Chat-Nachlese: Leser fragten, Hans Lindenberger antwortete

Der Wahlkampf zur Tiroler Landtagswahl am 28. April biegt in die Zielgerade ein. Die Spitzenkandidaten der wahlwerbenden Gruppierungen stellen sich im TT-Live-Chat den Fragen der Leser. Hans Lindenberger war heute zu Gast im Online-Chat.

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Das noch unredigierte Chat-Protokoll zur Nachlese:

Hans Lindenberger: Hallo, da ist Hans Lindenberger, Spitzenkandidat von Vorwärts Tirol. Ich freue mich bereits auf die kommenden Fragen.

Sehr geehrter Herr Lindenberger! Wie groß sind die Flächen der Gemeindegutsagrargemeinschaften, die an die Gemeinden zurück übertragen werden sollen, und was sagen die Gemeinden zum Wegfall der Grundsteuereinnahmen in diesem Fall? Wer wird nach der Eigentumsübertragung an die Gemeinden für die Hege und Pflege des Waldes und aller seiner Einrichtungen, wie Forst- und Spazierwege, zuständig sein? Wer trägt die Kosten dafür?

Lindenberger: Zur Lösung dieser Frage sind schon viele Kosten angefallen, nämlich für Gutachten und Gegengutachten. Es gibt klare Entscheidungen, die umzusetzen sind. Es ist bedauerlich, dass bisher keine Lösung möglich war, siehe letzter Landtag zu diesem Thema. Tatsache ist, dass unterschiedliche Versionen zu den. Flächen kolportiert werden. Unser Ziel ist, die Lösung dieser Frage in den ersten 100 Tagen der Legislaturperiode herbeizuführen. Details dazu können uns erst zugänglich gemacht werden, wenn uns die Tiroler Bevölkerung bei der Wahl mit der Stärke ausstattet, dass wir dieses Thema mit voller Kraft vorantreiben können.

Herr Lindenberger, so ein Wahlkampf ist doch sicher sehr anstrengend. Wie erholen Sie sich in Ihrer kargen Freizeit von diesen Anstrengungen?

Lindenberger: Stimmt, ich bin 63 Jahre alt, mache aber seit den letzten fünf Jahren regelmäßig leichten Sport, ich versuche wärend der wenigen freien Stunden des Wahlkampfes Sport zu treiben. Weiters erhole ich mich beim täglichen Klavierspiel, ca. 20 Minuten, mehr ist derzeit nicht drin.

Wie sehen sie das, dass die ÖVP auf ihren Plakaten von einer Landeshauptmann-Wahl spricht, obwohl es eine Landtagswahl ist?

Lindenberger: Wir haben in unserem Programm, das gemeinsam mit 100 Kandidaten unserer Liste erstellt worden ist, eine klare Forderung, dass der Landeshauptmann zukünftig vom Volk direkt gewählt werden kann, aber auch ca. die Hälfte aller Landtagsmandatare. Derzeit ist damit aber eine Direktwahl kein Thema. Es wird also der LH von der jeweiligen Partei aufgestellt.

Herr Lindenberger, warum wollen Sie eigentlich in die Politik zurückkehren?

Lindenberger: Ich war nur dreieinhalb Jahre in der Parteipolitik tätig und bin seit 2008 nicht mehr politisch tätig gewesen. Ich sehe in der jetzigen Konstruktion unserer Bewegung die Möglichkeit, frei von Mutterparteien, frei von Zurufen aus Wien oder Kanada meine Erfahrung in eine Tiroler Lösung einzubringen. Der rasche Zulauf an Kandidaten für unsere Liste zusammengesetzt aus ehemaligen Landespolitikern, aus Kommunalpolitikern wie Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern sowie Experten und verschiedensten Berufsschichten aus der Bevölkerung, zeigt, dass diese Idee dringend notwendig war und zeigt aber auch, dass es viele sehr mutige Menschen gibt, die so ein Projekt starten. Ich sehe in meinem Engagement die Möglichkeit gemeinsam mit ca. 100 Kandidaten Visionen für dieses Land freigespielt von ideologischen Sachzwängen einzubringen.

Herr Lindenberger, was wird Ihre Partei, wenn Sie in den Landtag einzieht, anders als die ÖVP bisher machen? Worin wird sich ihre politische Arbeit von der bisherigen Regierung unterscheiden?

