Kaspressknödelfaktor ist Trumpf

Die Tiroler Christian Yeti Beirer und Peter Wallgram haben ein Almquartett für Tirol und Vorarlberg kreiert. 64 Hütten haben sie mit dem Rad bezwungen, Waage und Messschieber waren immer mit dabei.

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Von Alexandra Plank

Innsbruck –Nicht jede besoffene Geschichte gebiert ein­e Schnapsidee. Der best­e Beweis dafür sind das Tiroler und das Vorarlberger Almquartett. Der Illustrator Christian Yeti Beirer und der Regisseur Peter Wallgram haben im Zuge eines lauschigen Sommerabends auf einem Balkon in Wuppertal diese Idee geboren. Nun liegen die zwei Quartett-Spiele vor. „Ein Almquartett gab es bisher in ganz Österreich nicht, wohl aber ein Quartett über Hütten im Schwarzwald“, erzählt Beire­r. Quartett-Spiele haben es dem Illustrator angetan: „Es gibt ja unzählige Quartette. Das ungewöhnlichste wurde von den Amerikanern während des Zweiten Golfkrieges entworfen. Man kann dabei die Despoten und Feinde der Amerikaner sammeln.“

Das Besondere an dem Almquartett sind die unterschiedlichen Faktoren – von der Seehöhe über den Urigkeitsfaktor bis hin zum eigens geschaffenen Kaspress­knödelfaktor (Spielregeln im Kasten). Von der Idee bis hin zum Endprodukt war es ein langer Weg, der einen hohen Trainingsfaktor mit sich brachte. „In Tirol gibt es mehr als 2000 Almen, die Tiere haben, viele auch Gastronomie. Wir haben 32 für das Spiel ausgewählt und sie mit dem Fahrrad bezwungen.“

Immer im Rucksack dabei waren eine Waage und ein Messschieber für die Bestimmung des Kaspressknödelfaktors. Wie dieser genau errechnet wurde, bleibt ein gut gehütetes Geheimnis. Die Bestimmung des Kaspressknödelfaktors brachte Beirer auf einer Alm in eine verzwickte Situation. Die Kellnerin alarmierte wegen seiner Messaktivitäten den Wirt mit den Worten: „Da ist einer von der Lebensmittelkontrolle da.“

Das Missverständnis wurde aufgeklärt, die Alm ist aber dennoch nicht im Quartett vertreten. Die Wirte für sein Anliegen zu gewinnen, sei in Vorarlberg einfacher gewesen als in Tirol, erzählt Beirer. Als größtes Problem stellte sich der Umstand heraus, dass die Wirte kein Geld dafür bezahlen müssen, damit sie im Kartenspiel vertreten sind. „Die Leute waren misstrauisch und haben sich gefragt, was für ein Staubsaugervertreter-Schmäh ist das denn wieder?“, sagt Beirer lachend.

Das Befahren der Almwege forderte seinen Tribut. „Wir hatten fünf Patschen, einen Kettenbruch und zwei gerissene Gangkabel zu beklagen“, erzählt er. Dafür machten die beiden Tiroler auf ihren Recherchefahrten viele positive Erfahrungen. Manche Wirt­e seien ganz begeistert von der Idee gewesen und hätten ihr­e Tiere für das Foto schön ins Bild gerückt. In Vorarlberg gestaltete sich das Aufwärtsradeln relaxter. „Dort gibt es ja Alpen, die durchschnittlich auf einer Höhe von 1200 Meter liegen. In Tirol sind die Almen auf 1400 bis 1500 Meter und jeder Höhenmeter macht beim Radeln schon etwas aus“, erklärt Beirer.

Die Radler waren von Mai bis September 2012 unterwegs und mussten sich ganz schön anstrengen, um ihr Programm abzuspulen. „Immer, wenn ein schöner Tag war, sind wir losgefahren. Manchmal habe ich das Ganze verflucht und für ein­e Schnapsidee gehalten. Und irgendwann sind mir die Kaspressknödel zum Hals herausgehangen“, so Beirer. Inzwischen hat er sich von der Überdosis erholt.

In Vorarlberg kennt man die Tiroler Spezialität nicht, deshalb geht es dort um den Kasbrotfaktor. Beirer ist überzeugt, dass seine Idee ausbaufähig ist: „Bis auf das Burgenland und Wien gibt es in Österreich überall Almen.“


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