Auftragsvergaben des Landes sorgen für Kritik

Liste Fritz, Grüne, FPÖ und „Vorwärts Tirol“ rügen Vergaben des Landes an ÖVP-nahe Werbeagenturen und fordern Transparenz.

  • Artikel
  • Diskussion

Innsbruck –Die Auftragsvergaben der Öffentlichkeitsarbeit des Landes an ÖVP-nahe Werbeagenturen seit 2008 sorgen im Landtagswahlkampf für Gesprächsstoff. Insgesamt 637.300 Euro betrug das Auftragsvolumen, die einzelnen Vergaben erfolgten ohne Ausschreibung. Das hat der für die Öffentlichkeitsarbeit des Landes zuständige Landesrat Hannes Tratter in einer Anfragebeantwortung für die Liste Fritz bestätigt. „Drei ÖVP-nahe Agenturen sind die größten Auftragnehmer des Landes Tirols in diesem Bereich. Alle Aufträge hat das Land ohne Ausschreibung, einfach direkt vergeben“, kritisiert Bürgerforumchef Fritz Dinkhauser. Diese Vergabepraxis dokumentiere das Land der Seilschaften, Bruderschaften und Gemeinschaften, in denen es um Macht und Geld gehe. „Die Aufträge an ÖVP-nahe Agenturen in Tirol sind nur die Spitze des Eisberges.“

Gebi Mair von den Grünen ergänzte gestern, dass auch die Standortagentur des Landes Aufträge an ÖVP-nahe Agenturen vergebe. Für Kampagnen u. a. erhielten Hofherr/P8 oder die Werbeagenturen von Jürgen Bodenseer wie AV Media und Trio im Vorjahr rund 150.000 Euro. Einen Teil des Honorars bekam die Agentur „agindo“. Die zuständige Wirtschaftslandesrätin Patrizia Zoller-Frischauf erklärte dazu, dass sämtliche Agenturleistungen in Form von Rahmenverträgen gemäß dem Bundesvergabegesetz ausgeschrieben worden seien. Für Gebi Mair ist hingegen „das Ausmaß der Seilschaften erschreckend“.

Auch für FPÖ-Chef Gerald Hauser besteht Handlungsbedarf. „Wir haben zu den Vergaben ohne Aufträge Landtagsanfragen gestellt und die Missstände als erste Partei angeprangert. Ich fordere, dass alle Aufträge, auch jene unter der Vergabegrenze, ausgeschrieben werden.“ Auch die Wirtschaftskammer mit Präsident Jürgen Bodenseer an der Spitze und die Tirol Werbung hätten Aufträge nicht ausgeschrieben. „Mit der Freunderlwirtschaft und dem Zuschanzen von Aufträgen an Parteifreunde muss Schluss sein“, fordert Hauser.

Der Spitzenkandidat von „Vorwärts Tirol“, Hans Lindenberger, fühlt sich in seinem Vorhaben, „die Amigo-Wirtschaft endlich zu beenden, klar bestätigt“. Nur mit mehr Transparenz und objektiven Kriterien bei der Vergabe könne das Vertrauen der Bürger in die Politik zurückgewonnen werden. Lindenberger: „Auch die Landesunternehmen wie Tiwag oder die Hypo-Landesbank sollen schnellstmöglich offenlegen, an welche Agenturen sie Aufträge erteilt haben.“ (pn)


Kommentieren


Schlagworte