Den Acker in den Garten holen

Im Berggebiet prägten Getreidefelder bis weit ins 20. Jahrhundert die Landschaft. Mittlerweile sind Getreidepflanzen für viele beinahe exotisch. Im Hausgarten lassen sich einige Getreide unkompliziert anbauen.

  • Artikel
  • Diskussion
© privat

Von Andrea Heistinger

In der letzten Gartenkolumne habe ich den Anbau von Getreide im Garten kurz erwähnt. Neugierig geworden? Wer Getreidekörner für Keimsprossen, Flocken fürs Müsli oder den Babybrei oder auch ein paar Kilo Mehl fürs Brotbacken ernten will, findet dafür selbst im Hausgarten Platz. Dabei geht es nicht darum, sämtliches Getreide für das tägliche Brot selbst zu ernten. Denn um für eine Person für ein Jahr Speisegetreide zu ernten, benötigt man – je nach Essgewohnheiten, Bodenverhältnissen und Anbauweise – durchschnittlich 500 bis 1000 Quadratmeter Fläche. Die Erträge liegen zwischen 35 und 55 Kilogramm pro 100 Quadratmeter.

Um den Anbau von Getreide zu erproben, einige Flocken fürs Müsli oder Halme für die Vase zu ernten oder eine alte Getreidesorte zu erhalten, reichen aber bereits einige Quadratmeter. Ebenso wie die „echten“ Getreide können auch einige Hirsearten oder Mais auf kleinen Flächen erprobt werden.

Das Beet wird so wie für die Gemüsekultur vorbereitet. Die Aussaatmenge ist bei Reihensaat 300 bis 400 Körner/Quadratmeter (bei Sommergetreide eher 400, bei Wintergetreide eher 300 Körner). Die Getreidesamen müssen nach der Aussaat mit Erde bedeckt sein, ideal ist eine Saattiefe von zwei bis drei Zentimetern, nur Roggen wird flacher gesät. So weiß der Volksmund: „Roggen will den Himmel sehen.“ Nach der Aussaat die Körner mit einem Rechen einarbeiten. Danach mit der Rechenrückseite gut andrücken, damit die Körner fest und dicht im Boden liegen. Um das Getreide gut von Unkraut freihalten zu können, wird es am besten in Reihen gesät – mit einem Reihenabstand von 20 Zentimetern.

Eine Alternative aus der Permakultur: Man mulcht die Fläche kräftig mit (möglichst samenfreiem) Grasschnitt. Dann wird das Saatgut direkt in den Mulch gesät und mit dem Rechen hineingerüttelt.

Sommergetreide wird im Frühling gesät, Wintergetreide im Herbst. Bei Wintereinbruch sollten die Pflanzen das Drei-Blatt-Stadium erreicht haben, dann kommen sie am besten über den Winter. Wintergetreidesorten können erst nach einer Frosteinwirkung in Blüte gehen, sie können daher nicht einfach im Frühling angebaut werden. Umgekehrt sind Sommergetreidesorten nicht ausreichend frostfest. Für beide Aussaattermine gilt: Je früher gesät wird, desto früher ist das Getreide auch reif.

In einigen hoch gelegenen Gebirgsregionen – zum Beispiel im Ötztal – wurde früher jedes einzelne Samenkorn „gestupft“, also die Körner einzeln ausgesät, wie man dies zum Beispiel bei Erbsen macht. Durch das „Stupfen“ der Körner wachsen die Pflanzen kräftiger und haben, wie etwa Gerste, längere Ähren und entsprechend mehr Ertrag. Welche Getreide können nun im Frühling noch angebaut werden? Nackthafer und Nacktgerste werden bis Mitte April angebaut und Sommerweizen zwischen Ende März und Ende April – ein guter Anhaltspunkt ist die Kirschblüte. Getreide „bestockt“: Aus einem Getreidekorn können sich mehrere Halme entwickeln: Besonders gut bestockt Getreide, wenn es – sobald es ungefähr zehn Zentimeter hoch ist – mit einer Gartenhaue gepickt wird. Zirka einen Monat später ist ein Jätdurchgang sinnvoll.

Bleibt nur noch die Frage, wo man das passende Saatgut bekommt. Wer Wert auf lokale Sorten legt (was vor allem in höher gelegenen Regionen empfehlenswert ist), findet diese beim Verein Arche Noah (www.arche-noah.at), ebenso bei der Gruppe Urkorn Tirol, die auch Kurse anbietet (www.autark-werden.at). Ausführlichere Anbau-Anleitungen bietet das große „Biogarten-Buch“ (erschienen im Löwenzahn-Verlag), das ab sofort lieferbar ist.


Kommentieren


Schlagworte