Lindenberger: Wir haben vor, bereits in den ersten 100 Tagen, eine öffentlich zugängliche Datenbank erstellen zu lassen, die den Bürgern die Möglichkeit gibt, aufzuzeigen, wie und warum Förderungsgelder in bestimmter Höhe zugeteilt werden. Weiters möchten wir dringend Änderungen bei den Besetzungen von Aussichtsräten in landesnahen Gesellschaften vornehmen, die nicht nach politischen sondern nach fachlichen Kriterien ausgesucht werden sollen. Es soll damit gewährleistet sein, dass nicht die politischen Verantwortungsträger landesnaher Gesellschaften für politische Ziele missbrauchen können. Näheres dazu in unserem Programm.

Wie sieht Ihre Stellungnahme zur Zukunft der Landesbank aus?

Lindenberger: Die letzten zwei Jahre haben gezeigt, wie notwendig es ist, dass für strategische Ausrichtungen Fachleute nicht nur im Vorstand sondern auch im Aufsichtsrat sitzen. Wie das Wort Landesbank schon sagt, macht es Sinn dass diese Bank sich auf ihre Kernkompetenzen wieder zurückzieht, nämlich als Bank für unser Land. Grenzüberschreitende Tätigkeiten haben sich offensichtlich nicht bewährt und haben dazu geführt, dass sehr viele öffentliche Gelder zur Rettung dieser Fehlstrategie und Sicherung dieser Bank notwendig waren. Mit diesen Geldern hätte man viel sinnvolleres, insbesondere im Pflegebereich vornehmen können. Geld das der Bevölkerung bzw. der Berufstätigen im Pflegebereich sehr dringen zukommen hätte können.

Gestatten sie mir noch eine Zusatzfrage: In der Öffentlichkeit wird immer behauptet, dass 2 Milliarden Quadratmeter Grund den Gemeinden durch die Agrargemeinschaften genommen worden seien, das sind 2000 km². Hier werden meiner Meinung nach bewusst Äpfel mit Birnen verwechselt. Bei der angegebenen Fläche handelt es sich um die Gesamtfläche aller Tiroler Agrargemeinschaften. Die kritisiere Flächenübertragung betrifft aber nur die so genannten Gemeindegutsagrargemeinschaften, das ist ca. ein Siebtel der Fläche. Sollen womöglich alle Tiroler Agrargemeinschaften Ihren Grundbeitz an die Gemeinden abtreten? Wie sehen Sie das Herr Lindenberger?

Lindenberger: Die Lösung der Agrarfrage muss sich auf ganz Tirol beziehen, wie es übrigens auch gestern in einer Aussendung des Gemeindeverbandspräsidenten ganz klar formuliert wurde. Vorwärts Tirol schließt sich dieser publizierten Meinung vollinhaltlich an.

Warum soll man Ihre Partei wählen?

Lindenberger: Unsere Partei ist komplett neu aufgestellt, ohne Abhängigkeiten aus früheren politischen Festlegungen. Wir sehen eine Möglichkeit, die Ideen auch anderer Mitbewerber endlich nicht mehr reflexartig zurückzuweisen und damit viele der anstehenden großen Probleme wie im Bereich der Nachvollziehbarkeit von Vergaben großer Aufträge mit öffentlichen Geldern endlich transparent zu machen. Weiters sehen wir die Möglichkeit eine jahrzehntelange Situation der Alleinregierung (mit einem kleinen Mehrheitsbeschaffer) zu ändern, damit die Machtdemonstrationen ein Ende haben. Siehe Beispiel Landtag zum Agrarthema.

In Ihrem Parteiprogramm spricht sich Ihre Partei gegen „Postenschacherei“ aus. Haben Sie (für Ihre Familie oder Freunde) persönlich nie davon Gebrauch gemacht?

Lindenberger: Das kann ich ausschließen.

Herr Lindenberger, wieso sind Sie Spitzenkandidat aber Frau Hosp soll Landeshauptfrau werden? Was hat denn der Posten als Spitzenkandidat noch für einen Sinn?

Lindenberger: Als Spitzenkandidat führe ich die Bewegung in die Wahl. Beim Start unserer Gründung hatten wir ein Ziel, in den Landtag einzuziehen. Unsere Vorgabe war damals 5+ - in der Zwischenzeit zeigte sich aber in mehreren Umfragen, dass wir ein zweistelliges Ergebnis erwarten können. Somit haben wir mit der Erfahrung aus dem Jahr 2008 (hier hat man unmittelbar nach der Wahl alle zur Wahl gestandenen Regierungsmitglieder ausgetauscht) eine klare Ansage zu machen, wer für Regierungsverantwortung zur Verfügung stehen würde. Im Kreise der Bezirkskandidaten haben wir diese Entscheidung und Ansage getroffen. Meine Haltung dazu zeigt, dass es mir persönlich nicht um Posten geht, sondern um die Gesamtlösung. Außerdem gefällt mir „Ladies first“.

