„Wir müssen nicht auf die Quoten schielen“

ORF III-Geschäftsführer Peter Schöber spricht im TT-Interview über Resteverwertung, Senderidentität und prekäre Sparmaßnahmen.

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Heute Abend wird in Wien das neue ORF III-Programm präsentiert. Wie geht’s dem Spartenkanal 18 Monate nach dem Sendestart?

Peter Schöber: Dem Sender geht’s sehr gut – wir liegen sogar besser, als wir es uns in unseren kühnsten Träumen erwartet haben. Wir haben uns mit einem qualitativ hochwertigen Programm ganz gut positioniert und müssen nicht auf die Quoten schielen. Wobei es erfreulich ist, dass die Eigen- bzw. Auftragsproduktionen, in denen österreichisches Kunst- und Kulturschaffen im Vordergrund stehen, sehr gut funktionieren. Unser Konzept ist also aufgegangen.

Hin und wieder wird man aber doch ein Auge auf die Quoten werfen müssen. Wie viele Zuschauer zappen im Schnitt zu ORF III?

Schöber: Wir haben zurzeit eine Tagesreichweite zwischen 450.000 und 520.000 Zusehern, was natürlich eine fantastische Zahl für einen Kultursender ist. Ab dem Zeitpunkt, wo man mehr als 200.000 Zuschauer hat, ist man auf dem Tapet. Das hat mit Relevanz zu tun.

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Könnte man das ORF III-Programm nicht auch ins Angebot der beiden Hauptsender integrieren?

Schöber: Wir sind ein Special-Interest-Sender und Teil unseres Erfolgs ist, dass wir ganz klar für ein bestimmtes Programm stehen. Wer sich allerdings nicht für Kunst, Kultur, Wissenschaft oder Europapolitik interessiert, ist bei uns fehl am Platz. Wir bieten keine Unterhaltungsshows, Blockbuster oder US-Serien. Ein Vollprogramm muss ein solches Angebot aber von seiner Didaktik her liefern. Am Anfang war auch die Angst da, dass Inhalte – etwa von ORF 2 – zu uns ausgelagert werden, aber das ist nicht passiert. Wir sind stolz darauf, dass wir ein ergänzendes Zusatzprogramm bieten dürfen und keine Reste verwerten müssen.

Ende 2012 hat der ORF III-Kulturbeirat eine Resolution zur Finanzierungssicherung des Senders verabschiedet. Gefordert wurde darin unter anderem die Aufhebung des „Cross-Promotion-Verbots“, das die Bewerbung des ORF III-Programms auf den Hauptsendern verbietet. Hat sich in dieser Richtung schon etwas getan?

Schöber: Das „Cross-Promotion-Verbot“ ist in meinen Augen Nonsens, der nicht mehr notwendig ist. Entstanden ist das Verbot als Auflage der KommAustria, die fürchtete, dass der ORF ansonsten Wettbewerbsvorteile generieren würde und den österreichischen Privatsendern – allen voran ATV und Puls 4 – Publikum verloren gehen könnte. Das ist jedoch nachweislich nicht der Fall: Wir haben mit diesen beiden Sendern überhaupt keine Publikumsüberschneidung. Nach 18 Monaten wäre es deshalb endlich an der Zeit, eine Evaluierung durchzuführen – und das Verbot gegebenenfalls abzuschaffen.

In der Resolution wurde auch die Fortführung der Gebührenrefundierung gefordert, die Ende des Jahres auszulaufen droht und eine wichtige finanzielle Basis für das ORF III-Programm bildet. Was passiert tatsächlich, wenn das Modell nicht fortgesetzt wird?

Schöber: Sollte dieses Szenario eintreten, wird uns eine Sparvorgabe treffen, die eklatant wird. Wir haben eh schon ein überschaubares Budget (acht Millionen Euro Gesamtbudget, davon fließen sechs Millionen Euro ins Programm; Anm.), das dann natürlich noch einmal massiv schrumpfen würde – aber ein gutes Programm lässt sich nun einmal nur mit gewissen finanziellen Mitteln finanzieren. Man darf auch nicht vergessen, dass ORF III letztlich mit einem klaren politischen Auftrag gegründet wurde – die Vorgabe war ja, dass der ORF einen zusätzlichen Sender betreiben muss, dessen Fokus auf Kunst, Kultur, Wissenschaft, Politik und Europapolitik liegt. Sollten nun die Mittel durch die wegfallende Gebührenrefundierung ausbleiben, wäre das für uns natürlich bitter.

Zum Sendestart verfügte ORF III über 3,2 Millionen Euro fürs Programm, 18 Monate später sind’s knapp 6 Millionen Euro. Stiefmütterlich behandelt werden Sie also nicht …

Schöber: Ja, bei uns wurde aufgestockt. Und das kann man in Zeiten des ORF-Ba­shings ruhig auch einmal sagen: Wir erfahren eine sehr gute Unterstützung durch ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz.

Schwingt trotz Wrabetz’ Unterstützung nicht die Angst vor dem Aus von ORF III mit? Auch deshalb, weil das ZDF gerade seinen Spartenkanal ZDF kultur abdreht.

Schöber: Wir haben es mit unserer Programmgestaltung geschafft, neues Publikum von Arte, Phoenix oder BR Alpha zur ORF-Familie zu holen. Das hängt natürlich mit unserem Sendeschema zusammen und damit, dass wir für ORF III eine eigene Programmidentität geschaffen haben. Mit einem absoluten Sparbudget wäre all das allerdings nicht mehr leistbar. Wir müssten dann unser Schema an die finanziellen Bedingungen anpassen – lustig wäre das nicht.

Das Gespräch führte Christiane Fasching


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