Bittere Pille der Ärzte für die Politik

Bei einer Diskussionsrunde an der Klinik machten Ärzte ihrem Ärger über unhaltbare Zustände gehörig Luft.

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Innsbruck –Dort, wo sonst Medizinstudenten andächti­g Vorlesungen lauschen, hatte­n am Dienstag an die 300 Landes­ärztinnen und -ärzte an der Klinik Platz genommen. Mit einiger Verärgerung im Bauch wollten sie von der Politikerrunde am Podium im großen Hörsaal der Chirurgie wissen, was diese als Therapie für die drängendsten Probleme der Ärzte an den Landeskrankenhäusern anbieten können. Für die Mediziner ist die Diagnose seit Langem klar. Ein zu geringer Grundlohn, der zur Abwanderung in angrenzende Regionen führt. Fehlende Zuschläge für besondere Aufgaben. Zu wenig Zeit und Geld für Fortbildung. Zu viel Bürokratie etc.

Zusammengefasst in einem Forderungspapier wollten die Ärztevertreter von den Vertretern aller bei der Landtagswahl kandidierenden Parteien wissen, was sie zur Behandlung empfehlen. Die Repräsentanten von acht (von elf) Listen stellten sich der Diskussion. Piraten, das Team Stronac­h und Für Tirol fehlten. Am meisten aber ärgerte die Zuhörer, dass statt des zuständigen Gesundheitslandesrates Bernhard Tilg von der ÖVP nur Bundesrat Georg Keuschnigg gekommen war. Der zog sich auch gellende Pfiffe zu, als er meinte, die Ärzte-Einkommen könnten im Vergleich mit anderen Regionen mithalten. Nicht nur Andrea Haselwanter-Schneide­r (Liste Fritz) nannte Tilgs Fehlen „respektlos“.

Was die Politriege von den Ärzten zu hören bekam, dürfte auch diesen teilweise nicht bekannt gewesen sein. Eine junge Medizinerin, die zu 75% arbeitet, gab schonungslos ihr Nettoeinkommen preis: 1300 monatlich, die Wohnung in der Stadt kostet schon 1100, die Kinderbetreuung 330. Kein Einzelfall, wie weitere Wortmeldungen belegten. 100.000 Euro brutto, mit denen Vorarlberg um Fachärzte wirbt, seien in Tirol „eine Traummarke“, erklärte Zentralbetriebsratsvorsitzender Gerhard Hödl. Ein Intensivmediziner aus dem Auditorium warnte, dass durch die Abwanderung von qualifiziertem Personal bereits „keine stabile Situation“ mehr herrsche. Es gebe bereits Qualitätsmängel, langfristig drohten Versorgungsengpässe.

Nicht besser ist die Situation offenbar bei der Fortbildung. Diese absolvieren die Ärzte großteils in ihrer Freizeit und bezahlen sie aus der eigenen Tasche. Lediglich 300 Euro pro Person und Jahr kommen von der Tilak. Darüber hinaus geht dem ärztlichen Personal die Wertschätzung ab. „Ich bin seit 30 Jahren in der Anästhesie.“

Ingrid Felipe (Grüne) zeigt­e sich „über die Rahmenbedingungen entsetzt“ und versprach Unterstützung. Waltraud Buchberger, Pflegedirektorin am AZW und Kandidatin von Vorwärts Tirol, forderte, dass die lange Ausbildung und die hohe Verantwortung entsprechend honoriert werden müssten. Josef Stingl (KPÖ) verlangte österreichweit einheitliche Bedingungen. Die Ideen, woher mehr Geld kommen könnte, waren phantasievoll. „Wir brauchen nur die Agrarfrage lösen, dann haben wir genug Geld“, meinte Gabi Schiessling (SPÖ). Fritz Gurgiser riet den Ärzten, in einem Tunnel zu arbeiten. „Dafür ist in Tirol immer Geld da. Die Gesundheit gehört endlich außer Streit gestellt.“ Das sei in der ablaufenden Legislaturperiode ganz und gar nicht der Fall gewesen, wetterte Rudi Federspiel (FPÖ), mit zahlreichen von den Regierungsparteien abgelehnten Oppositionsanträgen in der Hand. Die Ärzte wollen bald Taten sehen. „Sonst gehen wir auch auf die Straße“, kündigte Hödl an. (cm)


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