Steuerhinterziehung: Auch Österreicher auf Offshore-Listen

In dem gigantischen Datenberg kommen auch heimische Steuersünder vor. Bis diese publik werden, könnte es aber noch dauern. Der Deutschen Bank und zwei Schweizer Geldinstituten wird vorgeworfen, an den Offshore-Geschäften aktiv beteiligt gewesen zu sein.

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Skyline des Frankfurter Bankenviertels bei Nacht.
© Keystone

Frankfurt/Bern - Es ist ein gewaltiger Datenberg, den Journalisten aus aller Welt seit mehr als einem Jahr durchforsten. 2,5 Millionen Dokumente über die Machenschaften von rund 130.000 Steuerflüchtlingen. Tröpfchenweise dringen immer neue Details der Offshore-Leak“ an die Oberfläche. Schritt für Schritt wird ein gigantisches Netzwerk enttarnt, das die Staaten pro Jahr laut den Berechungen des „Tax Justice Network“ insgesamt rund 148 Mrd. Euro an Steuereinnahmen gekostet hat.

Auch Österreicher sollen sich laut einer Sprecherin des Konsortiums für investigativen Journalismus (ICIJ) auf der Steuersünder-Liste befinden. Namen sollen jedoch erst in den nächsten Tagen und Wochen veröffentlicht werden, wie auch Frederik Obermaier, Reporter bei der Süddeutschen Zeitung (SZ), am Freitag gegenüber dem Ö1-Morgenjournal bestätigte.

„Bei unseren Recherchen haben wir schon öfter Namen aus Österreich gesehen, auch Adressen aus Österreich. Aber ich muss gestehen, dass wir dem bis jetzt noch gar nicht nachgegangen sind. In diesem schieren Datenberg haben wir uns einmal auf die deutschen Fälle konzentriert und werden auch da jetzt ein paar Monate dransitzen, bis wir da in österreichische Gefilde vordringen werden“, erklärte Obermaier.

Bisher ist nur der Fall von Denise Rich bekannt, einer seit 2011 in Österreich lebenden US-Komponistin, die unter anderem Hits für Celine Dion schrieb. Sie soll 2006, als sie noch als Doppelstaatsbürgerin in New York lebte, 144 Mio. US-Dollar in einen Trust auf den Cook-Islands geparkt haben.

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Deutsche Bank und UBS im Zwielicht

Auch renommierte Banken rücken im Zuge der spektakulären Enthüllungen in den Blickpunkt. So hat Recherchen der Süddeutschen Zeitung (SZ) und des NDR zufolge, die Deutsche Bank über seine Niederlassung in Singapur mehr als 300 Firmen und Trusts in Steueroasen, größtenteils auf den Britischen Jungferninseln, gegründet.

Ein Deutsche-Bank-Sprecher verteidigte sich gegenüber spiegel.de mit den Worten: „Wir bieten Dienstleistungen für vermögende Kunden auf der Grundlage an, dass die Kunden ihre Steuerangelegenheiten vollumfänglich regeln und dabei alle Steuergesetze und Meldeverpflichtungen befolgen.“

Dass die Bank auf ihrer Website www.dboffshore.com aktiv für Geschäfte in Steueroasen wie den Cayman-Inseln und Mauritius wirbt, sagte er freilich nicht. Auch in wessen Auftrag das Geldinstitut Offshore-Trusts mit Namen wie Roseburn oder White River Holdings Group Ltd. aufgesetzt hat, wird verschwiegen.

Banken sollen „aggressiv darauf hingearbeitet“ haben

In der Schweiz steht einmal mehr die Großbank UBS und die ehemalige Credit-Suisse-Tochter Clariden im Scheinwerferlicht. Sie hätten „aggressiv darauf hingearbeitet, ihren Kunden geheimste Gesellschaften auf den Britischen Jungferninseln und anderen Steueroasen zu verschaffen“, schreiben die Verantwortlichen des Internationalen Konsortiums für investigativen Journalismus (ICIJ) in den USA.

Die frühere Credit-Suisse-Vermögensverwaltungstochter Clariden hat laut einem E-Mail-Wechsel, der der Schweizer Nachrichtenagentur sda vorliegt, bei der Treuhandgesellschaft Portcullis Trustnet in Singapur Anonymität für ihre Kunden gesucht. Auch die UBS arbeitet offenbar mit der Porticullis Trustnet zusammen.

Quellenschutz hat Vorrang

Das weltweite Enthüllungsprojekt Offshore-Leaks erinnert an WikiLeaks, funktioniert aber ganz anders. Im Gegensatz zu WikiLeaks schützen die involvierten Journalisten die Quellen. Deshalb wird es auch keine rasche Aushändigung der Daten an die zuständigen Behörden geben.

„Das ICIJ will diese Daten nicht veröffentlichen, weil man auch großen Schaden bei unbeteiligten Dritten anrichten kann, die in den Daten genannt sind“, erklärte Sebastian Mondial, der als Datenjournalist am Offshore-Projekt beteiligt ist, der Nachrichtenagentur dpa. Weltweit gebe es nur eine „Handvoll Personen, die den Zugang zu allen diesen Daten hat“.

Die Arbeit am Datenberg läuft seit mehr als einem Jahr. Beendet sei sie noch lange nicht. (tt.com, APA/sda)


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