Harte Zeiten für die Bienen

Bei Kälte ziehen sich die Honigbienen in den Stock zurück. Das Futter geht nach dem langen Winter zu Ende, Notfütterung ist notwendig.

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Von Alexandra Plank

Innsbruck –Die Imker im Osten Österreichs schlagen dieser Tage Alarm: „Wir befürchten große Verluste bei den Bienen. Das Winterfutter geht zu Ende und die Tiere verhungern“, sagt Josef Niklas vom Niederösterreichischen Imkerverband. Temperaturen unter zehn Grad machen den Imkern das Zufüttern unmöglich, damit wird die Zahl der Jungbienen in den Völkern extrem schrumpfen.

In Tirol ist die Lage nicht so prekär, sagt Reinhard Hetzenauer, Präsident des Landesverbandes für Bienenzucht in Tirol. „Wir gehen davon aus, dass die Imker die Bienen im Herbst mit genügend Futter versorgt haben. In Tirol lässt der Frühling ja öfter auf sich warten.“ Die Imker würden derzeit die Nahrungsversorgung kontrollieren und gegebenenfalls eine Notfütterung vornehmen.

Die Obstbaumblüte verzögere sich in diesem Jahr um rund eine Woche, wodurch die Bienen auch noch nicht als Bestäuber vermisst würden, sagt Hermann Kuenz vom Verein Tirol Obst. „Wichtig ist, dass es in der Blütezeit keine Minusgrade am Morgen gibt und es untertags über 10 Grad hat, damit die Bienen fliegen und die Blüten bestäuben können“, erklärt Kuenz.

Im Stock kann die Kälte den Bienen nichts anhaben. Der größte Feind der Biene sei ohnehin nicht die Kälte, sondern die Varroa-Milbe, erklärt Hetzenauer. „Sie saugt den Bienen Blut aus, wodurch sie gegenüber Viren anfällig werden“. Die Bekämpfung der Milbe erfordert von den Imkern viel Fingerspitzengefühl. Die Mittel dürfen weder zu hoch noch zu niedrig dosiert sein. „Im vergangenen Jahr hat sich der Bienenbestand auch durch die Varroa-Milbe im Winter um 25 Prozent dezimiert. Vor dem Auftreten der Milbe lag der natürliche Schwund bei etwa 10 Prozent“, sagt Hetzenauer. Heuer dürften es 20 Prozent sein. In Tirol gibt es 2500 Imker, die 30.000 Bienenvölker betreuen.

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Im Frühjahr drohe der Biene durch gebeizten Mais und Spritzmittel Gefahr. „Die Bienen sterben oder finden nicht mehr zu ihrem Stock zurück“, so Hetzenauer. In Kufstein habe man gebeizten Mais als Ursache für Bienensterben nachweisen können. Als Skandal bezeichnet Hetzenauer das Faktum, dass Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich gegen ein EU-weites Verbot bienengiftiger Pestizide gestimmt hat. Österreich war eines von nur neun Ländern, das dagegen war. „Eine friedliche Koexistenz zwischen Imkern und Bauern muss das Ziel sein“, so Hetzenauer abschließend.


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