Ein Ticket-Erfolg mit Tücken

Das neue Seniorenticket stößt in Tirol auf viel Zuspruch. 12.000 Karten sind bereits verkauft. Bei Fahrten über das Verbundgebiet hinaus drohen durch eine Tarifbestimmung der ÖBB böse Überraschungen.

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Von Christoph Mair

Innsbruck –Ganz Tirol mit eine­m Ticket um 240 Euro (ab 60 Jahren) und sogar um die Hälfte ab 75. So verlockend klang der Slogan zum seit Februar gültigen Seniorenticket des Verkehrsverbundes Tirol (VVT). Knapp 12.000 Pensionisten nutzen laut VVT inzwischen das Angebot.

Einige von ihnen tappten aber auch bereits in eine Fall­e. Denn bei Fahrten über das Verbundgebiet hinaus gilt das Seniorenticket für die in Tirol gelegene Fahrtstrecke nicht. Heißt konkret: Fährt ein Pensionist z. B. von Innsbruck nach Wien, muss er die ganze Strecke zahlen, obwohl er bis Kufstein sein Senioren­ticket verwenden könnte. Doch ein­e Stückelung bzw. Aneinanderreihung ist gemäß einer Ergänzung der ÖBB-Tarif­bestimmungen verboten.

Findige Pensionisten lösen das Problem mitunter mit einem Zwischenstopp und Kaffee in Kufstein, doch Ärger und Unverständnis über die Regelung bleiben. „Mit Hausverstand hat das nichts zu tun“, ärgert sich Georg Will­i, Klubobmann der Grünen im Landtag darüber, dass die ÖBB kurzfristig ihre Bestimmungen für ein Körberlgeld ändern. „Plötzlich stehen ahnungslose ältere Menschen blamiert vor dem Schaffner und sind ertappte Schwarzfahrer.“ Unverständlich ist für Willi auch, warum es zwar im großen Verkehrsverbund Ostregion (VOR) eine Stückelung über die Kernzone Wien hinaus möglich sei, nicht aber in Tirol.

Nachbesserungsbedarf in dieser Frage orten auch Seniorenvertreter, wenngleich sie betonen, erst einmal froh über das Ticket in seiner aktuellen Form zu sein. „Wir können nicht alles sofort verlangen“, sagt Seniorenbundobmann Helmut Kritzinger. Allerdings will auch er in der Frage der Anrechenbarkeit auf über­regionale Fahrten noch „nachschärfen“. Beim Pensionistenverband setzt man darauf, die Mitglieder zu informieren. Auch der VVT habe auf die Anrechenbarkeit des Senioren­tickets gedrängt, erinnert sich Pressesprecher Philipp Penetzdorfer. „Es war nicht mehr möglich“, gibt auch der für den Nahverkehr politisch zuständige LHStv. Anton Steixner zu, dass noch „Bedarf in der Feinabstimmung“ bestehe. Offen sei auch noch die Frage, wie man mit Frühpensionisten umgehe. Trotz der offenen Punkte sei es wichtig gewesen, das Seniorenticket in seiner aktuellen Form einzuführen. Wie wichtig, zeigten die Absatzzahlen. Die Frage der Anrechenbarkeit sei nur mit den ÖBB zu lösen.

Die spielen den Ball indirekt zurück. „Es ist eine Frage der Finanzierbarkeit des Fernverkehrs“, sagt ÖBB-Sprecher Ren­e Zumtobel. „Das Ticket ist ja ohnehin schon sehr günstig.“ Die Alternative zur aktuellen Regelung sei gewesen, den Fernverkehr gänzlich herauszunehmen. Zumtobel nimmt für die ÖBB auch in Anspruch, von Anfang an und breit informiert zu haben. Das sei auch in der ersten Phase die Anweisung an das Zugpersonal. Übrigens: Für das ab Herbst kommende neue Jugend­ticket um 96 Eur­o werden die gleichen Regeln wie für Senioren gelten.


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