Gigantisches globales Netzwerk der Steuersünder enttarnt

Steueroasen, Briefkastenfirmen, dubiose Finanzdeals: Eine anonyme Quelle hat einem Journalistennetzwerk Daten über 130.000 Steuersünder aus mehr als 170 Ländern zugespielt. Es soll das größte Datenleck aller Zeiten sein.

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München/Hamburg - Eine anonyme Quelle hat internationalen Medien einen riesigen Datensatz über geheime Geschäfte in Steueroasen zugänglich gemacht. Auch Hunderte deutsche Fälle finden sich in den Unterlagen. Aus Österreich ist bisher nur der Name Denise Rich (69) bekannt - sie soll 2006, als sie noch als Doppelstaatsbürgerin in New York lebte, 144 Mio. US-Dollar in einen Trust auf den Cook-Islands geparkt haben.

Bisher vertrauliche Dateien belegten, auf welchen geheimen Wegen Reiche und Kriminelle Briefkastenfirmen und sogenannte Trusts nutzten, um große Vermögen zu verstecken und zweifelhafte Geschäfte zu verschleiern. Von diesem Donnerstag an präsentierten Medien aus insgesamt 46 Ländern erste Ergebnisse der Daten-Analysen. In Deutschland sind sie exklusiv der Süddeutschen Zeitung (SZ) und dem Norddeutschen Rundfunk (NDR) zur Verfügung gestellt worden.

2,5 Millionen Dokumente

Die Datenmenge aus insgesamt zehn Steueroasen umfasse 260 Gigabyte, es handle sich um 2,5 Millionen Dokumente. 130.000 Personen aus mehr als 170 Ländern würden in den Unterlagen aufgelistet. Die Dokumente umspannen einen Zeitraum von fast 30 Jahren und stammen von zwei Firmen, die auf die Errichtung sogenannter Offshore-Gesellschaften spezialisiert sind. Sie gehörten zu den größten Anbietern weltweit. In den Unterlagen fänden sich die Namen von Politikern, Oligarchen, Waffenhändlern und Finanzjongleuren.

Die Daten seien im vergangenen Jahr dem Internationalen Konsortium für investigative Journalisten (ICIJ) in Washington übergeben worden. Die SZ habe die Informationen unabhängig verifiziert und monatelang ausgewertet, schrieb das Blatt.

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Staaten entgingen rund 148 Mrd. Euro Steuergelder

Das Blatt zitiert einen Insider, der vom „bisher größten Schlag gegen das große schwarze Loch der Weltwirtschaft“ spricht. Nach einer im vergangenen Jahr veröffentlichten Studie verstecken Superreiche weltweit mindestens 21 Bill. US-Dollar (16,4 Bill. Euro) in Steueroasen, um dem Fiskus zu entgehen.

Den Staaten entgingen dadurch pro Jahr Steuereinnahmen von wenigstens 190 Milliarden Dollar (148 Mrd. Euro), heißt es in den Berechnungen von „Tax Justice Network“, einer internationalen Vereinigung, die sich Steuergerechtigkeit auf ihre Fahnen geschrieben hat.

UBS und Deutsche Bank angeblich verwickelt

Hinter dem illegalen Netzwerk stecke „eine gutbezahlte Industrie aus Strohmännern, Buchhaltern, Notaren und Banken“, schreibt das ICIJ. „Viele der größten Geldkonzerne der Welt“ seien verwickelt, namentlich die Deutsche Bank, UBS und die Credit-Suisse-Tochter Clariden, die ihren Kunden Zugang zu Schattenfirmen in Steueroasen wie den Britischen Jungferninseln gäben. (tt.com, APA/dpa)


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