Ein empfindsamer Killer als Liebhaber

„Dead Man Down“, der erste US-Film des Dänen Niels Arden Oplev, ist ein Thriller über Rachemotive.

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Von Peter Angerer

Innsbruck –Der Beruf des Killers verlangt nach Diskretion. Für Außenstehende ist daher zu beachten, dass es verschiedene Einstiegsmöglichkeiten gibt. Oft ist es der pure Mangel an Geld, manches Mal die schlichte Bosheit mangels Unrechtbewusstseins. Nie sollten Beobachter eines mörderischen Vorgangs zur Handykamera greifen, um sich aus niederen Beweggründen mit diesem Beweismittel sozusagen Gratisdienste zu erschleichen, da in solchen Fällen meistens ein Amateur auf einen Profi trifft.

Das vergisst die brave Beatrice (Noomi Rapace), der seit einem Autounfall das linke Ohr und ein Teil ihres Gesichtes fehlt. Der Täter durfte nach drei Wochen das Gefängnis wieder verlassen. Victor (Colin Farrell), der eben kaltblütig den Gangster Paul vor laufender Kamera erwürgt hat, könnte das richtige Werkzeug für ihre Rache sein, schließlich geht es zuerst einmal um Gerechtigkeit. Aber Victor ist glücklicherweise ein – wenn auch militärisch ausgebildeter – Amateur und verfügt über eine Seele und einen Schmerz, der sein Handeln bestimmt. Vor zwei Jahren haben Immobilienspekulanten von einer albanischen Killertruppe ihn, seine Frau und seine kleine Tochter ermorden lassen. Doch die Albaner haben schlampig gearbeitet und Victors letzte „Verneigung“ nicht abgewartet. Seither erhalten New Yorks Gangster, die von Alphonse (Terrence Howard) dirigiert werden, seltsame Botschaften mit winzigen Puzzleteilen einer Fotografie, die in der kompletten Ansicht den Absender enthüllt, der aber nicht verraten wird, denn, so der Plan, der Moment der Offenbarung wird auch der Moment des Todes des Betrachters sein.

Victor weiß, ein Mord verschafft nur eine kurzfristige Befriedigung, könnte sogar eine gegenteilige Wirkung erzielen. Deshalb versucht er, die Verzweifelte von ihrem Vorhaben abzubringen. Die Mutter von Beatrice spricht nur Französisch und verbirgt ihr Gesicht unter einer weißen Maske, doch ihre Behinderung betrifft nur ihr Gehör: Valentine (Isabelle Huppert) ist seit ihrer Kindheit taub. Das klingt alles etwas konstruiert, da Beatrice zudem als Kosmetikerin arbeitet und die Vorteile einer solchen Behandlung nicht gerade als Werbespot in ihrem Gesicht zu sehen sind. Die von J. H. Wyman, der 2001 für Brad Pitt die verrätselte Gangstersatire „Mexican“ geschrieben hat, entworfenen sichtbaren und unsichtbaren Wundensymmetrien machen einerseits in der Auflösung Sinn, andererseits ist ganz New York eine verletzte Stadt.

Mit der Inszenierung von „Verblendung“, des ersten und gelungensten Teils von Stieg Larssons Millenniums-Trilogie, ist dem Dänen Niels Arden Oplev der Sprung nach Hollywood gelungen und als Einstiegsprojekt hat er einen literarischen Thriller gewählt, der einem Regisseur alle Freiheiten und Frechheiten für eine Talentprobe lässt. Der finale, spektakuläre Showdown wäre nicht einmal notwendig gewesen.


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