Lieber Herr Lindenberger! Ich habe bemerkt, dass die Frauen in Ihrer Partei so schnell vorgeprescht sind. Fühlen Sie sich in irgendeiner Weise überrumpelt?

Lindenberger: Ich habe die Frage unserer Entscheidung vorhin beantwortet und meine Antwort passt auch hier.

Herr Lindenberger, was sind Ihre größten Stärken und Ihre größten Schwächen?

Lindenberger: Meine größte Stärke schätze ich ist, dass ich sehr lange Gedult habe ein bestimmtes Ziel zu erreichen - siehe meine früheren Projektabwicklungen, die teilweise 10 bis 12 Jahre bis zur Abwicklung gebraucht haben. Man sagt mir nach, dass meine Schwäche darin besteht, dass ich bei Begegnungen mit Menschen immer grundsätzlich das Positive annehme, was sich leider nicht immer bestätigt.

Sie haben gesagt sie waren nur kurz in der Politik. Was haben Sie davor gemacht bzw. was machen sie sonst beruflich außerhalb der Politik?

Lindenberger: Mein beruflicher Werdegang war, dass ich zuerst Schlosser gelernt habe, dann die HTL Maschinenbau besucht habe. Ich habe dann eine Handelsagentur gegründet und nebenberuflich Bauingenieur studiert und bin nach einem Deutschlandaufenthalt in der Forschung nach Österreich zurückgekommen und bin in die Bauplanung... (Anmerkung der Redaktion: hier ging beim technischen Übertrag der Rest der Antwort verloren. Weitere Stationen führte über Großprojekt-Planung für die ÖBB nach Tirol wo Lindenberger bei Unterinntaltrasse, Terminal Hall und Wörgl maßgeblich gestaltet hat. Die BBT-Gesellschaft wurde von Lindenberger gegründet und mit dem Eintritt in die Landespolitik wurden notwendige politische Grundvoraussetzungen für den BBT geschaffen und Weichen bis hin zu den Probebohrungen gestellt. Nach 2008 war Lindenberger als Projektberater für zwei Projekte im bayerischen Raum tätig).

Hallo, Herr Lindenberger, mein Eindruck ist: Sehr viele TirolerInnen regen die Allmachtsphantasien der ÖVP massiv auf. Glauben Sie, dass vorwärts Tirol zusammen mit den Grünen, der SPÖ und vielleicht der Liste Fritz stark genug wird, die ÖVP einmal in die Opposition zu schicken?

Lindenberger: Für Spekulationen nach der Wahl in Bezug auf Koalitionen steht vorwärts tirol nicht zur Verfügung. Wenn das Wahlergebnis im Einklang zu unseren Rückmeldungen im direkten Kontakt mit der Bevölkerung steht, dürften wir unser Ziel zweistellig zweiter zu werden erreichen. Dann wird man weiter sehen.

Hallo Herr Lindenberger! Welche Ideen hat ihre Parteien für das Pflegeproblem im Land. Wir pflegen unsere Mutter daheim, fühlen uns dabei aber enorm im Stich gelassen. Man hat den Eindruck das Land will, dass die Menschen in Altersheime sollen.

Lindenberger: Wie man aus unserer Kandidatenliste erkennen kann, haben wir von Anfang an auf einen Mix von erfahrenen Kandidaten die in verschiedensten Bereichen tätig sind gesetzt. Es ist nicht mein Stil einem Politiker vorzugeben, der alle Fachgebiete beherrscht. Das macht kein Lehrer und kein Arzt. Daher haben wir eine sehr kompetente Spitzenkandidatin in Innsbruck Stadt ins Team geholt (Frau Dr. Waltraud Buchberger, Direktorin im Ausbildungszentrum West), die uns bei der Erstellung unseres Programmes in mehreren Workshops aller Kandidaten sehr gute Rahmenbedingungen einbringen konnte. Dazu zählen in erster Linie Forderungen, dass es unser Ziel sein muss, ältere Menschen so lange wie möglich in ihren eigenen vier Wänden pflegen zu können und nicht die Lösung ausschließlich im Bau von neuen Plätzen in Altersheimen zu sehen. Weiters tritt Vorwärts Tirol dafür ein, dass man bei der Bezahlung des Pflegepersonals wesentlich bessere Entlohnungsbedingungen einführt. Dieser schwere Pflegeberuf hat mehr Anerkennung verdient.

