Die Mode braucht Paradiesvögel

Willkommen im Fashion-Zirkus, der perfekten Manege für schillernde Figuren, „bunte Hunde“ und außergewöhnliche Menschen. Männer in Frauenkleidern, Frauen in Männerrollen – Mode kennt keine Geschlechtergrenzen. Für jeden ist Platz. Und das ist das Schöne daran.

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Von Nicole Unger

Mein Gott, war der Aufschrei unter den Fans von „Germany‘s Next Topmodel“ groß, als bekannt wurde, dass Laufsteg-Coach Jorge Gonzalez seine „Chicas“ in Zukunft nicht mehr trainieren würde. Und tatsächlich fehlt dem TV-Format ohne den schrillen Kubaner, der stets auf High Heels durchs Leben stöckelt, der gewisse Pfiff. Niemand konnte so schön mit „der Hufte wackeln“ wie das 46-jährige Model, das offen zu seiner Homosexualität steht und sich zum eigentlichen Star von Heidi Klums Show mauserte.

Die Modewelt lebt ganz einfach von schillernden Figuren und Exoten. Bestes Beispiel ist Harald Glööckler. Der exzentrische Designer aus Deutschland rückte vor allem wegen seines „pompöösen“ Stils ins Interesse der Öffentlichkeit. Der Mann aus der Stadt mit dem unaufgeregten Namen Maulbronn-Zaisersweiher hat überall ein bisschen zu viel. Zu viele ö im Namen, zu viel Strass im Gesicht und zu viel „Filler“ in den Lippen. Dass den Menschen der „durchgeknallte Typ“ aber dennoch nicht zu viel geworden ist, beweist seine Doku „Glööckler, Glanz und Gloria“, die im März in Verlängerung ging.

Alles andere als unauffällig ist auch Glööcklers Kollege Marcel Ostertag. Die Auftritte des deutschen Designers zum Finale jeder Fashion-Show in seinen eigenen Damenkollektionen und auf High Heels sind bereits legendär. Warum er das macht? „Weil ich eine Rampensau bin. Diese Auftritte haben mir nur positive Reaktionen eingebracht und meine Bekanntheit gefördert. Außerdem macht es einfach Spaß“, verriet der 33-Jährige der Modzeitschrift Amica.

Eine, die in solchen Magazinen bereits einen Fixplatz reserviert hat, ist Anna dello Russo. Die 48-jährige Italienerin arbeitete lange Zeit als Vogue-Redakteurin, ohne dass jemand auf sie aufmerksam geworden wäre. Doch seit Mode-Blogger die Outfits von Stylisten bewerten, ist dello Russo, die sich stets von Kopf bis Fuß in auffällige Designerkleidung wirft, eine globale Stilikone geworden.

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Eine Stilikone ist sie schon längst: Vivienne Westwood. Die Mutter aller Paradiesvögel, die mit dem Tiroler Andreas Kronthaler verheiratet ist, ließ sich noch nie in eine Schublade stecken. Egal, ob sie in Netzstrumpfhose oder in Unterwäsche auftritt – die englische Modeschöpferin, die morgen ihren 73. Geburtstag feiert, ist bekannt für ihren außergewöhnlichen Stil.

Außergewöhnlich ist auch Andrej Pejic. Das 23-jährige Transgender-Model gehört zu den erfolgreichsten Modellen, weil er Männer- und Frauen präsentiert. Sein weibliches Pendant heißt Casey Legler. Die 35-jährige Ex-Olympiaschwimmerin aus den USA ist aufgrund ihres androgynen Äußeren bei „Ford Models“ als Männermodel unter Vertrag und präsentiert als erste Frau Mode nur für Herren.

Die Modewelt ist eben anders – und offen. Der Fashion-Zirkus bietet Paradiesvögeln die perfekte Manege.


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