Grünes Licht für neue Tankstelle

In Kürze werden die Baumaschinen auffahren, um das umstrittene Projekt der neuen Tankstelle an der Umfahrung Reutte umzusetzen. Damit hat eine sechs Jahre dauernde Entscheidungsfindung ein Ende.

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Von Hans Nikolussi

Reutte –Die „unendliche Geschichte“ um einen Tankstellenneubau in der Marktgemeinde Reutte scheint ein Ende gefunden zu haben. In Kürze werden am Areal in unmittelbarer Nähe zur Reuttener Umfahrungsstraße nämlich die Baumaschinen auffahren.

Die Tiroler Mineralölfirma Gutmann, die schon mehrere „Sprit-Zapfanlagen“ im Außerfern in Betrieb hat, wird dort mit dem Bau der Tankstelle beginnen. Auf rund 8400 Quadratmetern sind vier Betankungsinseln unter einem Flugdach, ein Hauptgebäude mit Gastronomie und Terrasse, Stell-, Wasch- und Reinigungsplätzen geplant, die dem Verkehr in Richtung Norden zur Verfügung stehen. Bereits im Mai 2006 erfolgte die einstimmige Umwidmung des Grundes in „Sonderfläche Tankstelle“. Der Bereich war seit 1981 als Gewerbegebiet ausgewiesen. Im Februar 2007 kam dazu die Genehmigung durch das Land. Ohne relevante Einsprüche erging im August 2010 der Baurechtsbescheid durch die Marktgemeinde und im März die naturschutzrechtliche Genehmigung durch die Bezirkshauptmannschaft. Gleich darauf gab es Einsprüche durch den Landesumweltanwalt und die Gemeinde Breitenwang. Diese wurden von Umweltlandesrat Hannes Gschwentner 2012 jedoch abgewiesen.

Der geplagte und jetzt erleichterte Investor Albert Gutmann, der den Standort in Reutte als ideal bezeichnet, lakonisch: „Im Laufe der Realisierung dieses Projektes habe ich viel gelernt. Nein, besser, ich habe viele Erfahrungen gemacht. Die Tankstelle wird rund 20 neue Arbeitsplätze in der Region bringen, der Bau eine Belebung der Außerferner Wirtschaft darstellen.“

Reuttes Bürgermeister Alois Oberer sieht dies pragmatisch: „Wenn eine Fläche behördlich als Sonderfläche Tankstelle genehmigt wird, gehe ich davon aus, dass auf diesem Grundstück auch eine Tankstelle errichtet werden kann.“ Die Überlegungen, ob die Gemeinde eine zusätzliche Tankstelle wolle oder nicht, sollten sinnvollerweise vor der Sonderwidmung getroffen werden. Wie heutzutage eine Tankstelle ausschaue, sei ohnedies klar. „Darüber hinaus sind mit dem Bau der Tankstelle sowieso zahlreiche Auflagen für den Bauherrn verbunden, welche die Firma Gutmann erfüllen wird“, meint Oberer.

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Helmut Kraus, involvierter Grundbesitzer, ist einigermaßen enttäuscht und erbost: „Da ist außerhalb von Reutte einiges unverständlich gelaufen. Sowohl von Seiten der Gemeinde Breitenwang, der ich den Grund für die Siedlung oberhalb des Kreckelmooses verkauft habe, als auch vom Bezirksbauernobmann Walter Hackl, der über Jahre mein Haus- und Hof-Lieferant der Milch und Milchprodukte war.“

Walter Hackl, der in unmittelbarer Nähe zur Tankstelle einen Bauernhof betreibt und Gemeinderat in Breitenwang ist, sieht dies natürlich anders: „Wenn praktisch vor der eigenen Haustür eine Tankstelle entstehen soll, die 24 Stunden geöffnet hat, wird wohl jeder verstehen, dass man versucht, solche Projekte zu hinterfragen. Eine Unterschriftenaktion und die gemeinsame Entscheidung des Gemeinderates führten dann zum Einspruch.“ Die Entscheidung des Landes bezüglich der Raumordnung könne zwar bezweifelt, müsse aber hingenommen werden. Die Auflagen, die dann das Projekt wirklich realisierbar werden ließen, hätten für ihn und die anderen Betroffenen aber doch Gutes gebracht. So muss beispielsweise ein Damm geschüttet und zusätzlich eine Lärmschutzwand errichtet werden. Ebenso dürfen nach 22 Uhr die dorfseitigen Inseln nicht mehr in Betrieb sein, eine Lkw-Abfahrt über die Kreckelmoosstraße ist ab dieser Zeit ebenfalls verboten. „Dass ich trotzdem keine Freude habe, wird wohl jeder verstehen“, sagt Hackl.

Sich hartnäckig haltende Gerüchte, wonach Breitenwang der Firma Gutmann ein Angebot zur Errichtung einer Tankstelle auf ihrem Gemeindegebiet unterbreitet haben soll und erst dann zum Mittel der Berufung gegriffen hätte, verweist BM Hanspeter Wagner in den Bereich der Fabel: „Das ist kompletter Blödsinn. Ein derartiges Angebot hat es nie gegeben. Da sich die Tankstelle – nur durch die Kreckelmoosstraße getrennt – in unmittelbarer Nähe unseres Wohngebietes befindet und wir die Bedürfnisse unserer Bürger zu schützen haben, war der Einspruch geradezu zwingend erforderlich.“


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