Krankenhaus gehen Turnusärzte aus

Das BKH Reutte wirbt offensiv im Osten Österreichs und in Deutschland, um Personalengpass zu entgehen.

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Von Helmut Mittermayr

Ehenbichl –Das waren noch Zeiten, als am Bezirkskrankenhaus Reutte aus Stapeln von Bewerbungsschreiben Turnusärzte ausgewählt werden konnten. Der Höchststand soll 200 betragen haben. Jetzt hat sich alles verändert. „Vor zehn Jahren meldeten sich noch 60 Studienabgänger im Jahr bei uns, heuer sind wir mit den angestellten 17 Turnusärzten im Haus gerade pari und ab Herbst könnte es eng werden“, sagt Primar Eugen Ladner, der ärztliche Leiter des Bezirkskrankenhauses Reutte. Die Entwicklung sei dramatisch, die Turnusärzte seien doch eine tragende Säule des Hauses.

Die Problematik hat laut Ladner nichts mit dem Außerfern zu tun, sondern tritt in ganz Westösterreich zutage. „In Oberösterreich ist die Lage noch schlimmer, aber auch Tiroler Krankenhäuser stehen schon schlechter da als wir“, weiß der Anästhesist. Am Standort Ehenbichl wird die Entwicklung jedenfalls nicht einfach mitverfolgt, sondern es wird aktiv gegengesteuert, zumindest aktiv die Werbetrommel um Jungärzte gerührt. Das BKH Reutte ist neuerdings auf Fachmessen vertreten und wirbt dort weniger mit der medizinischen Seite, als vielmehr mit intakter Natur und dem Lech. „Dort, wo andere Urlaub machen, könnten Sie arbeiten“, lautet die Devise. Im Osten Österreichs, im nahen Deutschland, in herkömmlichen Medien, aber auch in Facebook werden Haus und Gegend angepriesen.

Eugen Ladner erkennt eine komplexe Problematik hinter dem Turnusärzteschwund. „Punkt 1 – fast die Hälfte der Medizinstudenten an der Uni Innsbruck stammt aus dem Ausland. Viele bleiben nach Studienende nicht hier.“ Zweitens seien Entlohnung und Arbeitszeiten etwa in Deutschland attraktiver. „Und drittens verliert der Beruf des Hausarztes, der einen Turnus an einem Krankenhaus voraussetzt, merklich an Anziehungskraft. Erreichbarkeiten von bis zu 24 Stunden am Tag schrecken den Medizinernachwuchs ab“, weiß Primar Ladner. Und nicht zuletzt werde die Medizin immer weiblicher. Wegen des Mutterschutzes müssten auf einen Mann zwei bis drei Frauen gerechnet werden.

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