Aus der Sucht zur Selbstbestimmung

Alkohol, Opiate, Tabletten, Pilze und Produkte aus der Hanf- oder Kokapflanze, aber auch Online- und Spielsucht: Abhängigkeit hat viele Gesichter. In Lienz wurden zwei Beratungsstellen in einem Pilotprojekt zusammengeführt.

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Von Christoph Blassnig

Lienz – Um Menschen mit Abhängigkeiten Hilfe gezielt und an einer Stelle anbieten zu können, wurden in Lienz zwei Institutionen als Pilotprojekt zusammengeführt: Der Verein BIN und die Suchtberatung Tirol. Man hofft, dass das Angebot verstärkt angenommen wird. „Bis zu einer Sucht ist es oft ein jahrelanger Leidensweg“, weiß der Suchtkoordinator des Landes, Christof Gstrein, aus Erfahrung: „Jugendliche kommen meistens in einer Experimentierphase das erste Mal mit legalen oder illegalen Stoffen in Kontakt.“

„Alkohol wird hauptsächlich durch sogenanntes Komasaufen Heranwachsender sichtbar. Wir empören uns über Exzesse Einzelner und übersehen, dass wir Tiroler Erwachsenen in allen sozialen Schichten den weit größten Teil des Problems darstellen“, macht Primar Christian Haring, Obmann des Vereines BIN (Beratung, Information, Nachsorge), aufmerksam: „Wir schätzen die Zahl der Alkoholkranken in Osttirol auf 2000. Mindestens weitere 4000 sind alkoholsuchtgefährdet. Wir sind Anlaufstelle für die Betroffenen, Angehörige, Freunde und Familien, aber auch Unternehmen.“

BIN betreut im Bezirk etwa 150 Personen mit den Schwerpunkten Alkohol, Medikamente und Glücksspiel. Für Abhängige illegaler Substanzen arbeitet seit 2011 ein zweiter Verein im Land, die Suchtberatung Tirol. In Osttirol zählt man etwa 150 Menschen, die einen „problematischen“ Konsum von illegalen Drogen zeigen und in der Beratungsstelle in der Rosengasse Hilfe zur Selbsthilfe erhalten, erklärt GF Birgit Keel: „Wir sehen zuerst den Menschen mit seinen Problemen, dann erst die Suchtproblematik. Wir bieten umfassende Hilfe in rechtlichen, sozialen, medizinischen und psychologischen Fragen.“

Dass sich die Vereine BIN und Suchtberatung Räumlichkeiten teilen, ist in vielen Tiroler Bezirken so. Besonders ist das Angebot in Lienz, weil mit Elisabeth Pfeiffer eine Ansprechpartnerin für beide Bereiche ihre Türen offenhält. „Wir machen mit diesem Pilotprojekt in Lienz sehr gute Erfahrungen. Oft leiden Betroffene unter einer kombinierten Abhängigkeit von Alkohol und illegalen Drogen“, erläutert Gstrein.

Für viele Menschen sei es unangenehm, über ihren Umgang mit Rauschmitteln zu sprechen, zeigt Pfeiffer Verständnis: „Wir wollen dazu ermutigen, den ersten Schritt zu machen und bieten einen geschützten und vertrauensvollen Rahmen.“ Die Beratung erfolgt kostenlos und anonym. Tel: 0680/3248268.


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