Schnäppchenjäger stürmen Abverkauf bei Niedermeyer

Noch einmal volle Kassen und leere Regale in den Tiroler Filialen, die geschlossen werden. Suche nach einem Investor noch ohne Ergebnis.

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Imst, Landeck –Beim insolventen Elektrohändler Niedermeyer hat am Donnerstag der Abverkauf in jenen 53 Filialen begonnen, die nur noch bis Samstag offen halten. In Tirol sind das die Filialen in Imst, Landeck, Telfs, Wörgl und St. Johann. Niedermeyer gewährt massive Rabatte. Entsprechend groß war der Andrang der Kunden, wie sich die TT überzeugen konnte.

In der Filiale in der Imster Industriezone klingelten die Kassen gleich nach der Öffnung wie schon lange nicht mehr. „Am Nachmittag werden wir wohl kaum noch etwas haben“, meinte ein Verkäufer. Mit einem solchen Ansturm hatten die Mitarbeiter nicht gerechnet. „Minus 10 Prozent“ klebt an der Eingangstür, im Geschäft selbst wird weiter gefeilscht.

Das Verkaufsteam ist freundlich und versucht, auf Kundenwünsche einzugehen. „Wie es mir geht?“, fragt eine Mitarbeiterin rhetorisch, dann schießen ihr die Tränen in die Augen. Erst am Dienstag habe man vom bevorstehenden Aus erfahren. „Die Gewerkschaften sind auch viel schwächer als früher“, meint ein Kunde kopfschüttelnd, der am Fotocomputer „wie immer“ seine Bilder ausarbeiten lässt.

In der kleinen Niedermeyer-Filiale in Landeck ist am Vormittag der Run auf die Schnäppchen offenbar schon vorbei. In den Regalen herrscht teilweise bereits gähnende Leere.

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Fast 280 Beschäftigte der insgesamt 580 Mitarbeiter von Niedermeyer in ganz Österreich verlieren ihren Job. In Tirol bleiben von neun nur noch vier Standorte (zwei in Innsbruck, Schwaz und Lienz) übrig. 20 von 39 Mitarbeitern der Elektrokette in Tirol droht der Jobverlust.

Der Abverkauf soll noch etwas Geld in die Kasse spülen. Einen Investor braucht die marode Elektrokette trotzdem. Die Schulden belaufen sich auf 29 Millionen Euro. Im Gespräch als möglicher Investor ist Cyberport. Mit dem Dresdner Internethändler besteht schon seit Längerem eine Kooperation.

Konkurrent Robert Hartlauer hat laut Medienberichten Interesse an einigen Standorten, aber nicht mehr, heißt es. Die Sanierer Josef Taus und Anton Stumpf haben bereits abgewunken. Damian Izdebski, der den Computerhändler DiTech aufbaute, nennt Niedermeyer laut Standard eine „Gemischtwarenhandlung ohne Profil. Alte Filialen und Preise wie im Internet – das funktioniert nicht.“ (pascal, mr, APA)


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