger will zum Tour-Geburtstag

Auf den Giro d’Italia verzichtet Thomas Rohregger (30) heuer. Der Kramsacher konzentriert sich auf die 100. Auflage der Tour de France und schiebt Gedanken ans Ende des Teams oder der Karriere beiseite.

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Von Florian Madl

Innsbruck, Kramsach –10.000 Trainingskilometer absolvierte Thomas Rohregger heuer im Winter. Und es mutete ein wenig wie die Ironie des Schicksals an, dass sich der 31-Jährige nicht auf einer der steilen Abfahrten in der bevorzugten Vorbereitungsdestination um Alicante oder auf Mallorca (ESP) verletzte, auch nicht bei einer seiner zahlreichen Skitouren: „Ich stürzte, als ich das Hotel verließ, über die Stiege.“ Rutschige Pflastersteine waren auf profil­lose Radschuhe getroffen, das schmerzhafte Ergebnis stellte ein Kapseleinriss im Handgelenk dar. So etwas passiert, den Lenker hält Rohregger deshalb keineswegs fester. „Es tut weh“, erzählt der Tiroler. Aber Schmerzen empfindet der Kramsacher wohl auch bei mancher seiner Trainingsfahrten, die ihn zur Tour de France 2013 führen sollen. Auf den Giro d’Italia (ab 4. Mai) verzichtet der Profi des Luxemburger Rennstalls RadioShack Leopard Trek nämlich. „Das habe ich mir ausbedungen, ich will mich heuer voll auf die mögliche Teilnahme bei der Tour de France konzentrieren.“ Möglich deshalb, weil mit Leuten wie Andreas Klöden (GER), And­y Schleck und Fabian Cancellar­a (SUI) einige der neun Teamplätze vergeben scheinen. Letzterer punktete heuer bereits mit zwei Saisonsiegen, Rohreggers Qualitäten liegen ohnehin am Berg.

Dabei wäre er jedenfalls gerne, wenn am 29. Juni im korsischen Porto Vecchio der Startschuss zum wichtigsten Etappenrennen der Welt erfolgt. „Schließlich handelt es sich um die 100. Auf­lage“, schlägt bei Rohregger das Radsport-Herz höher. Nur ein­e Besonderheit neben dem ganzen Brimborium abseits der Strecke: Erstmals müssen die Fahrer heuer die legendäre­n Kehren nach L’Alpe d’Huez in nur einer Etappe zweimal bewältigen. Für seinen Traum schuftet der Tiroler, überbrückte den harten Winter im Süden oder absolvierte mit seinem Freund Markus Kröll so manche Skitour: „Der hüpft wie eine jung­e Gams auf die Berge.“

Die ersten Rennen fuhr der Tiroler, um dabei zu sein. „Die Ergebnisse sind zweitrangig, ich will schließlich nicht schon zu Saisonbeginn in Form sein.“ Seine Höhepunkte folgen erst, mit der Tour de Romandie (SUI/23.–28. Apri­l) beginnt für den Kramsacher die Ernstphase der Tour-Qualifikation, die nur neun Fahrer aus dem 27-köpfigen Radio­Shack-Team überstehen. Ob sein Team indes die kommend­e Saison übersteht, weiß er nicht. Medienberichten zufolge stehe der Rennstall wieder auf der Kippe, hinter der Finanzierung stünden nach Meinung von Insidern Fragezeichen. „Ich schiebe Gedanken an meine Zukunft oder eine mögliches Karriere­ende 2013 beiseite“, meint Rohregger. Er wolle bestmöglich in Form sein. Am liebsten bei der Tour de France, sonst eben bei der zeitgleich stattfindenden Österreich-Rundfahrt. Die hat er 2008 bereits gewonnen – aber auch deren Finanzierung wackelt.


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