Braucht Tirol eine Landesbank wie die Hypo oder könnte dies nicht privatisiert werden ?

Lindenberger: Das habe ich Eingangs bereits beantwortet.

Herr Lindenberger, heute lese ich in der TT dass die Innsbrucker Bürgermeisterin offensichtlich den gleichen Postenschacher wie die Altparteien betreibt, ich dachte Sie wollten das ändern?

Lindenberger: Auf Personalentscheidungen der Bürgermeisterin im Rahmen ihrer Bürgermeister-Tätigkeit habe ich keinen Einfluss.

Herr Lindenberger, Sie kritisieren jetzt die Amigowirtschaft der ÖVP, waren aber selbst jahrelang in diesem System drinnen, warum kommt auf einmal dieser Schwenk und wie glaubhaft ist das überhaupt?

Lindenberger: Bezüglich jahrelang, halte ich fest, dass ich nur kurz, nämlich 3 einhalb Jahre in der Landesregierung in der Gruppe der Mehrheitsbeschaffer war. Und aus dieser Tätigkeit genau meine Erfahrung einbringen kann und erkennen konnte, dass es dringend erforderlich ist, das Kräfteverhältnis einer Regierung zu ändern,

Herr Lindenberger, da Sie selbst auch Musiker sind, würde mich interessieren wer ihre Lieblingsmusikerin/ihr Lieblingsmusiker ist?

Lindenberger: Ich bin Hobbymusiker und wurde in meiner Jugend von Louis Armstrong animiert, selbst zu musizieren. Zwischenzeitlich habe ich eine kleine Hobbyband und spiele das Tenorsaxophon.

Ist vorwärts für die Abschaffung der Gymnasium Oberstufe?

Lindenberger: Aus unserem Programm, Seite 18, geht klar hervor, dass dies derzeit kein Thema ist. Es ist aber unbestritten, dass die Weiterentwicklung der Bildungsfrage dringend erforderlich ist, sowohl auf Landes- wie auch auf Bundesebene.

Sehr geehrter Herr Lindenberger! Wie stehen Sie zu dem Bau von Wasserkraftwerken?

Lindenberger: Dazu stehe ich sehr positiv. Allerdings fehlt mir ein Gesamtkonzept und ein geeignetes Management, die erforderlichen Projekte mit der Bevölkerung ausreichend zu kommunizieren. Viel Unruhe in der Bevölkerung kommt ausschließlich aus Mangel an Information. Vorwärts Tirol hat daher in das Programm aufgenommen, dass der Bevölkerung bei regionalen Projekten das Recht eingeräumt werden soll, im Falle von nicht ausreichender Information eine Volksbefragung, ausgelöst von 15 Prozent der Wahlberechtigten in dieser Region, zu verlangen.

Warum ist Oppitz auf den Plakaten, das ist doch klare Wählertäuschung, wo sie doch nicht einmal zur Wahl steht?

Lindenberger: Auf den Plakaten ist zu entnehmen, dass die Frau Bürgermeisterin Gründungsmitglied ist und unsere Idee stark unterstützt.

Lieber Herr Lindenberger, was zeichnet Sie als Politiker aus? Warum sollte man gerade Sie wählen?

Lindenberger: Ich glaube dass ich mit meiner Sachlichkeit exakt die Grundlagen unserer Bewegung, nämlich einen anderen Stil in die Politik einzubringen, erfüllen kann.

Sehr geerhter Herr Lindenberger, vielen Dank für ihre Antworten. Mit besten Grüßen Karl.

Lindenberger: Danke sehr.

Herr Lindenberger, eine Autobahn durchs Außerfern, meinen Sie das ernst?

Lindenberger: Nein.

Lindenberger: Danke vielmals. Das war für mich eine angenehme Stunde in der Hektik der Gesamttermine. Gerne würde ich so etwas wieder machen. Um mehreren Anfragen eine Chance zu geben, habe ich mich in den Antworten teilweise kürzen müsse. Stehe aber gerne für weitere Fragen im direkten Kontakt unter www.vorwaerts-tirol.at zur Verfügung. Schönen Tag wünscht Ihnen Hans Lindenberger.


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