Auch ohne Gipfel glücklich

Im Kühtai herrscht noch tiefster Winter. Bei Traumwetter gleicht die Tour durch das Mittertal auf die Wechnerscharte daher einem Eintauchen in ein funkelndes Paradies.

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Von Irene Rapp

Silz –Es gibt Tage, an denen passt alles. Zumindest im Leben eines Wintersportlers, der angesichts wolkenlosen Himmels, traumhaften Pulvers, einer faszinierenden Landschaft und eines anschließenden bekömmlichen Essens so zufrieden ist mit sich und der Welt, dass es nichts Besseres mehr geben kann. So geschehen am Ostermontag. Ein Tag wie aus dem Bilderbuch. Dazu eine Skitour, zwar nicht auf einen Gipfel mit einem Kreuz, sondern „nur“ eine Scharte. Doch das unter Anführungszeichen gesetzte „nur“ sollte eigentlich gestrichen werden. Denn auch eine Scharte kann mit tollen Tief- und Ausblicken aufwarten.

Doch alles der Reihe nach: Beim Längental Speicher – einige Meter nach Kühtai – werden die Ski angeschnallt, dann geht es neben dem See vorbei und rechts durch einen Wald hinauf, bis sich das weite Mittertal öffnet. Ein traumhafter Ausblick: Rechts ziehen die Tourengeher weg auf die beliebten Ziele Schafzöllen und Vordere Karlesspitze, doch für die Tour auf die Wechnerscharte heißt es, beides rechts liegen lassen und dem Talende zuzumarschieren.

Im Vordergrund hat man immer mehrere markante Zacken im Auge – unter anderem von Vorderem und Hinterem Mittertalkopf sowie Rotem Kogel –, denen man wie in einem überdimensionierten Stiegenhaus Stufe um Stufe näher kommt. Auf den ersten Kilometern gewinnt man nicht viel an Höhe, doch das tut nichts zur Sache.

Dafür kann man beim langsamen Dahinschreiten in diese wunderschöne Landschaft eintauchen und Ruhe inhalieren – und staunt angesichts der weißen Pracht. „Für die Jahreszeit hat es überdurchschnittlich viel Schnee“, weiß Patrick Nairz vom Lawinenwarndienst des Landes, immerhin werden seit 1990 im Kühtai Messungen durchgeführt. Ebenfalls auffallend für die andauernde Skitourensaison: „Bislang gab es viel Pulver, aber noch wenig Firn“, so Nairz weiter. Und: Vor allem der Altschneedeckenaufbau sei heuer sehr gut.

Zurück ins Mittertal. Man hält sich immer auf der rechten Talseite, gewinnt langsam an Höhe und kann dann den markanten Nordostgrat des Maningkogels erkennen. Den Hang darunter – mit Felsbrocken durchsetzt – gilt es zu queren – dann erreicht man ein weitläufiges Plateau, von wo aus man erstmals das Ziel erblicken kann.

Links halten, zunächst geht es in angenehmer Steigung bergauf. Dann wird es jedoch anspruchsvoller, die richtige Spitzkehrentechnik ist gefragt. Und natürlich darf der relativ steile Hang nur nach genauer Abwägung bestiegen bzw. befahren werden.

Anzupeilen ist schließlich die rechte der zwei Scharten. Dort lässt es sich, an einen großen Felsen gelehnt, schön pausieren und die tollen Ausblicke – unter anderem in das danebenliegende Längental oder Acherkogel – genießen.

Ein weiteres Highlight der Tour – die Abfahrt: entweder entlang der Aufstiegsspur oder gleich nach dem ersten steilen Hang rechts halten und unterhalb der Wechnerwand die Hänge genießen. Dass man bei der Fahrt zurück ins Tal mitunter ein klein wenig schieben muss, wird eigentlich nur der Vollständigkeit halber erwähnt. Denn in diesem traumhaften Tal ist sogar das ein Vergnügen.


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