Wenn der Ruhm einen Tick zu früh kommt

Vom Kindergarten direkt auf die Showbühne. Nicht jeder Jungstar kann mit dem frühen Ruhm und seinen Folgen umgehen.

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Los Angeles –„Ruhm ist nicht gut für die Menschen. Berühmte Leute glauben plötzlich, was man ihnen sagt – dass sie besser sind.“ Ein wahres Wort, das Donna Leon einmal in einem Interview gesprochen hat. Hinzuzufügen wäre dem Ganzen vielleicht nur noch der Beisatz: „Und je jünger die Promis sind, desto mehr laufen sie Gefahr, ihre Karriere mit viel Pomp und Trara an die Wand zu fahren.“

Prügeleien, Pöbeleie­n und mitunter sogar nackte Tatsachen. Justin Bieber hat in den vergangenen Wochen wirklich alles darangesetzt, sein Image als „süßes Teenie-Idol“ zu zerstören. „Das war ja auch nicht anders zu erwarten“, hat es daraufhin gleich von allen Seiten getönt. „Dem Jungchen ist der Ruhm einfach zu Kopf gestiegen.“ Auch Vergleiche mit gefallenen „Kinderstars“ wie Macaula­y Culkin oder Lindsay Lohan machten überraschend schnell die Runde. Vergleiche, die auf den ersten Blick vielleicht übertrieben zu sein scheinen – denen man an dieser Stelle aber doch einmal nachgehen sollte.

Denn Biebers bisheriger Karriereverlauf (über Nacht zum Superstar und von einem Tag auf den anderen plötzlich „Spezialist“ für Negativschlagzeilen) erinnert frappierend an andere bekannte „Jungstars“. Da wäre zum einen Aaron Carter, der jüngere Bruder von Backstreet Boy Nick. Bereits mit süßen neun Jahren veröffentlichte der blonde Knirps sein erstes Album und wurde von den Medien gefeiert. Doch Aaron wurde größer, älter und konnte nicht mehr mit dem Niedlichkeitsfaktor punkten. Was folgt­e, waren Drogen, Alkohol usw. Inzwischen hat sich der 25-Jährige zum Glück aber wieder aufgerappelt und spielt in einem Musical mit.

Aufgerappelt hat sich Edward Furlong, der mit 14 Jahren durch „Terminator 2“ bekannt wurde, hingegen (noch) nicht. Immer wieder bekam er mit dem Gesetz zu tun, und weil er sich nicht an Bewährungsauflagen hielt, sitzt er seit März wieder hinter Gittern ...

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Zwei Beispiele, die stellvertretend für viele ander­e „Jungstar-Schicksale“ stehen. Doch zum Glück – man klopfe auf Holz – gibt es auch genügend Mädchen und Buben beziehungsweise Frauen und Herren, die es geschafft haben, im Haifisch­becken Show­business zu überleben – und die es wert sind, positiv erwähnt zu werden. Das am häufigsten zitierte Beispiel ist dabei mit Sicherheit Drew Barrymore, die als Siebenjähriger mit dem Streifen „E.T.“ bekannt wurde. Zwar war ihre Jugend alles andere als skandalfrei (Drogen und Alkohol gehörten zum Alltag des Teenagers) – doch in letzter Sekunde schaffte sie den Absprung und ist heute einer der gefeiersten und vielleicht auch bodenständigsten Hollywood-Stars überhaupt. Doch auch Alyssa Milano (mit elf Jahren wurde sie durch die Serie „Wer ist hier der Boss“ bekannt), Natalie Portman (mit 13 Jahren stand sie für „Léon – Der Profi“ vor der Kamera) oder Scarlett Jo­hansson (mit elf Jahren gelangte sie durch den Streifen „Im Sumpf des Verbrechens“ zu Ruhm und Ehre) blieben ihrem Job treu und sind aus der Filmwelt nicht mehr wegzudenken. Nicht vergessen sollte man aber auch Jerry O’Connell (mit acht Jahren dreht er den Streifen „Stand by Me – Das Geheimnis eines Sommers“) und natürlich Ethan Hawke (mit gerade einmal 15 Jahren feierte er mit dem Film „Explorers – Ein phantastisches Abenteuer“ seine Schauspiel-Premiere).

Um schlussendlich noch ein positives Beispiel zu nennen, das noch mitten drin im Erwachsenwerden ist: Dakota Fanning, die mit gerade einmal sieben Jahren 2001 in „Ich bin Sam“ brillierte, ist ebenfalls auf den besten Weg, eine skandalfreie Karriere hinzulegen.

Man sieht also, wenn der nötige (familiäre) Rückhalt gegeben ist, kann man auch Hollywood halbwegs unbeschadet überstehen und ein ganz Großer im Showbusiness werden. (kew)


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