Archäologinnen sondieren Gradl-Areal

Noch bevor in Wörgl eine neue Wohnanlage entsteht, lässt die Baugesellschaft den Boden nach archäologisch wertvollem Material untersuchen. So soll Bauverzögerungen vorgebeugt werden.

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Von Veronika Spielbichler

Wörgl –Auf dem Gradlareal in Wörgl entsteht eine neue Wohnanlage. Da sich das Gelände im Stadtzentrum in unmittelbarer Nähe der Kirche befindet, beauftragte der Wohnbauträger Frieden eine archäologische Sondierung, die seit vergangener Woche läuft.

„Wir klären im Vorfeld des Wohnbaues ab, ob sich archäologisch wertvolles Material auf dem Areal befindet. Vom Mittelalter über die Römerzeit bis zu urgeschichtlichen Siedlungsresten ist hier alles möglich“, erklärt Maria Bader vom Wörgler Unternehmen Talpa – Lateinisch für Maulwurf –, das sich auf die Sondierung archäologischer Funde spezialisiert hat. Mit Tamara Senfter und Irene Knoche arbeiten zwei weitere Archäologinnen an der Expertise, die ans Bundesdenkmalamt weitergeleitet wird. Dort fällt dann die Entscheidung, wie weiter vorzugehen ist.

Die Wohnbaugesellschaft sichert sich durch die Sondierung gegen Verzögerungen während der Bauphase ab. Die Untersuchung des Untergrundes erfolgt mittels Geländeschnitten. „Wir lassen so tief graben, bis wir auf gewachsenes Material stoßen, in dem keine menschlichen Spuren mehr vermutet werden“, sagt Bader. Der tiefste Schnitt ist 3,5 Meter tief. „Wir haben bereits eine römische Kulturschicht entdeckt“, erklärt die Archäologin, die davon anhand der römischen Besiedelungsgeschichte und der vorhandenen Villa Rustica im Anger des Unterkrumbacher-Bauern in der Bahnhofstraße auch nicht überrascht ist.

„Die Funde waren in einer Schwemmsand-Senke in rund 1,2 Metern Tiefe auf einer Fläche von rund sechs mal acht Metern erhalten und bestehen aus Scherben von römischem Tafelgeschirr, Terra-Sigillata-Geschirr“, erklärt Bader anhand der Bruchstücke die Verwendung und künstlerische Ausfertigung des Geschirrs. Auf einer Scherbe ist ein laufender Hund zu erkennen, andere Scherben zeugen anhand von Brandspuren vom Gebrauch als Kochgeschirr.

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Funde, die allerdings nur für Archäologen zur Erforschung der Lebensumstände der Menschen von damals interessant sind und für „Schatzsucher“ keinen materiellen Wert haben, wurden nur an dieser einen Stelle entdeckt. „Der Rest ist durch neuzeitliche Planierungen oder Überschwemmungen durch den Wörgler Bach nicht mehr vorhanden“, erklärt die Archäologin das punktuelle Auftreten von historisch interessanten Gegenständen.

Die Grabungsarbeiten, die rund eine Woche dauern, wurden witterungsbedingt unterbrochen und werden diese Woche weitergeführt. Sie umfassen außer dem Gradlanger auch den Parkplatz. „Je näher wir zur Kirche kommen, umso wahrscheinlicher werden auch Gräberfunde“, meint Bader und ist schon auf die weiteren Grabungsarbeiten gespannt.


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