Auch in einem Rohbau kann es brennen

In der Bauphase eines Hauses können, nicht selten durch Naturgewalten verursacht, einige Sachen schieflaufen, die dann ein vielleicht ohnehin schon angespanntes Budget in Schieflage bringen.

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Von Ursula Philadelphy

Innsbruck –Martin Reiter, Marketingleiter der Tiroler Versicherung, und Armin Singer, Ressortdirektor Vertrieb, kennen die Situation ganz genau, sind sie doch ständig mit Versicherungsfällen rund um den Rohbau befasst. Sie versichern 500 bis 750 Rohbauten pro Jahr und wirklich tragische Fälle gibt es natürlich nicht wie Sand am Meer. Aber es passieren doch regelmäßig Dinge, die eine Versicherung nahelegen. Beide erinnern sich noch mit Schaudern „an ein Projekt in Söll – ein betonierter Keller plus Holzfertighaus, alles fertig, ein paar Tage vor dem Einzug“. Natürlich war es, wie heute nach den Wohnbauförderungsrichtlinien üblich, ein Passivhaus, das alle Stückerln spielte. „Und dann ist es ganz kurz vor dem Einzug komplett abgebrannt!“ Zum Glück war der Bauherr versichert. Die Tiroler Versicherung bietet nämlich an, „bei einem Bauprojekt bereits vor dem Baubeginn und dem Einrichten der Baustelle eine umfassende Versicherung abzuschließen“, so Reiter. Denn „der Bauherr ist nicht nur für die Sicherheit auf der Baustelle zuständig, sondern auch für den Verkehrsbereich zur Baustelle“, und da gibt es doch einige Risiken, die man am leichtesten mit einer Versicherung ausschalten kann: Absperrzäune, Schaltafeln, Eisen, die auf der Baustelle herumliegen, nicht gut gesicherte Balkone und vieles mehr.

„In der Realität haben die meisten kleinen und privaten Bauprojekte keinen Baustellenkoordinator“, stellt Armin Singer fest, der ist zwar eigentlich vorgeschrieben, „aber im privaten Bereich, wenn dann noch mit Familien-, Freundes- und Nachbarschaftshilfe gearbeitet wird“, kann doch viel passieren und der Bauherr haftet.

Was bietet nun so eine Versicherung von Anbeginn an, was wird alles abgedeckt? „Der Versicherungsschutz für den Rohbau ist prämienfrei“, meint Singer. Prämien werden erst nach der Fertigstellung fällig. Inkludiert sind auf jeden Fall Feuerversicherung, Haushaltsversicherung, Leitungswasserversicherung, Sturmversicherung, eine Versicherung gegen Naturgewalten sowie eine Haftpflichtversicherung. Sehr oft wird davon ausgegangen, dass es in einem Rohbau ohnehin nicht brennen kann, aber „egal ob Holz, Beton oder Ziegel, alles kann brennen, Betondecken und Mauern sind dann ebenfalls stark in Mitleidenschaft gezogen“, so Reiter, der auch beim Thema Leitungswasserschäden im Rohbau oft auf Unverständnis stößt. Aber „Leitungen können immer platzen, nicht dicht sein, der Estrich wird nass, die undichten Stellen müssen erst geortet und danach Entfeuchter aufgestellt werden. Auch Frostschäden können schlagend werden, gerade wenn auch in Wintermonaten eine Baustelle durchgehend weiterbetrieben wird oder ungeachtet der Wettersituation sehr früh im Jahr eine Baustelle begonnen wird.“

Ganz zu schweigen natürlich von der Wichtigkeit einer Versicherung, wenn es um Sturm, Hagel, Schneedruck, Felssturz, Steinschlag oder Erdrutsch geht. Bei diesen Naturkatastrophen sind die Auswirkungen verheerend und die Schäden so enorm, dass man sie ohne Versicherung nicht überstehen kann. Ein Hochwasser bedeutet nicht nur Wasserschäden, sondern durch den enormen Wasserdruck zerstörte Einrichtungen, beschädigtes Mauerwerk und Dreck ohne Ende. Was eine Mure anrichten kann, haben die vergangenen Jahre ja hinlänglich gezeigt.

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Auch Hagelschäden nehmen zu. „Seit 2009 haben wir vermehrte Fälle mit massiven Schäden im Hagelbereich“, erzählen Martin Reiter und Armin Singer. Dabei geht es, entsprechend den aktuellen Architekturtrends, nicht nur um Schäden an den Dächern, sondern auch an Scheiben und Solaranlagen. „Aus unserer Sicht sind Dächer mit Rollierung oder begrünte Dächer ideal, im Gegensatz zu Ziegeldächern, bei denen gerade im Bereich der Überlappung der Ziegel sehr viel passiert“, weiß Martin Reiter.

Im Bereich der Haftpflichtversicherung geben die beiden Fachleute zu bedenken, dass gerade auf einer Baustelle viel passieren kann. Schadenersatzforderungen stehen plötzlich an – ein Restrisiko bleibt immer, an das man beim Start des Hausbaus­ nicht denkt.


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